♦ Emily ♦
Wie befohlen, bleibe ich exakt in der Position liegen, in der Ben mich zurückgelassen hat. Mir ist warm, heiß und mein Schoß pocht. Ein breites Grinsen schleicht sich auf meine Lippen und ich lege mir schnell eine Hand auf den Mund, als sich ein idiotisches Kichern lösen möchte.
Ich kann nicht fassen, was ich da soeben getan habe und was ich im Begriff bin zu tun. Dieses Gefühl von Macht, das mich überkommen hat, als ich Ben verwöhnt hatte, hat mich in völlig andere Sphären katapultiert. So sehr es mich stört, genauso sehr freut es mich, wie ich mich die letzten Monate verändert habe. Von dem kleinen Mädchen vom Lande ist nicht mehr viel übrig geblieben und ich fühle mich zum ersten Mal als erwachsene Frau, die alles schaffen kann, was sie sich vornimmt. Es mag idiotisch klingen, dass dies eine so alltägliche sexuelle Handlung auslösen kann, doch das ist es nicht allein. Bens Blicke, seine Berührungen, sein Verhalten mir gegenüber – das lässt mich so fühlen. Das ist es, was mich erdet und all die Ängste der letzten Zeit verpuffen lässt.
Seufzend streiche ich mir die leicht schwitzigen Haarsträhnen aus dem Gesicht, zappele mit dem Hintern und versuche meine Position so zu verändern, dass es zumindest halbwegs nach einer verführerischen Position aussieht. Meine Lippen prickeln von Bens Küssen und sind geschwollen von dem, was danach kam. Sein Geschmack liegt mir noch immer auf der Zunge und ich schlage mir doch wieder die Hand vor den Mund. Dieses bescheuerte Grinsen will nicht verschwinden.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie mir Ann von ihren Erfahrungen erzählt hat meinte, dass ein Blowjob nur in Pornos erotisch wäre. Sie mochte es überhaupt nicht. Weder den Geschmack, doch die Handlung an sich. Diese Meinung teile ich ganz und gar nicht. Es hat mich unfassbar erregt, Ben in der Hand zu haben und ihm Vergnügen zu bereiten. Noch dazu wirkt sein herber, männlicher Geschmack wie ein zusätzliches Aphrodisiakum für mich. Schmunzelnd drücke ich meine Schenkel zusammen um den Druck an meiner Mitte etwas weniger werden zu lassen, wölbe meinen Rücken und zupfe meinen Ausschnitt zurecht, sodass meine Brüste besser zur Geltung kommen.
Mein Blut schießt noch immer wie flüssiges Adrenalin durch die Venen und ich lausche meinem klopfenden Herzschlag, während ich mit dem anderen Ohr auf Geräusche von Ben achte. Weit entfernt höre ich seine dunkle Stimme, sie ist jedoch so leise, dass ich kein einziges seiner Worte verstehen kann. Ich sehe zu der Uhr über dem Kamin und verfolge mit höchster Anspannung wie der Sekundenzeiger über das Ziffernblatt kriecht. Nach einer halben Stunde tränen meine Augen vor Anstrengung, meine Lider flattern und so sehr ich mich auch dagegen wehre, fallen sie letztlich zu.
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Eine schaukelnde Bewegung lässt mich langsam aus meinem traumlosen Schlaf erwachen und ich fühle mich beinahe so, als würde ich fliegen. Wärme umhüllt mich und ein zarter Duft nach Zimt bringt mich zum Seufzen. Ich taste mit den Händen über weiche Haut und seidiges Haar und grummele leise, als sich all diese Berührungen mit einem Schlag in Luft auflösen. Blinzelnd öffne ich die Augen und verliere mich sofort in Bens hübschen Gesicht. Er steht vor dem Bett und sieht mit glänzenden Augen auf mich hinab. Von der vorherigen Zufriedenheit in seiner Mimik ist nichts mehr zu erkennen. Er wirkt gehetzt, enttäuscht und sogar ein Hauch von Wut huscht über seine Züge.
Bevor ich in meiner Schläfrigkeit registriere was ich tue, greife ich nach seiner Hand und lächele zu ihm hinauf. „Kommst du?" Meine Stimme klingt belegt und ich räuspere mich. Seine Finger zucken und ich kann genauestens beobachten, wie er mit sich hadert, ehe er kurz meine Hand drückt und nickt. In einer schnellen Bewegung entledigt er sich seines Hemds und für einen Augenblick glaube ich, dass ich noch immer schlafe, als ich das Spiel seiner Muskeln unter seidig gebräunter Haut mustere. Er grinst schief, schlüpft aus seiner Hose und steigt über mich hinweg in das riesige Boxspringbett, in dem ich seit einer Woche nur in einen unruhigen Schlaf finde. Ich weiß noch immer nicht, wo er die letzten Nächte über verbracht hat.
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Afraid of you
Misterio / SuspensoKolumbien. Gefangen bei einem der einflussreichsten Männer des Landes. Und es gibt kein Entkommen. "Auch er sieht mir direkt in die Augen. Er verzieht keine Miene. Kalt, wie die Farbe seiner Augen. Hart, wie die Muskeln an seinem Körper...
