Als das Flugzeug früh am Morgen in Dortmund startete, begann mein Bauch heftig zu kribbeln.
Marco hatte mir sogar ohne zu streiten den Platz am Fenster überlassen, vielleicht auch weil er das Fliegen so gewöhnt war, ich im Gegensatz dazu bin vielleicht 2 mal geflogen in meinem ganzen Leben und fand es immer wieder faszinierend während des Fluges aus dem Fenster zu schauen. Es machte nachdenklich, je nach Tagesform gut oder auch schlecht. Heute war es definitiv ein gutes nachdenklich sein. Ich war zwar nervös und auch gestresst, aber trotzdem freute ich mich auf den Tag und eine Nacht in München.
Meine Eltern wunderten sich zwar, dass Marco mitkam aber die Fragen über unseren Beziehungsstatus sparten sie sich glücklicherweise. Das hatte ich meiner guten Vorarbeit zu verdanken, denn auch ich sparte mir die Frage, ganz einfach weil ich nicht den ersten Schritt machen wollte, aus Angst. Vielleicht auch, weil gerade alles so perfekt war, wie in meiner eigenen kleinen Traumblase und der passende Moment sich einfach nicht anbot in der Vergangenen Woche. Es waren auch nur noch 1,5 Wochen bis Weihnachten. Die Zeit raste mittlerweile nur noch so an mir vorbei.
"Worüber denkst du nach?" fragte Marco, der neben mir saß. Ich drehte mich wieder zu ihm, um ihn zu Mustern. Er trug eine Art schicke, schwarze Jogginghose, mit einem weißen Pullover und lässige Sneaker dazu, kurz gesagt: er sah einfach unglaublich gut aus. Ich musste lächeln: "Nur über den Tag.","Aufgeregt?" lächelte er zurück und legte seine Hand unauffällig auf meinen Oberschenkel. Mein Körper überlief ein Schauer den ich gekonnt überspielte: "Natürlich nicht." log ich frech. Und wie aufgeregt ich war. Nicht nur wegen der Taufe oder Marco, sondern auch wegen dem Zusammentreffen meiner Tante und meinem Vater. Wenn Mats und ich uns vertragen konnten dann die beiden bestimmt auch, oder?Das ich gar nicht drüber nachgedacht hatte, wie die Zimmersituation im Hotel geregelt sein sollte, gab mir in München einen halben Herzinfarkt. Marco und ich teilten uns im Endeffekt ein Doppelbettzimmer, meine Eltern natürlich auch. Für ihn schien das im Voraus ganz klar zu sein. Komische Situation, aber machbar und führte dazu, dass ich noch aufgeregter war.
Als ich in weißen hohen Schuhen, dessen zarte Riemchen um meinen Knöchel befestigt waren, einer schwarzen, eleganten Hose und der verspielten Bluse in einem zarten Rosa, die ich extra neu gekauft hatte für die Taufe, aus dem Bad kam blieb mein Blick an Marco hängen. Er stand nervös vor dem Fenster, im klassischen schwarzen Anzug und hatte seine Hände lässig in den Hosentaschen verstaut: "Du siehst toll aus." grinste er, nachdem er sich umdrehte. Als ich auf ihn zu kam griff er nach meiner Hand und drehte mich einmal um meine eigene Achse. "Dankeschön und du erst." gab ich zurück. Er hatte den ersten Knopf seines Hemdes offen gelassen und verzichtete auf die obligatorische Krawatte. So wie er eben war, gelassen.
Seine Arme legten sich locker um meine Taille, bevor er seine Lippen sanft auf meine legte.
"Wir müssen noch etwas klären, bevor wir gehen." murmelte er, als er von mir abließ. Ich schaute ihn fragend an: "Was denn?","Was wir für eine Antwort geben auf die Frage.","Welche Frage?","Man Bella, machst du das jetzt extra?","Nein, was soll ich denn extra machen?". Marco brach in schallendes Gelächter aus. Ich hingegen grübelte weiter darüber nach was er meinen könnte. Seine Arme begannen, meinen Körper enger an seinen heran zu drücken. Plötzlich ging mir ein Licht auf: "Achso, ich äh- habe keine Ahnung.", murmelte ich leise, lachte aber mit. "Muss ich dafür jetzt auf die Knie gehen?" fragte er, immer noch lachend und tat so, als wäre er kurz davor es wirklich zu machen. "Marco, jetzt bleib du doch auch mal ernst!" mahnte ich ihn und schlug spielerisch gegen seine Schulter. Lächelnd legte er seine Stirn gegen meine und schaute tief in meine Augen: "Was würdest du denn sagen, wenn dich Mats fragen würde, ob wir ein Paar wären?","Ich- äh was?" fragte ich leise und unsicher. "Hm?","Ja, würde ich sagen. Oder nicht?","Gut, ich nämlich auch." grinste er. Ich entfernte mich von ihm in Richtung Tür und drückte seinen Kopf derweil spielerisch mit meiner Handfläche etwas nach hinten: "Du bist ein Idiot Marco Reus!","Och ne Bella, meine Haare!".Ich hätte nie damit gerechnet, dass es alles plötzlich so schnell passierte, aber schnell war ja nicht immer schlecht. Innerlich war ich überglücklich, ich wusste wenn ich mit jemanden zusammen sein wollte, dann mit ihm. Egal wie, wer oder was da im Weg stehen würde oder wie wenig ich damit gerechnet hatte.
Die Taufe lief einwandfrei. Kein einziges Mal musste ich stolpern oder verhaspelte mich. Ludwig blieb ganz ruhig auf meinem Arm. Marco lächelte stolz, während er sich das Schauspiel aus der zweiten Reihe ansah.
Die große Versöhnung zwischen meinem Vater und seiner Schwester blieb zwar aus, jedoch versprach Mats, uns bald mal wieder zu besuchen. Vielleicht sogar über Weihnachten. Das wäre natürlich der Jackpot gegen meine Langeweile an den Feiertagen. Wir hatten den Plan, die beiden Streithähne zusammen zu führen und der sollte auch klappen.
Ab jetzt wussten auch meine Eltern und Mats und Cathy, dass Marco und ich ein Paar sind. Mein Vater dachte es sich zwar schon, war aber trotzdem ziemlich überrascht und erstaunt. Ich glaube für ihn waren gut, dass mein Freund jemand war den er schon lange kannte, schließlich war ich ein Riesen Papakind teilen fiel ihm schon immer schwer.Aber ich war trotz allem froh, wieder in Dortmund zu sein.
Marco und ich entschieden uns dazu, unsere Beziehung nicht an die große Glocke zu hängen. Für's Erste jedenfalls nicht.Vom Flughafen ging es direkt nach Brackel, bei Marco war Training angesagt und ich hatte Nobby versprochen, mit ihm die interne Weihnachtsfeier und die Fan-Weihnachtsfeier zu planen. Und schon war der Alltag wieder da. Marco und ich waren vor ein paar Stunden noch zusammen in München Frühstücken und jetzt ist alles schon wieder wie vor ein paar Tagen, aber trotzdem so anders. Ich konnte immer noch nicht fassen, dass ich den Schritt einfach so gewagt hatte. Das mein Herz sich durchgesetzt hatte und ich mich ohne darüber nachzudenken für Marco entschieden hatte. Es war ein komisches Gefühl, unfassbar schön, aber komisch. Unbeschreiblich eben. Meine Zweifel schienen verschwunden zu sein, schließlich gab er mir zu verstehen, dass ich ihm wichtig war und er es ernst meinte. Was solls, dann war er halt doch nicht der arrogante Fußballprofi für den ich ihn hielt. Besser für mich, dass mein erster Eindruck falsch war. Er war ein Mensch voller Lebensenergie und Optimismus. Langsam aber sicher färbte das auf mich ab und ich wurde zu einer viel lebensfroheren Person. Also, was gab es besseres als das? Ich hoffte bloß, dass meine kleine Traumblase nicht schon bald zerstört werden würde.

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Optimist
FanfictionNachdem die heute 20 jährige Dortmunderin Isabella ihre Schule beendete, fiel sie für einige Zeit in ein tiefes Loch. Sie war umgeben von schlechten Gedanken, Stress und Kummer. Ihre Eltern konnten diesen Zustand nicht mehr unterstützen und so gerie...