♦ Benjamin ♦
Klugscheißer. Niemand mag Klugscheißer. Und Emily ist ein Klugscheißer hoch zehn. Was soll diese Kacke? Dass sie nervig sein kann – nichts Neues. Dass ihre moralische Einstellung einem grundsätzlich auf die Eier geht – okay. Aber dieses Plappermaul mit Hang zu unnötigen Details?! Das erträgt kein Mensch über eine Autofahrt von einer guten Stunde. Kurzzeitig war ich kurz davor mich aus dem fahrenden Auto und mitten in den Dschungel zu werfen. Von einer giftigen Schlange gebissen zu werden, kam mir plötzlich nicht mehr sonderlich schlimm vor. Dann hätten wenigstens meine Ohren nicht so viel Bullshit verkraften müssen. Dementsprechend beschissen ist meine Laune, als ich mit starrer Miene über den Markt marschiere.
Zwar amüsiert es mich auf eine Art und Weise, dass sie mir Kontra gibt, dass sie das Biest in sich nach außen drängt, doch gleichzeitig scheint es, als würde sie mir entgleisen. Und das ist ganz und gar nicht amüsant. Das Feuer, das in ihr steckt und das ich bereits auf den ersten Blick in ihren Augen lodern sah, brauche ich unter Kontrolle. Ansonsten entwickelt sich mein ganzer Plan in ein flammendes Inferno – da bin ich mir sicher.
Es fällt mir schwer, meine Aggressionen unter Kontrolle zu halten und den Leuten hier halbwegs freundlich zuzunicken. Typisch für einen Samstagnachmittag herrscht in der kleinen Stadt, die gut dreißig Meilen von meinem Anwesen entfernt liegt, reges Treiben. Die meisten Bewohner von hier sind Angestellte von mir oder Verwandte von Angestellten und demnach äußerst zuvorkommend, wenn sie mich sehen. Es gibt hier kaum jemanden, der meinen Namen nicht kennt. Das ist auch gut so. Mir ist es zu verdanken, dass sich in den letzten Jahren die Infrastruktur deutlich verbessert hat. Ebenso profitieren die Bauern von den neuen Wasserleitungen und den Abwasserkanälen. Natürlich auch von ihren Waren, die ich benötige, um meine Waren über die Grenze zu bekommen. Was wäre eine ordentliche Kokslieferung ohne einen Lastzug Kartoffeln?
Mein Onkel hat viel Vorarbeit geleistet, hat sich aber grundsätzlich einen Dreck um die Menschen geschert. Gut möglich, dass meine ersten Lebensjahre mich eine andere Einstellung gelehrt haben, doch ich bin und bleibe der Überzeugung, dass die Leute sich lieber den Arsch für jemanden abrackern, der ihnen etwas zurückgibt, als für jemanden, der nur seine Macht versprüht. Schließlich sind es für mich nur Peanuts, wenn ich der Stadt ein paar Kröten für neue Straßen hinzuschieße. Somit profitieren wir alle davon.
Bevor ich mein Ziel erreicht habe, drehe ich meinen Kopf und entdecke Emily zusammen mit Carlos an einem der Gewürzstände. Ihre nun mehr braunen Haare funkeln golden in der Mittagssonne und ihre helle Haut sticht deutlich unter denen der Bewohner hier hervor. Vor allem sieht sie neben Carlos noch zierlicher aus, als sie es sowieso schon ist. Der Gedanke, dass sie die beleidigte Leberwurst nicht gespielt hätte, hätte ich unser Spiel vorgestern Nacht beendet, lässt mich nicht los.
Zugegeben – seitdem ich sie das erste Mal sah, will ich meinen Schwanz in sie stecken.
Umso wütender bin ich auf die kleinen Scheißer, die mir das überhaupt erst eingebrockt haben. Carlos hat den Laden auseinandergenommen, ein paar Nutten abgemurkst und dem alten Mann eine Scheißangst eingejagt. Meinem Schwanz ist diese Rache allerdings immer noch nicht genug. Nicht mal ein höllisches Gemetzel würde ihn beruhigen. Kopfschüttelnd über mich selbst zwinge ich mich zur Ordnung und richte meine Aufmerksamkeit auf die kleine Holzhütte am Rande des Marktes.
Mit verbogenem Mundwinkel packe ich mit festem Griff in das Genick des pubertierenden Bengels vor mir und schüttle ihn leicht. „Ah, Senior Clarke." Der Vater des Jungens, der vor uns auf der sporadischen Veranda sitzt, erhebt sich und deutet eine leichte Verbeugung an. „Buenos dias, Jorge", erwidere ich, „Pablo." Grinsend lasse ich den Scheißer los und zwinkere ihm zu, als er leicht gegen meine Schulter boxt. Der Sohn meines wichtigsten Bauers hier in der Umgebung ist gerade sechzehn geworden und warum auch immer, kann ich ihn echt gut leiden. Erstens ist er nicht so ein Arschkriecher wie sein Padre und zweitens erinnert er mich an mich selbst in diesem Alter. Pablo ist hoch intelligent, von sich selbst überzeugt und sieht bereits jetzt schon so gut aus, dass er sich kaum vor den halbwüchsigen Weibern retten kann. In wenigen Jahren, da bin ich mir sicher, wird er eine wichtigere Rolle für mich übernehmen als ein paar Koka-Plantagen zu überwachen.
„Ich habe schon mit ihrem Besuch gerechnet", sagt Jorge und klopft einmal kräftig gegen die Tür, woraufhin keine Sekunde später eine junge Frau Anfang zwanzig erscheint. Selbst wenn man ihre eingeschüchterte Körperhaltung nicht bemerken würde, sähe man an dem violetten Veilchen um ihr linkes Auge, dass er sie missbraucht. Die Vorstellung wie es der alte Sack mit diesem jungen Ding treibt, lässt mich nur schwer ein Würgen unterdrücken. „Bring dem Senior einen frisch gebrühten Kaffee und etwas von diesem Kuchen den du gemacht hast." Ihr leises „Si", ist kaum zu hören. „Nein, danke. Keine Umstände. Ich bin nur wegen des Geschäfts hier." Meine Stimme gleicht einem Knurren und ich muss an mich halten als der Alte nickt und sie unsanft durch die Tür nach drinnen schubst. Ich bin ganz sicher kein zart besaiteter Mensch, doch dieser Anblick sorgt für eine unbekannte Wut in mir.
Gewalt gegen Frauen finde ich schon immer abstoßend. Selbst wenn ich Emily zwei leichte Backpfeifen verpasst habe, auf die ich im Nachhinein keineswegs stolz bin. Eher im Gegenteil. Nur war da dieses komische Gefühl in meiner Brust, als sie ihren trotzigen Blick damals auf mich gerichtet hatte. Da kam das Arschloch in mir hervor.
„Wie ich hörte sind insgesamt dreißig Plantagen zerstört worden", lenke ich ab und entfussle mein Jackett. Hier ist es echt schmuddelig. Pablo lehnt am Pfosten der Veranda und hört uns aufmerksam zu. „Scheiß Gringos", flucht Jorge und spuckt auf den Boden, was mich angeekelt das Gesicht verziehen lässt. „Sie sind mit ihren beschissenen Flugzeugen über den Dschungel geflogen und haben sämtliche Felder mit ihren Pestiziden beschmutzt", schimpft er weiter und ich seufze. Dass sich die dämlichen Amerikaner auch immer einmischen müssen. Es ist nichts Neues, dass sie zusammen mit der kolumbianischen Regierung die Koka-Plantagen versuchen auszumerzen. Das ist schon schlecht fürs Geschäft. Allerdings zerstören sie mit ihren Pestiziden zusätzlich die normale Ernte und scheißen darauf, dass dieses Gift ebenso ins Trinkwasser gelangt und die Leute krankmacht.
„Dann baut neue Plantagen. Dichter im Dschungel, sodass sie nicht mehr so leicht herankommen. Für den Verlust entschädige ich euch natürlich. Ebenso die anderen Bauern deren Produkte nun unbrauchbar sind." Jorge nickt, die Wut aus seinem Gesicht ist in Dankbarkeit umgeschlagen und ich trete vorsichtshalber zurück, für den Fall, dass er mir mal wieder die Hände abknutschen möchte. Alles nichts Neues. Obwohl wir beide wissen, dass meine Entschädigung nur dafür da ist, um die meine Leute weiterhin bei Laune zu halten. Es wird sie keinesfalls den gesamten Verlust decken lassen.
Dennoch muss ich mir was einfallen lassen, dass die Regierung nicht ständig meinen Gewinn schmälert. Die Polzei habe ich gut im Griff, ebenso einige Leute in der regionalen Politik. Geld ist nun mal Macht. Aber alles was darüber hinausgeht ist in den Jahren zu moralisch geworden, als dass ich sie weiterhin schmieren könnte.
„Dann wäre das geklärt", beende ich meinen Besuch und nicke dem Alten zu. Pablo klopfe ich auf die Schulter, ehe ich mich umdrehe und mich wieder unter die Leute auf dem Markt mische. Ich habe Leute, die sich um diese Probleme kümmern werden. Aus Erfahrung weiß ich jedoch, dass es mir hoch angerechnet wird, mich ab und zu persönlich zu zeigen.
Emily ist weiterhin an den Ständen beschäftigt und ich ziehe ungläubig die Augen nach oben, als ich beobachte, wie sie Carlos irgendetwas grinsend in den Mund schiebt. Klasse, jetzt hat sie meinen loyalsten Mann auch schon an den Eiern. Mit einem Kopfnicken zeige ich den positionierten Männern die in einem Wagen voraus gefahren sind um die Lage zu checken, dass wir aufbrechen können und laufe schnurstracks auf meinen verweichlichten zweiten Mann zu. Wie aus dem Nichts schiebt sich ein Körper vor mich. Aus Reflex greife ich in mein Jackett nach meiner Waffe, lasse meine Hand jedoch sinken, während sich die Sicht vor mir langsam klärt. Direkt vor mir steht der kleine Motherfucker von Polizist Tobias Alvarez.
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Hallöchen ihr Süßen :)
Wie findet ihr das Kapitel? Es zeigt ein wenig mehr von Bens Machenschaften und seinen Geschäften x) Und Emily hat Carlos an den Eiern? :D Was sagt ihr dazu? Vor allem was passiert mit Alvarez? Und das in so unmittelbarer Nähe zu Emily...
Es tut mir leid euch zwecks Lesenacht enttäuschen zu müssen. Leider war ich in den letzten zwei Wochen zu sehr mit Faulenzen, Essen und in der Sonne brutzeln zu beschäftigt, um euch etwas zu tippen. Außerdem ist mir am Wochenende etwas dazwischen gekommen, sodass ich es nicht mehr schaffen werde überhaupt etwas zu tuppen. Aber; ich werde in naher Zukunft mal eine Lesenacht veranstalten. Nächste Woche, vielleicht übernächste. Auf jeden Fall lasse ich es euch vorher wissen x)
Ich wünsche euch einen schönen Abend ihr lieben :)
Liebe Grüße
Eure Lary<3
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Afraid of you
Misterio / SuspensoKolumbien. Gefangen bei einem der einflussreichsten Männer des Landes. Und es gibt kein Entkommen. "Auch er sieht mir direkt in die Augen. Er verzieht keine Miene. Kalt, wie die Farbe seiner Augen. Hart, wie die Muskeln an seinem Körper...
