♦ Emily ♦
Das Bild von Ben, wie er zu mir aufsieht und jeden meiner Schritte genauestens verfolgt hat etwas Abstruses wie auch Eindrucksvolles. Seine Augen glimmen wie ein heißes Feuer und doch sind seine Gesichtszüge zum Bersten angespannt. In seinem Umkreis ist und bleibt alles gegensätzlich.
Zuerst hatte ich die Auswahl meines Kleides in Frage gestellt, doch aus irgendeinem Grund nimmt mir das Verlangen in seinen Augen meine Unsicherheit. Jedoch schürt sein Blick auch meine Nervosität. Er hat mir ein lächerliches Angebot gemacht, das nur so von Zweideutigkeiten strotzt. Wenn er mich also wirklich so sieht, wie er es ausgedrückt hat, dann hat er sich in diesem Falle nämlich ganz klar verschätzt. Es wäre dumm von mir ihn zu unterschätzen. Ben tut nichts ohne Hintergedanken. Aber wenn er glaubt, dass ich einfach aufgeben werde, dann hat er sich geschnitten. Mir ist egal wo wir heute hinfahren, ich werde keine Möglichkeit ungenutzt lassen um zu türmen.
Seine Manieren hat er trotz seiner fehlenden Moral nicht verloren, er streckt mir Gentleman-like die Hand hin und nach einem kurzen Zögern ergreife ich sie. Bens Augen brennen sich in meine, während ich die letzte Stufe nach unten gehe und mich trotz hoher Absätze gerade mal auf Schulterhöhe mit ihm sehe. „Du siehst atemberaubend aus, Darling", sagt er und rückt einen Schritt von mir ab, mit einer stummen Aufforderung mich zu drehen. Ich tue ihm den Gefallen und kann nicht verhindern, dass ich seinen Worten glaube. Nicht nur sein Tonfall, der beinah etwas ehrfürchtiges an sich hat, allein sein Blick reicht, um Eis zum Schmelzen zu bringen. Er findet mich schön und aus einem mir unerfindlichen Grund begehrt er mich. Das hat er ja bereits schon des Öfteren zum Ausdruck gebracht. Meine Wangen werden bei dem Gedanken an unseren heißen Kuss rot und ich räuspere mich mit vorgehaltener Hand.
Es wird dringend Zeit, dass ich aufhöre mich in eine andere Realität zu träumen und wieder auf dem Boden der Tatsachen anzukommen. Vielleicht kommt es meinem Verstand gut, mir einzureden, dass es hier gar nicht mehr so schlimm ist, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis Ben sich wieder in das eiskalte Monster verwandelt, das er eben ist. Besser ich führe mir bei jeder Gelegenheit vor Augen, was er schon alles Schreckliches getan hat.
Mein Vorhaben verflüchtigt sich jedoch, als seine Hand sich auf meinen unteren Rücken legt und er mich galant zur Tür führt. Die Stelle an der er mich berührt scheint mich zu verbrennen. Noch immer starrt er mich nieder. Und ich zergehe unter ihm. Meine Knie schlottern, mein Puls beschleunigt sich und mein Magen kribbelt. Erst als wir die Stufen hinuntergegangen sind, erkenne ich überhaupt den riesigen Audi der für uns bereitsteht.
Mit wird die Tür aufgehalten und noch immer wie in Trance gleite ich auf die Rücksitzbank. Das weiche Leder schmiegt sich an meine nackten Beine und ich muss tief Luft holen, als Ben sich neben mich setzt und sein Duft den gesamten Innenraum einnimmt. Es ist mir ein Rätsel weshalb mein Körper so auf ihn reagiert. Weshalb es wieder und wieder passiert, dass ich vergesse wo ich mich befinde. Ist es vielleicht die Länge meines Aufenthalts? Vergesse ich mich allmählich selbst?
Ich schnaufe durch, rücke ein weiteres Stück Richtung Fenster um vor ihm – und meinen Gefühlen zu fliehen. Der Wagen beginnt sich zu bewegen, ein kurzes Schielen nach vorne bestätigt meine Vermutung, dass Carlos am Steuer sitzt. Dieser Kerl ist mir einfach nicht geheuer und eine feine Gänsehaut zieht sich über meinen Rücken, als sich unsere Blicke für einen kurzen Moment über den Rückspiegel treffen.
„Also?", durchbreche ich die Stille und muss mich räuspern, weil meine Stimme so brüchig klingt. „Was genau soll ich heute oder überhaupt tun?" Mein Blick ist stur nach draußen gerichtet. „Gar nichts weiter. Zuerst hörst du aufmerksam zu und lernst." Ben zuckt mit den Schultern und ich schrecke zusammen, als er seine Hand neben meinem Bein fallen lässt. Er berührt mich kaum und trotzdem stockt kurz mein Atem. „Mein Geschäft ist weitläufig und nicht nur illegal, auch wenn du das glaubst. Heute Abend geht es um den eventuellen Kauf eines neuen Clubs", sagt er gleichgültig. Verwirrt kneife ich die Augen zusammen und beiße mir auf die Lippe um dem Drang zu wiederstehen, ihn doch anzusehen. Die letzten Stunden hatte ich damit verbracht mir den Kopf darüber zu zerbrechen was genau ich mit seiner Arbeit zu tun haben könnte. Letztlich bin ich nicht wirklich erfahren im Verkaufen und Schmuggeln von Kokain oder irgendwelchen anderen Drogen. Dass ich gar nicht erst an die Möglichkeit der Geldwäsche gedacht habe, kommt mir nun umso dümmer vor.
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Afraid of you
Детектив / ТриллерKolumbien. Gefangen bei einem der einflussreichsten Männer des Landes. Und es gibt kein Entkommen. "Auch er sieht mir direkt in die Augen. Er verzieht keine Miene. Kalt, wie die Farbe seiner Augen. Hart, wie die Muskeln an seinem Körper...
