♦ Emily ♦
Was ist nur los mit mir? Was tue ich da? Ich kann nicht fassen, dass ich vor ihm stehe und ihn küsse. Wild und leidenschaftlich und sehnsüchtig. Ich kann förmlich fühlen, wie die Splitter meines Herzens durch meinen Brustkorb fliegen und sich langsam wieder zu einem Ganzen zusammenfügen. Ein Beben geht durch meinen Körper, das sich nicht aufhalten lässt und ich seufze es heraus, als Ben meinen Kuss genauso stürmisch erwidert. Seine Hände greifen nach meinen, die noch auf seinen von Bartstoppeln bedeckten Wangen liegen, und er legt sie sich um seinen Nacken. Zu gerne komme ich seiner Aufforderung nach, schlinge meine Arme um ihn und presse mich voller Verzweiflung an seinen warmen Körper. Er vergräbt seine Finger in meinen Haaren und der leichte Schmerz an meiner Kopfhaut verdeutlicht mir nur, dass dies hier real ist und ich nicht träume. Ich kann nicht beschreiben, was sein plötzliches Auftauchen in mir auslöst. Es ist irgendeine verrückte Mischung aus Furcht, Panik, Freude und erfüllter Hoffnung. Um ehrlich zu sein hatte ich keine Angst vor ihm, sondern von den Beweggründen seines Besuchs. Seit ich aus dem Haus im Wald verschwunden bin, wünscht sich etwas tief in mir, er würde nach mir suchen und sich eingestehen, dass ich viel mehr bin, als eine Gefangene. So viel mehr. Vielleicht mag es bescheuert von mir sein, mich in etwas so Gefährliches verrannt zu haben. Doch jetzt, da er vor mir steht wie mein persönlicher Racheengel, wie ein vorgehaltener Spiegel, der mir die Dunkelheit um mich herum aufzeigt, kann ich endlich die Zerrissenheit in mir deuten. Das fehlende Puzzleteil zu meinem Glück und meinem Verderben. Ben hat mich von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen und als ich über die Zeit hinweg seine vielen Facetten kennengelernt habe, konnte ich gar nicht anders, als ihm vollständig und mit jeder Faser meines Körpers zu verfallen. Er ist nicht nur böse. In ihm steckt ein kontrollsüchtiger Mann, der so viel zu geben hätte, wenn er es nur zulassen könnte.
Kann ich womöglich doch seine Mauer einreißen? Bin ich der Schlüssel zu seinem Herzen? Ich hoffe es so, so sehr. Er hat sogar riskiert von den amerikanischen Behörden verhaftet zu werden. Schließlich muss es doch etwas bedeuten, dass er hier ist, oder? Nicht einmal er ist so narzisstisch, dass er dieses Risiko eingehen würde lediglich um sein Gesicht zu wahren.
Bens linke Hand fährt meine Seite entlang, schiebt sich unter mein T-Shirt, berührt meine nackte Haut. Ein Schauder erfasst mich. Es ist nicht genug, es reicht nicht. Ich vergehe förmlich vor Verlangen. Ein frustriertes Stöhnen löst sich aus meiner Kehle, als er seine Lippen von meinen löst und eine Spur heißer Küsse auf meinem Kiefer verteilt, bis er an meinem Ohr angekommen ist. Seine Zähne knabbern an meinem Ohrläppchen und meine Atmung passt sich automatisch seinen schnellen Zügen an, die im schnellen Tempo meine Haut treffen. Mir ist schwindelig und ich fühle mich benommen, was nur an ihm und seinem Duft liegen kann. An seinen Berührungen.
„Scheiße, du bringst mich noch um", raunt er leise und presst seine Lenden an mich, wo ich zur Verdeutlichung seiner Worte deutlich meine Wirkung auf ihn spüren kann. Wo ich auf einmal meine Femme Fatale ausgegraben habe ist mir schleierhaft, doch ich kann auf einmal nicht mehr an mich halten. Ich werde nur noch von meinem Körper und meinem Herzen gesteuert, das sich mehr alles andere wünscht, Ben so nahe zu sein, wie es nur möglich ist.
Beherzt greife ich in seine Haare und ziehe seinen Kopf zurück zu meinem Gesicht. Kurz erhasche ich noch einen kleinen Blick auf seine vor Belustigung funkelnden Augen, ehe ich meine Lippen auf seine drücke. Unser Kuss ist wild, animalisch, feucht. Er saugt an meiner Zunge, was mich zum seufzen bringt, ich beiße leicht in seine Unterlippe, was ihn zischen lässt. Seine Hand löst sich von meinem Hinterkopf, schlingt sich fest um meinen Nacken und seine andere legt sich besitzergreifend auf meine Taille. Meine aufgestellten Brustwarzen reiben an seiner Brust und ich glaube einfach zu zerfließen, als er sein Bein zwischen meine Beine schiebt und Druck auf diese eine Stelle ausübt, die förmlich nach seiner Aufmerksamkeit lechzt. Die Kante des Tresens bohrt sich in meinen Rücken, meine Lippen brennen von den vielen Küssen, doch das alles könnte mich nicht weniger interessieren.
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Afraid of you
Mystery / ThrillerKolumbien. Gefangen bei einem der einflussreichsten Männer des Landes. Und es gibt kein Entkommen. "Auch er sieht mir direkt in die Augen. Er verzieht keine Miene. Kalt, wie die Farbe seiner Augen. Hart, wie die Muskeln an seinem Körper...
