Fourty-Nine. Douche

18.4K 754 132
                                        

♦ Benjamin ♦

„Clarke", flötet Alvarez und mir entgeht keinesfalls der spöttische Unterton in seiner Stimme. Dafür, dass er mich nicht mir Senior anspricht gehört ihm schon eine Faust ins Gesicht gerammt. Dieser kleine Pisser hat mir heute gerade noch gefehlt. Obwohl es ja streng genommen zu meinem beschissenen Tag heute passt. „Was für eine Überraschung. Wie laufen die Ermittlungen?", entgegne ich schmunzelnd und sehe unauffällig zu Emily und Carlos hinüber, die von der Situation hier nichts mitbekommen. Es sollte mich nervös machen, dass er hier ist, keine zwanzig Meter von seinem eigentlichen Opfer entfernt. Tut es aber nicht. Eher im Gegenteil. Es macht mir wahnsinnig Spaß ihn so an der Nase herumzuführen.

Emily trägt eine große Sonnenbrille und auf Grund ihrer dunklen Haare wird er sie sowieso nicht so schnell erkennen können. Noch dazu hätte ich ihm eine Kugel verpasst bevor er Piep sagen kann. Jap, ich bin ein krankes Arschloch.

„Sie haben bestimmt schon erfahren, dass eine Leiche gefunden wurde", beginnt er und seine Miene verfinstert sich sichtlich. Ich nicke zur Bestätigung und greife entspannt nach einer Zigarette die ich mir anzünde. „Alles spricht dafür, dass es sich um die vermisste Irin handelt. Ebenso wurden Spuren ihres Mitarbeiters am Tatort gefunden. Allerdings sind auf mysteriöse Art und Weise die DNA-Proben aus den Laboren verschwunden."

„Nicht doch", sage ich lächelnd und puste ihm den Rauch meiner Kippe entgegen. „Sagen Sie, Tobias", ich betone seinen Namen mich Nachdruck und ärgere mich darüber, dass er kein bisschen Schiss vor mir hat, „dürfen Sie mir das überhaupt erzählen? Schließlich sprechen wir hier doch von laufenden Ermittlungen." Hohn liegt in meinem Tonfall und ich ziehe eine Augenbraue nach oben, während er einen weiteren Schritt auf mich zugeht. „Sie haben Recht. Aber wir wissen doch beide, dass sie es nicht allzu ernst mit dem Gesetz nehmen, nicht wahr?" Wir starren uns in die Augen. Er gibt nicht nach. Erst, als ich zu ihm aufrücke, bis sich beinahe unsere Nasenspitzen berühren und er kaum merklich ein paar Zentimeter nach hinten weicht.

„Tatsächlich? Ich wüsste nicht, dass es gegen meine Firma irgendwelche laufenden Ermittlungen gäbe."

„Noch nicht. Nicht jeder ist bestechlich." Seine Augen funkeln und mir platzt die Hutschnur. Er treibt es zu weit. Vielleicht weiß er es nicht, aber ich bin mächtig angepisst.

„Seien sie vorsichtig", zische ich, „hier im Dschungel gibt es viele giftige Tiere, die wie aus dem nichts kommen."

„Und sie schnappen zu, wenn man sie in die Enge treibt", gibt er zurück. Sein Mut imponiert mir, wenn er mir auch wahnsinnig auf die Eier geht. Neuerdings scheint es in meinem Umfeld nur so von lebensmüden Bastarden zu wimmeln. „Fühlen Sie sich in die Enge getrieben, Mister Clarke?", fragt er scheinheilig. Meine Zähne sind aufeinandergepresst und ich strecke meine Hand zur Seite aus, als ich aus dem Augenwinkel sehen kann, wie einige meiner Männer sich auf uns zu bewegen. Ein Aufstand und ein toter Polizist sind das Letzte, was ich momentan gebrauchen kann.

„Sehen Sie sich um..." Mit einer ausschweifenden Handbewegung zeige ich auf die Menschen, deren Aufmerksamkeit wir bereits erlangt haben. „...diese Menschen hier halten mir die Treue. Sie vergöttern mich und viele würden ihr Leben für mich geben. Also fragen Sie sich besser, wer hier das Vieh in der Falle ist, Alvarez."

„Wollen Sie mir drohen?"

„Nein. Würde ich Ihnen drohen wollen, würde ich Ihnen mitteilen, dass die Sicherheitsvorkehrungen im San Antonio Kindergarten in Choiba sehr gering sind. Das Verschwinden eines kleinen Mädchens mit braunen Augen wie denen ihrer hübschen halbamerikanischen Mutter wäre nichts Außergewöhnliches." Ich lasse meine Worte mit einer Kunstpause auf ihn wirken und beobachte mit Genugtuung, wie er schwer schluckt. Das erste Mal seit ich ihn kenne, kann ich Angst in seinen Augen sehen. Und das fühlt sich verdammt gut an. „Aber da ich Ihnen niemals drohen würde, müssen wir dieses Thema auch nicht vertiefen, oder?" Grinsend klopfe ich ihm auf die Schulter, schiebe mich an ihm vorbei und gebe Carlos ein Zeichen um unser Aufbrechen zu signalisieren. Emily ist bereits hinter seinem Körper abgeschirmt. Gut zu wissen, dass ich mich trotz seiner verloren gegangenen Eier noch immer auf ihn verlassen kann.

Afraid of youWo Geschichten leben. Entdecke jetzt