♦ Emily ♦
Wie ein Außenstehende beobachte ich wie Bens Körper von einem Moment auf den anderen in sich zusammenfällt. Wie er strauchelt. Wie er nach hinten umkippt.
Erschrocken fahre ich hoch, bekomme gerade noch so seinen Arm zu fassen und ziehe ihn zu mir aufs Bett. Meine Finger beginnen leicht zu zittern und ich muss tief durchatmen, ehe ich mich über seine Schulter beuge und sein Gesicht mustere. Seine Augen sind vor Schreck geweitet und das Eisblau in ihnen hat sich zu einem düsteren Ozeanblau verwandelt. Fast kann man den Sturm in ihnen erkennen, der in seinem Innersten tobt.
Dort, wo seine Muskeln soeben noch schlaff waren, sind sie nun hart und verkrampft, als ich instinktiv mit meiner Hand seinen Rücken hinauffahre und einen Finger auf seine wild pochende Halsschlagader lege. Ich begreife nicht was los ist, was passiert ist, was solch eine Reaktion in ihm ausgelöst haben könnte. Aber letztlich ist es auch egal.
Hektisch krabbele ich von der Matratze, sehe nun in sein steinernes Gesicht und falle vor ihm auf die Knie. Mein eigenes Herz rast ebenso wie seines, obwohl es mir egal sein müsste wie es ihm geht. Allerdings entspricht das nicht meiner Natur. Prüfend mustere ich seine blasse Haut, die kleinen Schweißperlen auf seiner Stirn und wandere über seine angespannten Schultern hinab zu seinen zu Fäusten geballten Hände. „Ben", sage ich leise und lege meine Hände um seine, streichele zärtlich über die dicken Adern an dessen Rücken. Meine Fingerspitzen prickeln, doch ich achte nicht weiter darauf und rücke noch näher zu ihm auf, sodass sich sein einzigartiger Geruch in meiner Nase ausbreitet. „Sprich mit mir, was ist los? Geht's dir gut?" Seine Brust hebt und senkt sich schnell, sein Atem kommt abgehakt und der Sturm in seinen Augen wird noch dunkler, noch wilder.
„Mist", fluche ich, als ich vergeblich auf eine Reaktion von ihm warte. Keine einzige Regung geht von seinem starken Körper aus – nichts. Allein sein keuchender Atem füllt den Raum aus, den er sonst mit seiner bloßen Präsenz beherrscht. Er wirkt verletzlich, einsam. Es scheint mir, als wäre er vollkommen weggetreten und würde sich in seiner eigenen Welt befinden. So sehr es mich auch neugierig macht was in ihm vorgeht, beschließe ich zu handeln, bevor er mir hier umklappt und ich am Ende noch erschossen werde. Bei seinem Team kann man nie wissen ob sie nicht glauben würden, ich hätte ihren Boss umgenietet.
Kurz sehe ich zur Tür um mich zu vergewissern, dass wir alleine sind und stehe auf. Etwas verzweifelt gucke ich auf den erstarrten Ben hinab, wackele mit den Mundwinkeln und lasse meine Finger knacksen. „So", murmele ich, krabbele erneut hinter ihm aufs Bett und drücke ihn zaghaft an den Schultern auf die Matratze. Er bewegt sich keinen einzigen Millimeter. Nichts. Super. Also stelle ich mich wieder auf den Boden und presse aus dem Stand heraus gegen seinen steinharten Adonis-Körper.
Am liebsten würde ich über meinen eigenen Triumph jubeln, als endlich sein Widerstand bricht und er nach hinten in die Kissen sinkt. Meine Augen erfassen bereits die Kissen auf der anderen Bettseite um sie ihm wegen seines Kreislaufs unter die Beine zu legen, als mein Handgelenk plötzlich schraubstoffartig gepackt wird. Vor Überraschung quieke ich auf und bevor ich überhaupt erfassen kann was gerade geschieht, werde ich nach vorne gezogen und lande direkt auf Bens Oberkörper. Japsend hole ich Luft und sehe nach oben in sein Gesicht. In seine blauen, stürmischen Augen.
Selbst das dämmrige Mondlicht kann nicht verbergen wie aufgewühlt er noch immer ist. Sein Blick lässt die feinen Härchen auf meinem Nacken aufstellen und ich wage es nicht mich zu rühren, wenn ich auch wie ein gestrandeter Wal quer über ihm liege. Noch immer umfasst mich seine Hand schmerzhaft, doch nun bin ich diejenige die erstarrt ist. Alles was ich fühle ist seine heiße Haut unter meiner, die sich beinahe durch meine dünnen Klamotten brennt. Sein kräftig schlagendes Herz, das meinem nun den Takt vorgibt und ich spüre jeden einzelnen seiner angespannten, gestählten Muskeln.
DU LIEST GERADE
Afraid of you
Mistero / ThrillerKolumbien. Gefangen bei einem der einflussreichsten Männer des Landes. Und es gibt kein Entkommen. "Auch er sieht mir direkt in die Augen. Er verzieht keine Miene. Kalt, wie die Farbe seiner Augen. Hart, wie die Muskeln an seinem Körper...
