♦ Emily ♦
Zimt.
Alles was ich wahrnehme ist die leichte Brise von Zimt in meiner Nase. Und Wärme. Angenehme, einnehmende Wärme, die all die Kälte der letzten Stunden vertreibt und meinen Körper in einen Kokon hüllt. Meine Hände sind verkrampft, mein Gesicht presst sich gegen eine harte Wand voller Muskeln, die mir die momentan so nötige Sicherheit verspricht. Meine eigenen fühlen sich nämlich an wie Pudding.
Ich bin mir im Klaren darüber, dass es falsch ist mich an ihn zu schmiegen und dieses Gefühl auch noch in vollen Zügen zu genießen. Niemand braucht mir erzählen, dass ich gerade selbst voller Wiedersprüche handle. Vielleicht färbt Ben langsam auf mich ab? Doch es ist mir egal. Ich brauche das jetzt. Ich brauche menschliche, besänftigende Nähe, die mich nach den schrecklichen Eindrücken der letzten Stunden wiegt und festhält.
Der kühle Luftzug zwischen meinen Beinen erinnert mich unentwegt an das, was beinahe geschehen wäre und das Bild von James in seinem Bett hat sich in meine Netzhaut eingebrannt. Sei es drum, dass der Mann in dessen Armen ich liege ja eigentlich für all das verantwortlich ist. Jetzt ist er hier. Jetzt spendet er mir Trost und gibt mir Geborgenheit. Alles andere ist nebensächlich.
Mit zusammengekniffenen Augen konzentriere ich mich auf die zarte Berührung seiner Finger in meinem Nacken, die da ist, seit Carlos den Wagen gestartet hat. Bens Wange liegt auf meinem Kopf und sein anderer Arm ist fest um meine Taille geschlungen. Es fällt mir schwer mir ein behagliches Seufzen zu unterdrücken. Ich kann mich nicht daran erinnern, mich in den letzten Wochen je so wohl gefühlt zu haben. Ein bisschen ist es, als wäre ich wieder ein kleines Kind, das von ihrer Mutter umarmt wird. Wenn auch anders. Wenn ich ehrlich zu mir selbst ein möchte, dann ist dieses Gefühl der Sicherheit noch stärker. Als könnten mich seine Arme von allem abschirmen, das mir Böses will.
Ohne es steuern zu können beginnt mein Bauch zu kribbeln, mein Mund wird trocken und ich muss dagegen abkämpfen, wieder an unseren Kuss zu denken. Auch da fühlte ich mich unbesiegbar, begehrenswert. Wie eine Frau. Bens Blicke sind nicht zu vergleichen mit denen der Jungs in der Schule. Seine Berührungen sind gezielt, gewollt und alles was er tut scheint mein Körper als Aufforderung zu sehen, es wie ein Geschenk anzunehmen.
Auch wenn es noch so schizophren ist.
Das Verrückteste, das Schrecklichste ist jedoch, dass mich sein Angriff auf Raul nicht abgestoßen hat. Natürlich verurteile ich ihn dafür ihn kaltblütig umgebracht zu haben. Doch diese Machtdemonstration von ihm lässt mich noch immer schwindeln. Er hat es für mich getan. Er hat mich beschützt, gerettet und meine Ehre verteidigt. Auch wenn die Art und Weise verstörend gewesen ist, hat er trotzdem Triebe in mir geweckt, von denen ich bis dato noch nichts wusste. Das Bild, wie er ihn einfach gepackt und von mir gezerrt hat, war womöglich der heißeste Anblick von ihm überhaupt. Das Spiel seiner Muskeln, die unbändige Wut in seiner Miene ...
Mir ist nicht mehr zu helfen.
Ich fange tatsächlich damit an, mich durch einen barbarischen Mord noch mehr zu ihm hingezogen zu fühlen. Was genau stimmt nicht mit mir?
Bevor ich mir noch weitere Gedanken um meinen geistigen Zustand machen kann, höre ich wie der Wagen stoppt und werde wenige Sekunden später auch schon hochgehoben. Mein Gesicht bleibt an Ort und Stelle und auch meine Augen lasse ich geschlossen. Ich will meine zurechtgelegte Blase noch nicht verlassen und in die Realität gezerrt werden.
Bens Brust an meinem Ohr vibriert, als er auf Spanisch etwas flüstert und kurz darauf bewegt er sich. Kies knirscht unter seinen sicheren Schritten, sein Griff um mich verfestigt sich noch mehr und plötzlich erfasst mich ein kühler Luftzug. Feine Gänsehaut überzieht meine Arme, eine Tür fällt ins Schloss und schon werden die Geräusche unter Bens Absätzen gedämpft. Seufzend öffne ich ein Auge und erkenne wie wir die große Treppe in der Villa nach oben laufen. Für den Hauch einer Sekunde flackert Enttäuschung über die nie stattgefundene Flucht in meinem Unterbewusstsein auf, ehe ich mich erneut voll und ganz auf meinen momentanen Helden konzentriere. Ein Schielen zu ihm nach oben zeigt mir, dass sein Kiefer angespannt ist, sein Blick ist starr auf den Weg vor sich gerichtet und noch immer lausche ich seinem schnellen Pulsschlag. Er ist eindeutig aufgebracht.
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Afraid of you
Mystery / ThrillerKolumbien. Gefangen bei einem der einflussreichsten Männer des Landes. Und es gibt kein Entkommen. "Auch er sieht mir direkt in die Augen. Er verzieht keine Miene. Kalt, wie die Farbe seiner Augen. Hart, wie die Muskeln an seinem Körper...
