.. zwei Stunden später ..
"Hey, was machst du noch hier? Deine Schicht ist doch schon lange vorbei, oder nicht?"
Ich sah kurz von meiner Kaffeetasse auf. Harvey kam zu mir und zog sich seine Jacke aus.
"Ich kann eh nicht schlafen. Außerdem müssen wir den Commissioner finden, da mach ich eben Überstunden"
"Es ist wegen deiner Schwester, ne?"
"Nein"
"Achja?" Er setzte sich auf die Kante meines Schreibtischs. "Dann sag mir, was los ist"
"Nichts"
"Also das Lügen müsstest du nochmal üben. Warst du mal bei ihr?"
Ich legte den Stift aus der Hand und seufzte. "Nein, was macht sie so?"
"Nicht viel. Clarke sitzt im Schneidersitz in der Mitte der Zelle und hat die Augen geschlossen"
Ich runzelte die Stirn und trank einen Schluck Kaffee.
"Sie reagiert aber, wenn man sie anspricht. Nicht gerade sehr höflich, aber das hab ich auch nicht erwartet"
"Sie sitzt einfach nur in der Mitte ihrer Zelle und macht gar nichts?"
< Clarke P.o.V. >
Ich atmete tief ein und aus und konzentrierte mich voll und ganz auf die Schmerzen in meinem Bein.
Wenn ich von hier abhauen wollte, musste ich irgendwie die Schmerzen unterdrücken oder lernen, sie auszublenden.
Ich konnte nicht laufen.
Vorhin musste mich ein Cop zu den Zellen tragen. Er war ziemlich grob.
Ich hatte fast keine Kraft mehr in meinem rechten Bein. Das einzige, was ich deutlich spürte, waren die Schmerzen, die sich vom Fuß bis zur Hüfte bemerkbar machten.
Ich musste wenigstens stehen können.
Ich rutschte ein bisschen zu den Gitterstäben und zog mich an ihnen nach oben.
"Was machst du denn da?", fragte einer der Männer in der Nachbarzelle.
"Ich versuche zu stehen", sagte ich und verlagerte mein Gewicht langsam ein wenig auf mein rechtes Bein. Es fühlte sich an, als würde es jemand langsam aufschneiden. Ich verlagerte mein Gewicht zurück auf den linken Fuß und lehnte mich an die Gitterstäbe.
"So wird das nichts"
"Hm?" Ich sah den Mann fragend an.
"Versuch zu gehen"
"Dann knick ich nur weg"
"Dann geh an den Gitterstäben"
"Woher willst du wissen, wie ich das hinkriegen könnte?"
"Ich weiß es einfach, versuch zu gehen"
Ich seufzte und ging mit zusammengebissenen Zähnen langsam an den Gitterstäben hin und her. Wenn ich mich nicht festgehalten hätte, wär ich wirklich sofort weggeknickt.
Nach ein paar Minuten hörte ich auf. Es brachte eh nichts.
"Siehst du?"
"Was meinst du?"
"Du stehst auf beiden Beinen"
Ich sah zu meinen Füßen. Ich stand tatsächlich auf beiden Beinen. Es tat zwar immer noch weh, aber ich hab es geschafft.
"Woher wusstest du, dass das klappt?"
Er lächelte ein bisschen und setzte sich auf den Boden.
"Sowas ist reine Kopfsache. Warum strengst du dich überhaupt an? So schnell kommen wir hier eh nicht weg"
Ich seufzte und setzte mich auf die Bank.
..
Nach einer Weile kamen drei Männer zu den Zellen. Zwei trugen Anzüge und einer war scheinbar ein Polizist. Der Mann, mit dem ich vorhin gesprochen hatte, ging nach vorne an die Gitterstäbe.
Sie kamen immer näher auf uns zu. Der Mann in der Mitte trug einen Hut. Ich drehte mich ein bisschen weg um die Aufmerksamkeit nicht auf mich zu ziehen.
"Gerald, mein Lieber. Was machst du denn für Sachen?", sagte der Mann mit dem Hut und ging zur Nachbarzelle.
"Bitte holen Sie mich hier raus"
"Wieso hintergehst du mich?"
"Das.. das würde ich nie machen"
Die Stimme kam mir irgendwie bekannt vor. Ich sah zu den beiden und musterte den Mann mit dem Hut. Er trug einen ziemlich teuer aussehenden Anzug und glänzende Schuhe. Sein Gesicht war durch den Hut ein wenig verdeckt.
"Weißt du, du bist nicht so dumm wie ich anfangs dachte"
"Das stimmt, ich bin nicht dumm. Ich kann euch helfen!"
"Wobei denn?"
"Bei vielem"
"Werd doch bitte etwas konkreter", sagte der Mann und nahm seinen Hut vom Kopf.
Es war mein Vater!
Ich lächelte ein bisschen und schenkte dem Gespräch weiterhin meine Aufmerksamkeit.
"Wieso sollte ich dich hier raus holen? Nenn mir ein gutes Argument"
"Ich kann gut spoinieren"
"Wie soll mir das helfen?"
"Ich könnte Leute aushorchen, gegen die Sie vorgehen wollen"
"Wie hast du denn vor, das zu machen?"
"Ich hab ein Talent dafür. Vertrauen Sie mir bitte"
"Vertrauen ist ein mächtiges Wort. Ich bin mit dieser Sache recht vorsichtig"
"Bitte geben Sie mir eine Chance"
Dad zögerte, signalisierte dann aber dem Polizisten neben ihm, dass er die Zelle öffnen sollte.
Dieser gehorchte. In der Zeit, als er die Zelle aufschloss, sah mein Dad zu mir und runzelte leicht die Stirn.
Ich lächelte ein bisschen.
"Clarke?"
"Hey, Dad"
"Schließ die andere Zelle auch auf", sagte er zum Polizisten und sah dabei zu mir.
Dieser öffnete nun auch meine und mein Vater kam zu mir und umarmte mich.
"Was ist denn mit dir passiert? Du siehst ja fürchterlich aus"
"Danke, das ist genau das, was Frauen hören wollen"
"Du weißt wie ich das meine"
"Ja, ich hab mich geprügelt und wurde angeschossen"
"Von wem?"
"Weiß ich nicht"
"Kannst du laufen?"
"Sieht schlecht aus.."
"Okay, komm her"
Er nahm die Schlüssel, öffnete die Handschellen, legte meinen Arm um seine Schultern und hob mich hoch.
Ich wurde von ihm zum Auto gebracht. Er setzte mich auf den Beifahrersitz und ging danach um das Auto herum.
Dad sagte kurz etwas zu dem einen Mann von vorhin, setzte sich ans Steuer und fuhr los.
"So, da müsstest du mit aber ein wenig erklären"
"Das wäre?"
"Ich habe mehrere Fragen. Was machst du beim GCPD? Wieso warst du in einer Zelle? Wieso bist du so blutig geschlagen? Woher hast du die Schusswunde? Warum das ganze?"
"Das sind viele Fragen.. Weißt du, ich hab seit neuestem 'nen Job"
Er lachte ein bisschen.
"Es ist nur nicht alles so gelaufen, wie ich es wollte. Ich wurde aufgehalten, hab gekämpft, später wurde ich erneut aufgehalten und hab dort die Kugel ins Bein bekommen. Das ist ein paar Stunden her"
"Ist die Kugel noch im Bein?"
"Nein, die hat 'ne Ärztin entfernt.. Warte mal" Ich holte mein Handy aus der Hosentasche und schrieb Eddie eine Nachricht.
'Gab Komplikationen, aber bin außer Gefahr.. Mach dir keine Sorgen, ich liebe dich :*'
..
..
Mein Vater brachte mich nachhause und dort bis zur Haustür. Er verabschiedete sich mit einer Umarmung von mir und fuhr danach weiter.
Ich klopfte an der Tür. Diese wurde kurze Zeit später geöffnet.
Eddie blickte geschockt in mein Gesicht.
"Das nennst du also Komplikationen?"
Ich lächelte ein bisschen. "Aber mir geht's gut", versuchte ich mich ein wenig zu verteidigen.
"Wirklich?"
"Mehr oder weniger. Ich kann nur nicht laufen"
"Wie bist du dann hier her gekommen?"
"Mein Vater hat mich gefahren"
Er seufzte leise. "Na komm mal her, Prinzessin", sagte er und hob mich hoch. Eddie trug mich in Brautstil ins Schlafzimmer und legte mich aufs Bett.
Erst dort sah er, dass mein eines Hosenbein blutrot gefärbt war. "Wer war das?", fragte er während er vorsichtig seine Hand auf mein Bein legte.
"Ich werd's dir sagen, aber du musst mir versprechen, dass du ihm nichts antust. Ich würd das gerne selber regeln"
Er nickte.
"Es war John. Er hat mich angeschossen als ich abhauen wollte"
"Lass mich raten, die Blessuren sind auch von ihm?"
"Ja.. aber ich will das selber klären"
DU LIEST GERADE
Whatever doesn't kill you simply makes you stranger
FanfictionDas Leben auf Gothams Straßen ist alles andere als einfach und sicher. Doch was passiert, wenn man auf eine Person trifft, die dieses Leben vollkommen auf den Kopf stellt? Genau das passiert Clarke, eine junge Taschendiebin, die eigentlich nur vers...
