52: "Sie haben die Rolle!"

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für jessi_477

       

„Wen bringt er mit?" „Keine Ahnung- jemanden!" Ich sitze grübelnd auf der Couch. Es ist mittlerweile fast eine Woche her, dass Noah das erste Mal bei uns war. „Wen könnte er denn mitbringen wollen... Millie?" „Weiß nicht... ist die nicht in LA?", fragt Finn nachdenklich. Da klingelt es auch schon an der Tür. „Jetzt werden wir es erfahren.", bemerke ich und stehe auf, um die Tür öffnen zu gehen. „Noah!", begrüße ich unseren Gast und umarme ihn. „Hey.", gibt er zurück. Da kommt ein Mädchen die Treppen hoch, das ich vorher noch nie gesehen habe. Ich lege den Kopf schief. Finn kommt ebenfalls zur Tür, um seinen Kumpel zu begrüßen. „Noah, was geht?" „Alles was Beine hat." Schmunzelnd schüttele ich meinen Kopf und wende mich dann dem Mädchen zu, welches etwas schüchtern im Türrahmen steht. „Und du bist...?", frage ich freundlich. „Jessi.", antwortet sie knapp und streckt mir dann die Hand hin. „Eigentlich Jessica.", lächelt sie unsicher hinterher. Ich ignoriere ihre ausgestreckte Hand und umarme sie. „Ich bin Mira." „Ich weiß.", grinst sie. „Ich dachte, ich stelle euch meine Freundin mal langsam vor.", sagt Noah beiläufig, als wir ins Wohnzimmer gehen, wo wir uns aufs Sofa setzen.

„Freundin?", hake ich nach. Noah nimmt Jessis Hand. „Ja, deshalb war ich auch eher selten bei euren Treffen." Ich reiße meine Augen auf. „Ja, ich bin wohl schuld.", grinst Jessi, die nun langsam aus ihrer Schüchternheit herauskommt. „Was machen wir heute noch schönes?", fragt Noah. „Ich würde Jessi gerne etwas näher kennenlernen.", sage ich lächelnd. „Erzähl mal was über dich.", bitte ich sie dann. Sie nickt. „Ich bin 17 und anscheinend pädophil." Noah lacht auf. „Ups.", grinse ich zu Finn gewandt, der sich ein Lachen kaum verkneifen kann. „Mira?", fragt er dann mit Nachdruck. „Schau mich nicht so an...", grinse ich. „Wie lange seid ihr zusammen?" „Seit März.", antwortet Noah. „Jessi ist übrigens auch Deutsche, Mira."  Ich ziehe meine Augenbrauen hoch. „Wirklich? Aus welcher Stadt?", frage ich sie auf Deutsch. „Nähe Frankfurt." „Sehr cool! Wieso bist du in Kanada?" „Mein Vater hat hier einen besseren Job gefunden.", antwortet sie etwas bedrückt. „Oh man. Immerhin hast du hier einen tollen Freund gefunden.", zwinkere ich ihr mit einem Seitenblick zu Noah zu, der uns etwas verständnislos anschaut. „Ich finde es toll, dass ihr euch so gut versteht, aber... wir verstehen nichts!", lacht Finn und liest somit Noahs Gedanken, der nun lachend nickt. „Sorry.", grinse ich wieder auf Englisch. „Danke!", grinst mein Freund. „Und ihr seid Mitbewohner?", fragt Jessi und betrachtet Finn und mich. „Das auch.", fange ich an. „Aber hauptberuflich ist sie meine Freundin." Finn legt einen Arm um mich. „Echt? Ist Mira nicht viel älter als du?" „Wie alt schätzt du mich bitte?", lache ich. „Anfang 20...", antwortet sie unsicher. Ich lache. „Ich bin 18!" „Normalerweise schätzen dich alle jünger!", lacht Finn. „Mach dir nichts draus, keine Sorge.", sagt er dann an Jessi gewandt. „Ja, tut mir leid!", entschuldigt sie sich grinsend. „Kein Problem, alles gut.", beruhige ich sie. Dann wechselt Noah das Thema. „Ich habe Hunger." Finn lacht auf. „Mal was ganz neues!"

       

„Hast du dir Jessis Nummer geklärt?", grinst Finn mich an. Ich nicke. „Wir Deutschen müssen zusammenhalten, Finnieboy." „Mira..." „Finn...", äffe ich ihn nach. „Finnieboy.", füge ich hinzu. „Ich hasse dich.", sagt er schmunzelnd. „Da hast du mir aber schon öfter was anderes erzählt...", lächele ich. „Ich treffe mich nächste Woche mit ihr.", komme ich wieder auf das vorherige Thema zurück. „Sehr cool, dann könnt ihr mal Deutsch reden, ohne dass wir uns beschweren.", bemerkt er. Ich grinse breit. „Das wird sehr entspannend." „Willst du uns nicht dabei haben?", fragt Finn gespielt empört. „Nimm's nicht persönlich, Finnieboy.", grinse ich und tippe ihm auf die Nasenspitze. „Das nicht, aber das Finnieboy schon.", grinst er und zieht meine Hand herunter und verschränkt unsere Finger. „Du bist doof." „Immer gerne."

„Jessi!", rufe ich durchs Café und winke. Jessi schaut sich etwas peinlich berührt um und schiebt ihre dunkelbraunen Haare hinter ihre Ohren, bevor sie zu mir kommt. „Hey, na!", begrüße ich sie und umarme sie. Sie setzt sich mir gegenüber. „Wie geht es dir?", frage ich sie. „Mir geht es sehr gut, danke.", grinst sie. Der Kellner kommt und nimmt unsere Bestellungen auf. „Wie lange seid Finn und du eigentlich zusammen?", fragt sie wie aus dem Nichts. „Fast zwei Monate.", antworte ich wahrheitsgemäß. „Wie habt ihr euch kennen gelernt?", will sie weiter wissen. „Am Set von dem Film, an dem wir zusammen arbeiten.", fasse ich zusammen. Sie nickt verstehend. „Wie bist du als Deutsche eigentlich an die Rolle gekommen?", fragt sie interessiert nach. Ich lächele.

„Schau mal, Mira, die bringen einen Spin-Off von 'Es'!", ruft Carina und zeigt auf ihren Handybildschirm. Ich lehne mich zu ihr rüber. „Bewerbungsvideos für eine neue, weibliche Hauptrolle... Mira, mach da doch mal mit!" „Ohne Schauspielausbildung kommst du da nicht rein...", seufze ich. „Einfach aus Spaß!", schlägt Carina vor und ich willige ein. „Wieso nicht."

Zwei Wochen später klingelt das Telefon. Ich sitze auf meinem Bett und schaue Supernatural. Auf einmal ruft meine Mutter mich nach unten. Widerwillig trotte ich also ins Wohnzimmer. Dort drückt Mama mir den Hörer in die Hand. „Aus Kanada." Verwundert melde ich mich. „Hallo?" Meine Mutter beobachtet mich. Ich schaue sie an. Der Typ am Telefon redet und redet. Das Einzige, was ich richtig mitbekomme, ist: „Ihr Bewerbungsvideo hat uns neugierig gemacht, wir würden Sie gerne zu einem Casting einladen." Meine Kinnlade fällt herunter. „Wann?", frage ich nach. „In zwei Wochen, nähere Infos folgen per E-Mail. Das Casting findet in Vancouver, Kanada, statt, wir erstatten Ihnen Flug und Hotel." Ich bin sprachlos. Dann ringe ich mich dazu durch, mich zu bedanken und aufzulegen. „Mama, ich bin zu einem Casting eingeladen..."

Vier Wochen später bin ich wieder in Deutschland und erwarte eigentlich keinen Anruf mehr wegen des Castings vor zwei Wochen. Widererwartend bekomme ich dennoch einen Anruf. „Hallo?", melde ich mich. „Sie haben die Rolle.", ist das Einzige, was der Mann sagt. „Sie werden die nächsten einandhalb Jahre in Vancouver wohnen, Glückwunsch!", fügt er nach meinem freudigen „Oh mein Gott oh mein Gott oh mein Gott!" hinzu. Ich werfe mich aufs Bett. „Sie bekommen für die Zeit eine Wohnung bezahlt und den Hinflug bezahlen wir auch, alles weitere klären wir dann."

       

„Ohne Schauspielausbildung?", fragt Jessi fassungslos. Ich nicke. „Ich dachte nicht, dass es je möglich wäre. Aber wie du siehst reichen 15 Punkte im Schauspielunterricht der Oberstufe wohl aus!", lache ich. Ja, ich hatte das so gut wie unmögliche geschafft. Ich, Mira Eileen Stanford, hatte eine Karriere begonnen, die ich mir vor einem Jahr nicht hätte träumen lassen.

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