Kapitel 5

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Es war Samstag morgen als mein Handywecker pünktlich um halb 9 anfing zu klingeln.

"Super, jetzt darf ich auch noch Samstags so früh aufstehen.", murmelte ich zu mir selbst und setzte mich auf, um wach zu bleiben. Zugegeben, es war natürlich meine Schuld, dass ich noch in die Stadt musste, um mir was angemessenes zum Anziehen zu kaufen. Trotzdem hielt sich meine Laune in Grenzen. 

Nachdem ich mich aus dem Bett aufraffen konnte, geduscht und einfach in die Sachen von gestern geschmissen habe, setzte ich mich zu meinen Eltern an den Frühstückstisch. Beide schauen mich mit einem fragendem Blick an. "Das wir das nochmal erleben dürfen." scherzte mein Vater direkt und legt mir gleichzeitig ein Brötchen auf den Teller. "Ja, muss gleich noch schnell in die City." antwortete ich gelassen und schmierte fett Nutella auf mein Brötchen, was meine Mutter immer total angewidert beobachtete. "Warum?"."Ich muss noch Schuhe und was zum anziehen für heute Abend besorgen." murmelte ich jetzt eher leise. "Soll ich mitkommen?" fragte meine Mutter mit einem lächeln auf den Lippen. "Quatsch, ich glaube ich schaffe das schon alleine.", daraufhin biss ich herzhaft in mein Brötchen. "Und falls ich doch Hilfe brauche, dann schicke ich dir Bilder aus der Umkleidekabine, ja?". Ich stand auf, nahm das Brötchen in die Hand und meine Tasche die über den Stuhl gehängt war. Meine Eltern warfen sich irritierte Blicke zu. "Schließlich muss sie ja Marco Reus beeindrucken." hörte ich meinen Vater sagen, während ich im Flur Schuhe und Jacke anziehe: "Das habe ich gehört!", brüllte ich dann noch genervt, bevor ich komplett die Tür hinter mir zu zog und mich zum Auto begab.

In meinem Auto musste ich dann erstmal kurz durchatmen, bevor ich den Gurt umlegen konnte. Natürlich hatte ich bis jetzt noch nicht auf diese komische Nachricht von Gestern geantwortet, obwohl ich wusste, von wem sie kommt. Aber was ich gerne gewusst hätte war erstens warum, zweitens von wem er meine Nummer hatte.

"Ihn beeindrucken." murmelte ich zu mir selbst während der Fahrt. "Erst himmel ich ihn an und dann muss ich ihn auch noch beeindrucken?", je länger ich über die ganzen Worte nachdachte, desto mehr Gedanken machte ich mir, ob es war ist was Papa und Roman gesagt hatten und was ich überhaupt von alldem halten sollte.

In der Stadt fand ich dann schnell einen trägerlosen schwarzen Jumpsuit mit langen Beinen und Rüschen am Ausschnitt. Nur Schuhe waren noch mein großes Problem. Ich war überhaupt nicht der Typ für hohe Hacken, ich würde es gerne sein, aber meine Füße taten nach jeden Versuch weh. Trotzdem versuchte ich mein Glück in einem kompetenten Schuhladen, den Mama immer empfahl. 
Auch dort wurde ich schnell fündig mit der Hilfe einer netten Verkäuferin.
"Was suchen Sie denn? Pumps oder richtig hohe High Heels?","Eher Pumps und nicht schwarz, wenn es geht.", grinsend führt sie mich zu einem Regal und zeigte mir ein mattes Paar Schuhe in royal blau. Die musste ich einfach nehmen. Dazu bekam ich noch ganz liebe Tipps von ihr über bequemes Tragen und Einlagen die sie bequemer machen würden. 

Tatsächlich war ich erst um 16 Uhr wieder zuhause.

Oben in meinem Zimmer holte ich die Schuhe aus ihrem Karton und lege den Jumpsuit glatt auf mein Bett. Mit den Schuhen in der Hand wurde mir bewusst, was ich eben indirekt getan habe. Jetzt habe ich sogar Schuhe gekauft, die zu seinem Anzug passen. Ich hätte mich schlagen können in diesem Moment. "Boah ne, bin ich blöd.","Was hast du?", brüllte meine Mutter kurz darauf aus ihrem Schlafzimmer. "Nichts, habe mit mir selbst geredet.","Das wird langsam komisch, Bella." lachte meine Mutter nun und lehnte sich gegen meinen Türrahmen. "Jaja.", ich lache mit ihr. "Du siehst aber gut aus." bemerkte ich, nachdem mir aufgefallen ist, wie schön sie aussah. Sie trug ein knielanges, bordeaux rotes Kleid mit gleichfarbigen Pumps und offene glatte Haare, so trug sie die eigentlich nie. Egal was sie trug, sie sieht immer elegant und gestylt aus. Das war bei mir natürlich nicht der Fall. "Danke, ich habe mir dein Glätteisen mal ausgeliehen, das lag mal wieder im Bad rum." zwinkerte sie. "Kein Problem," grinste ich: "Sag mal, warum bist du denn schon angezogen?","Dein Vater hat doch seinen Arbeitskollegen bescheid gesagt, dass wir uns vorher bei ihm treffen, nachdem du gesagt hast, du hättest andere Pläne. Außerdem ist es schon halb 6.". Irritiert schaute ich auf die Uhr und war direkt gestresst. "Viel Spaß, ich mache mich jetzt dann auch mal fertig.". Hektisch sprang ich auf um ihr die Tür sozusagen vor der Nase zu zuknallen. 
Daraufhin schminkte ich mich, wellte meine Haare leicht mit einem Lockenstab und ließ sie über meine Schultern fallen. 

Pünktlich läuteten die klingeln unten. Schnell nahm ich noch meine Lederjacke mit, bevor ich mich im Auto von Marco wieder fand. Natürlich in der sogenannten "Bonzenkarre", seinem Aston Martin, der von innen echt noch toller aussah als von außen. "Moin", sagte ich kurz und schmerzlos und verfrachtete meine Jacke, meine flachen Schuhe und Tasche, die mir Mama geliehen hat, weil sie zu den Schuhen passt, auf dem Rücksitz. Zumindest hatte ich das vor, bis mir auffällt, dass sein Auto ein Zweisitzer war: "Also familienfreundlich ist dein Auto ja mal überhaupt nicht.", "Hallo erstmal, warum sollte es auch?" war Marcos leicht verwirrte Antwort, aber amüsiert war er trotzdem. "Äh, keine Ahnung aber gut wäre es trotzdem für meine Sachen und in deinem Alter dachte ich steht Familienplanung weit oben.", das letzte murmelte ich nur Beiläufig und vollendete meine Aussage mit einem Achselzucken. Er begann zu lachen: "So lange müssen wir nicht fahren zu Mario, das schaffst du schon auf deinem Schoß.", den Teil mit seinem Alter hat er hundert prozentig gehört, aber ignorierte es gekonnt. Schade, neugierig was da bei ihm geht war ich schon. Aber so jemand wie Marco und eine ernste Beziehung? Unvorstellbar.

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