Ein paar Wochen vergingen. Es war inzwischen Anfang Dezember und der Winter war mittlerweile auch vollkommen in Dortmund angekommen. Die Straßen waren glatt, es war gefühlt den ganzen Tag dunkel und kalt war es dazu auch noch. Aber zum Glück war es trocken und regnete nicht. Aber auch der Regen hätte Ann-Kathrin, Sarah und mich nicht davon abgehalten über den Weihnachtsmarkt zu gehen, auch wenn es dafür vielleicht noch etwas früh war.
"Mario und ich haben unsere freie Trauung noch diesen Winter geplant.", erwähnte Ann-Kathrin beiläufig. Sarah und ich runzelten gleichzeitig die Stirn. "Was?" hackte sie nach. "Naja", begann Sarah: "eine freie Trauung im Winter wird doch kalt, oder?","Ja hier in Deutschland vielleicht, wir haben vor, alle nach Spanien einzuladen." Meine Augen wurden groß und ich verschluckte mich an meinem Glühwein. Sarah klopfte mir netterweise auf den Rücken. Als der Husten nachließ krächzte ich: "Weißt du, wie teuer das wird?","Ja, aber wir haben beide dafür gespart." erklärte Ann-Kathrin achselzuckend. Ich nickte: "Ist ja auch eine schöne Idee." und rieb lächelnd ihren Arm. "Finde ich auch." erwähnte Sarah unterstützend. Wir entschieden, weiter zu gehen und schlenderten über den doch ziemlich vollen Weihnachtsmarkt. Es wunderte mich doch ziemlich, aber wahrscheinlich versuchten nicht nur wir, sondern auch viele Andere so viel Weihnachtsstimmung, wie möglich zu bekommen.
Ein Rempler hier, einer da und plötzlich am nächsten Wurststand, wie konnte es auch anders sein, standen Mario, Julian und Roman. Mein Blick wanderte hinter mir zu Ann-Kathrin und Sarah, die beiden hoben gleichzeitig verteidigend ihre Hände in die Höhe. Ich hob meine Augenbrauen: "Wehe ihr habt damit was zutun.". Wir steuerten trotzdem auf die Jungs zu: "Hey." begrüßte ich Roman, während Sarah ihren Julian begrüßte und natürlich auch Ann-Kathrin ihren Mario. "Wie geht's dir?" fragte Roman aufmerksam und schenkte mir ein Lächeln. "Ganz gut, muss momentan viel arbeiten.","Ja du bist kaum noch beim, Training dabei." bemerkte er. Ich nickte: "Nobby drückt mir immer mehr Aufgaben auf, aber das ist auch gut, dann fällt mir alles leichter im Sommer." erklärte ich und lehnte mich gegenüber von ihm an den Stehtisch. Mario und Julian begrüßten mich nun auch: "Hi Bella, alles klar?" fragte Julian lächelnd. Ich nickte grinsend. "Warum seid ihr hier, du hast mir gar nichts erzählt." bemerkte Ann-Kathrin und richtete sich an Mario. "War spontan." grinste dieser.
Plötzlich legten sich zwei Hände von hinten auf meine Augen. "Ha, ha Sarah. Lass gut sein." lachte ich und drehte mich zu ihr. Aber plötzlich schaute ich nicht in ihre Augen, sondern in Marcos und war ihm gefährlich nahe. Trotzdem verwandelte sich mein verdutzter Blick zu einem Strahlen. "Marco" murmelte ich. Er lachte: "Hi, ich wusste gar nicht das ihr auch hier seid." und nahm mich kurz in den Arm. Er fuhr sich nervös durch die Haare nachdem er die vier, gerade geholten Tassen auf dem Stehtisch ab stellte. Während der heiße Glühwein verdampfte, versuchte ich mein rasendes Herz unter Kontrolle zu bringen.Ich glaube, so langsam musste ich mir klitze, klitze kleine Gefühle für Marco eingestehen. Er schlich sich langsam, aber sicher in mein Herz ohne dass ich es direkt bemerkte. Die letzten Wochen zeigten mir es jedoch mehr und mehr. Irgendwie trafen wir uns immer öfter. Obwohl ich trotzdem dagegen anzukämpfen versuchte, wusste ich insgeheim, dass es nicht mehr rückgängig zu machen war. Natürlich hatte ich dies aber noch niemandem erzählt, schließlich würde Marco es so mit Sicherheit mitbekommen.
Aus dem Augenwinkel konnte ich sehen, wie Ann-Kathrin mir ein freches Grinsen zuwarf. Ich schüttelte lächelnd den Kopf und wurde ein wenig rot. Roman räusperte sich die ganze Zeit komisch und warf genervte Blicke in die Runde. "Wir wussten auch nicht, dass ihr hier seid." griff ich Marcos Thema wieder auf. Dieser stopfte sich gerade einige Pommes von Mario in den Mund. Mario war davon nicht so begeistert und gab seinem besten Freund einen Klaps auf den Hinterkopf: "Man Marco hol dir selbst was zu essen!","Ne da muss ich so lange warten, ich dachte ich hole die Getränke und ihr das Essen!" verteidigte er sich. Mario seufzte und ließ Marco dann doch von seiner Pommes naschen. "Jetzt raus mit der Sprache, warum seid ihr doch hier?" hackte Sarah nach. "Mario hat das vorgeschlagen." erklärte Marco dann mit vollem Mund. Er war einfach zu ehrlich für diese Welt. Sarah und ich schauten Ann-Kathrin böse an: "So viel zu Mädelsabend." sagte Sarah mit einem genervten Seitenblick in Richtung Ann-Kathrin und zog eine Augenbraue hoch.Wir beschlossen bei den Jungs zu bleiben. Roman war wohl so schlecht gelaunt, dass er direkt fuhr als wir mitteilten, dass wir bleiben würden. Morgen müsste ich ihn unbedingt mal darauf anhauen, schließlich war er seit Wochen nicht mehr wieder zu erkennen.
Es wurde immer enger am Stand, je später es wurde.
Mittlerweile war es stockdunkel und die Lichter des Weihnachtsmarktes erstrahlten in vollem Glanz. Es sah unfassbar schön aus. In mir erwachten dadurch direkt die ersten Weihnachtsgefühle. "Lass uns mal weiter gehen, hier wird es immer voller." schlug Julian vor und schon machten wir uns erneut auf den Weg durch das Getümmel. Da die beiden Pärchen vor uns verliebt, abwesend und Hand in Hand nebeneinander her schlenderten, blieben Marco und ich wie immer hinten zu zweit übrig und spazierten ganz normal nebeneinander her. "Bei dir ist es gerade richtig stressig auf der Arbeit, oder?","Ja, ist ziemlich stressig.","Hat mir dein Vater erzählt, du lässt dich ja kaum noch blicken auf dem Platz.", zwinkerte Marco mir zu. Wieso redeten denn er und mein Vater über mich? Gab es da nichts interessanteres? "Morgen schaue ich mal wieder vorbei, versprochen." versprach ich und warf ihm einen heimlichen Seitenblick zu. Er trug blaue Jeans, ich glaubte ich hatte solche noch nie an ihm gesehen. Darüber trug er eine lange schwarze Winterjacke. Sein Gesicht vergrub er niedlich in den Kragen seiner Jacke. Der Wind war kalt und peitschte einem förmlich ins Gesicht. "Sag mal, wo sind eigentlich die anderen?" fragte er plötzlich verdattert und blieb stehen. Ich rollte unauffällig mit meinen Augen. Wehe das war ein Plan der Mädels. Ich würde sie umbringen.Marco und ich beschlossen erst gar nicht nach ihnen zu suchen, weil wir ansonsten mit beim abbauen helfen könnten nach Weihnachten, ohne die vier gefunden zu haben. Hier waren einfach zu viele Menschen unterwegs. Also schlenderten wir weiter, weil Marco seinen Lieblingsmandelstand suchte. Seiner Meinung nach stand er sonst immer an der gleichen Stelle, aber schmecken Mandeln nicht eh alle gleich? Mich amüsierte sein konzentrierter Blick. Marco auf der verzweifelten Suche nach seinem Leblingsmandelverkäufer, könnte ein Filmtitel sein. Als plötzlich seine Hand nach meiner griff musste ich schlucken. Immer kam sowas unerwartet. Aber auch immer öfter. Er hatte noch nie zuvor einfach so nach meiner Hand gegriffen. Seine Finger verschränkten sich mit meinen. Marco schien gar nicht nervös zu sein, während ich dem lieben Gott dankte, dass es kalt genug war damit meine Hände nicht aus Nervosität zu schwitzen begangen. Mein Herz puckerte bis in meinen Hals. Tatsächlich näherten wir uns langsam dem Ende des Weihnachtsmarktes. Wir standen schon vor dem riesigen Tannenbaum. "Ich glaube, deine Mandeln bekommst du heute nur woanders her." grinste ich ein wenig schadenfroh. Marco, der vor mir stand, lachte leise und drückte meine Hände: "Egal dann müssen wir nochmal zurück. In Ordnung?" fragte er leise und schaute mich mit einem bettelnden Blick an. "Klar." lächelte ich gelassen. Seine traurige Schippe entwickelte sich zu einem liebevollen Lächeln und er schaute mir gleichzeitig tief in die Augen. Plötzlich platzierte er vorsichtig seine Hände auf meine Wangen und schaute mir ein letztes eindringlich in die Augen, so als ob er sich versichern wollte, dass sein Vorhaben in Ordnung für mich ist. Dann schloss er seine Augen und legte seine Lippen zärtlich auf meine. Auch ich schloss meine Augen und spürte wie er sanft seine Lippen gegen meine drückte und langsam begann sie zu bewegen. Ich konnte immer noch den Geschmack von Glühwein schmecken. Mein Herz schlug Purzelbäume in diesem Moment. Das Gefühl in meinem Bauch fühlte sich unbeschreiblich toll an und mit einem Mal war ich froh, dass wir die Anderen verloren hatten. Sein Verhalten zeigte mir doch, dass er bestimmt auch Gefühle für mich entwickelte, oder interpretierte ich das falsch? Konnte man einen Kuss eigentlich falsch interpretieren?
Marco löste sich von mir und lächelte mich dann zaghaft an. Seine Augen strahlten förmlich, genauso wie ich, denn ich konnte nicht aufhören ihn wie blöd anzugrinsen. Obwohl der Kuss mich völlig aus der Bahn geworfen hatte, versuchte ich das Gefühl das er mir gab zu genießen. Auch wenn etliche Fragen in meinem Kopf herum schwirrten, beschloss ich sie zur Seite zu schieben und mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren.
"Da seid ihr ja! Wir haben euch schon die ganze Zeit gesucht!" brüllte Ann-Kathrin plötzlich hinter uns. Marco und ich runzelten gleichzeitig die Stirn. Er räusperte sich: "Wir euch auch." und zwinkerte mir unauffällig zu. "Kommt", lachte Mario: "Wir wollten unbedingt noch Feuerzangenbowle trinken und Marco ich habe deinen Mandelstand gefunden." verkündete er stolz. Innerlich musste ich Lachen und hackte mich bei Ann-Kathrin ein: "Na dann mal los, den haben wir nämlich auch schon gesucht!".

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Optimist
FanfictionNachdem die heute 20 jährige Dortmunderin Isabella ihre Schule beendete, fiel sie für einige Zeit in ein tiefes Loch. Sie war umgeben von schlechten Gedanken, Stress und Kummer. Ihre Eltern konnten diesen Zustand nicht mehr unterstützen und so gerie...