„Aufgewacht." Mike lächelte, sie konnte es in seiner Stimme hören. Dieses selbstverständliche Lächeln, das ihn immer dann zu begleiten schien, wenn er glücklich war. Selbst, wenn er tief im Inneren unglücklich war, das Lächeln schien dennoch stets ehrlich zu sein. Und so wenig sie an diesem Tag auch aufwachen wollte, Anna konnte nicht anders, als zu überlegen, ob sie heute der Grund dafür war.
„Fünf Minuten." Nur, dass sie seine gute Laune in der Früh absolut nicht nachvollziehen konnte und sich stattdessen die Decke über den Kopf zog. Doch als sie sich umdrehen wollte, stieß sie zu ihrer Überraschung gegen ein Hindernis.
„Mhm, nein." Verdattert setzte Anna sich auf und blickte zu Mike, der neben ihr im Bett hockte und sie nun mit einem breiten Grinsen ansah. „Sonst kommst du zu spät zur Arbeit", fügte er noch mit einem Gähnen hinzu, während Anna sich wieder erinnerte, dass sie sich am Vorabend geweigert hatte, alleine im dunklen Wohnzimmer zu schlafen. Und Mike hatte sich natürlich dazu erbarmt, die Hälfte seines Bettes für sie aufzugeben. Oder genau genommen mehr als nur die Hälfte, jetzt, wo sie sich etwas umsah.
„Ich will da nicht hin", stellte sie schließlich trotzig fest und verschränkte die Arme vor der Brust. Es war lächerlich, das wusste sie, aber je mehr sie darüber nachdachte, in weniger als einer Stunde wieder einen Fuß ins Café setzen zu müssen, desto weniger wollte sie dort hin. Ihre Mutter war eine Person, die für gewöhnlich bekam, was sie wollte, weshalb Anna bezweifelte, dass sie am Vortag das letzte Mal dort gewesen war. Wenn sie Pech hatte, und dazu neigte sie nun einmal, würde sie nun jeden Tag auftauchen, sich an den gleichen Tisch setzen, bis man eine Uhr nach ihrem Erscheinen stellen konnte.
„Ich weiß." Mike sah sie mit einem bemitleidenden Blick an und Anna wusste, dass sie sprechen musste, bevor er zu seiner Lektion darüber, dass er an sie glaubte und sie sich nicht von dieser Person unterkriegen lassen durfte, ansetzte.
„Sie wird wiederkommen." Wenn sie Glück hatte wieder kurz vor dem Ende ihrer Schicht, sodass sie nur noch einige Kaffeetassen mit zitternden Händen in den Geschirrspüler räumen hatte müssen, bevor sie durch den Hinterausgang nach draußen gehuscht war, in der Hoffnung, dass ihre Mutter ihr nicht zur Bushaltestelle folgen würde.
„Aber du kannst deswegen nicht einfach deinen Job aufgeben", sprach er schließlich den Gedanken aus, mit dem sie seit dem Moment, in dem ihre Mutter das Café betreten hatte, immer wieder spielte.
„Du hast keine Ahnung, was diese Frau für eine Macht über mich hat." Der Ort, der für sie Freiheit bedeutet hatte war mit einem Schlag wieder zu einem Gefängnis geworden. Die dreiundvierzig Minuten, die sie noch abzuarbeiten gehabt hatte, waren ihr länger vorgekommen, als die gesamte vorherige Arbeitszeit zusammengezählt. Nicht zuletzt, weil plötzlich wieder ein unglaubliches Gewicht auf ihr gelastet hatte, das jeden Schritt zu einer Herausforderung gemacht hatte.
„Anna." Täuschte sie sich oder war Mike an diesem Morgen etwas zögerlich, sie in die Arme zu nehmen? „Komm her."
„Ich will doch einfach nur meine Ruhe vor ihr", murmelte sie in den Haufen aus Decken, der nun zwischen ihnen eingequetscht war.
„Aber du wirst dich nicht ewig vor ihr verstecken können." Eine Tatsache, die ihr von Anfang an bewusst gewesen war. Seit dem Abend, an dem sie aus ihrem Zimmerfenster geklettert war. Aber dann war Tag um Tag, Woche um Woche, vergangen und niemand schien nach ihr gesucht zu haben, weshalb sie irgendwann begonnen hatte zu glauben, dass sie vielleicht tatsächlich ein für alle Male frei war. Nie wieder zurückblicken musste. Ein Irrtum, wie sich herausgestellt hatte. „Dafür hast du eine Menge Leute, die dir dabei helfen wollen, ihre Gegenwart zu ertragen. Ich bin mir sicher, wenn du Linsey davon erzählst, hilft sie dir."
„Das habe ich mir auch schon gedacht." Linsey hatte bemerkt, dass etwas nicht stimmen musste, hatte allerdings nicht nachfragen können, als Anna mit gesenktem Kopf in die Küche gegangen war, um sich um den Abwasch zu kümmern. „Aber sie fängt diese Woche immer später an, und ich muss schon in der Früh dort sein."
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Break the Cycle |Linkin Park|
Fanfic» Ich sag dir was, Mike, mal wieder. Du hast nur Angst davor, noch einmal jemanden zu verlieren, den du liebst. « Würdest du zulassen, dass deine Welt auf den Kopf gestellt wird, oder würdest du um jeden Preis versuchen, deine dunklen Geheimnisse un...
