"Interessante Einstellung.. Du meintest, du wolltest nicht auf der Straße schlafen. Hast du denn kein Zuhause, keine Familie?"
"Weiss ich nicht, solang ich denken konnte lebte ich in 'nem Heim. Dort war's langweilig und die Leute dort haben uns nicht gerade gut behandelt. Mit 14 bin ich abgehauen. Mehr musst du nicht wissen."
"Wie alt bist du?"
"16. Kann ich jetzt gehen?"
In dem Moment wo ich das fragte, hörte ich, wie das Tor der Lagerhalle aufging.
"Hey, Boss! Die Lieferung ist da!"
Scarecrow stöhnte genervt auf und ging aus dem Raum.
Sobald er weg war, stand ich auf und ging zum Türrahmen. Ich sah mich um. Niemand war in Sichtweite. Schnell rannte ich in die Richtung vom Tor.
".. das nicht auch bis nachher warten können?"
Scarecrow kam zurück in die Halle. Ich hockte mich neben das Tor und hielt die Luft an um so leise wie möglich zu sein. Nach ein paar Sekunden ging ich vorsichtig aus der Halle raus, in eine der Gassen zwischen den Hallen und rannte Richtung Stadt. Nach ungefähr fünf Minuten machte ich eine kurze Pause und setzte mich in eine Ecke zwischen zwei Häusern. Man sollte mich ja nicht sofort erwischen, wenn man mich bis hierhin verfolgte. Nach dieser kurzen Verschnaufpause ging ich durch einige Gassen weiter. Nebenbei machte ich mir Gedanken, wie ich das Tape von meinen Handgelenken bekommen sollte. Ich konnte ja schlecht zu irgendeinem Passanten gehen und fragen, ob er oder sie mir mal das Tape durchschneidet.
Glücklicherweise war es nachts und um diese Uhrzeit sah man nicht sehr viele Menschen auf den Straßen.
Ich ging an einigen großen Gebäuden vorbei und hoffte, jemanden zu entdecken, bei dem man nicht erklären musste, warum die eigenen Hände verbunden waren.
"Hey, Kleine! Was machst du hier so spät?" Ich drehte mich ruckartig um. Es war eine Frauenstimme, die nach mir zu rufen schien.
Wie erwartet kam eine Frau auf mich zu. Sie trug einen komplett schwarzen Anzug und bewegte sich sehr elegant. Ich ging ein paar Schritte zurück.
"Scheinst wohl ein wenig in der Klemme zu stecken, hm?", meinte sie und schmunzelte ein wenig. "Komm her, ich tu dir nichts."
Ich guckte skeptisch, ging aber trotzdem zu ihr herüber. Ohne zu gucken, schnitt sie das Tape durch und meine Hände waren wieder frei.
"Woher wusstest du, dass.."
"Ich hab dich beobachtet."
"Seit wann?"
"Fünf oder zehn Minuten, kommst du von den alten Lagerhallen?"
"Ja, danke für die Sache mit dem Tape."
"Kein Problem. Ich hab dich schon öfter auf der Straße gesehen. Hast du kein Zuhause?"
"Nee, ich leb schon 'ne Weile hier draußen"
"Ich auch"
"Wer bist du überhaupt?"
"Catwoman, und du?"
"Jester"
"Naja, ich muss dann mal weg", meinte Catwoman und verschwand so schnell, wie sie herkam. Ich ging weiter Richtung Downtown.
In einer Einkaufsmeile schaute ich mich kurz um. Irgendwoher musste ich etwas zu essen herbekommen.
Ich ging zu einem Imbisswagen und lehnte mich an der Seite dagegen. Als kurze Zeit später eine Frau vorbei kam, schnappte ich mir schnell ihre Geldbörse aus dem Beutel und kletterte an einer Leiter in einer Seitengasse hinauf und ein paar Meter weiter, wieder herunter. Langsam wurde das zu einfach. In der Geldbörse war fast nichts. Höchstens fünf Dollar. Ich nahm das Geld und ging in ein Fastfood-Restaurant. Dort kaufte ich mir einen Burger und ging wieder nach draußen. Man konnte schon sehen, wie die Sonne langsam aufging.
Nachdem ich den Burger ausgepackt hatte, setzte ich mich auf den Bürgersteig und begann zu essen.
Nebenbei ging mir das Gespräch mit Catwoman nicht mehr aus dem Kopf. Sie meinte, sie habe mich beobachtet. Warum? Vielleicht machte sie halt sowas. Fremde Leute beobachten und nach Lust und Laune anquatschen. Immerhin hat sie mir geholfen. Ohne ihre Hilfe hätte ich vielleicht irgendwelche Passanten fragen müssen und das wäre ein wenig eigenartig rübergekommen.
"Hey, müsstest du nicht in der Schule sein?"
Ich drehte mich kurz um und sah einen Mann in einem grauen Anzug. Er schien Mitte dreißig gewesen zu sein, hatte braune Haare und war etwas mehr als eine Kopflänge größer als ich.
"Nein"
Er sah mich skeptisch an, aber ich drehte mich wieder zurück und aß weiter. "Was ist mit deinen Handgelenken passiert? Brauchst du Hilfe?"
"Wenn ich Hilfe bräuchte, würde ich nicht hier sitzen und 'nen Burger essen", erwiderte ich genervt.
Der Mann seufzte und ging.
Nie kann man mal in Ruhe essen. Wenigstens hat er es mir nicht runtergeworfen.
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Whatever doesn't kill you simply makes you stranger
FanficDas Leben auf Gothams Straßen ist alles andere als einfach und sicher. Doch was passiert, wenn man auf eine Person trifft, die dieses Leben vollkommen auf den Kopf stellt? Genau das passiert Clarke, eine junge Taschendiebin, die eigentlich nur vers...
