63: "#fack forever!"

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„Wie jetzt?" Entgeistert starrt Jack mich an. „Das ist nur das, was sie mir gesagt haben." Ich zucke mit den Schultern. „Ich will es ja auch nicht wahrhaben.", füge ich hinzu. „Und wie genau meinen die das?", fragt Jack nach. „Sein Zustand hat sich einfach verschlechtert, mehr weiß ich doch auch nicht.", seufze ich und lehne mich zurück. „Hey, worüber redet ihr?", fragt Finn, der nun die Lounge betritt. „Wo warst du?", frage ich. Er küsst mich kurz und setzt sich neben mich. „Habe gerade eben mit der Ärztin geredet. Sein Zustand ist instabil." Ich schlucke. „Oh mein Gott." Finn lässt sich nach hinten fallen und legt den Kopf in den Nacken. „Wo ist seine Mum?" „Die kommt gleich, sie haben sie angerufen." Er nickt. „Ich hoffe einfach, dass es nicht noch schlimmer wird..." Ich lehne mich bei ihm an. Jack atmet tief durch. „Tun wir alle, glaube ich.", sagt er dann. Ich nicke. „Ich vermisse ihn." „Ich auch.", seufzt Finn. „Ich vermisse das Drehen.", fügt Jack hinzu. Ich nicke wieder. „Ich bin ja nicht gläubig oder so... aber ich bin kurz davor für ihn zu beten.", grinse ich traurig. Finn hebt einen Mundwinkel. „Das will ich sehen." Ich knuffe ihm in die Seite. „Eher siehst du mich eine Woche keine Pizza essen.", kontere ich. „Okay, das wäre ein Wunder.", lacht Jack kurz auf.

Wir gehen zum Auto. Die Besuchszeit ist vorbei. Von Miranda haben wir, seit Wyatt ins Koma gefallen ist, nichts gesehen oder gehört. Jack läuft vor. Ich nehme Finns Hand. „Mein Leben ist ein einziges Chaos.", seufze ich und lehne mich bei ihm an. „Ach, so schlimm ist es jetzt auch wieder nicht." „Pf.", schnaube ich und grinse. „Ich werde dich immer unterstützen.", sagt Finn leise und hält an. „Danke.", grinse ich und ziehe ihn zu mir runter. Unsere Lippen treffen sich kurz. „Das bedeutet mir viel.", sage ich und wir gehen weiter zum Auto. Jack steigt hinten ein, Finn und ich vorne. Wie immer. „Wohin fahren wir?", frage ich dann ratlos. „Wir könnten... Lasertag spielen?", schlägt Jack vor und tippt auf seinem Handy herum. „Lasertag?", frage ich. „Wieso nicht?", fragt Jack und schnallt sich an.

„Wieso bist du so gut?", keucht Jack lachend und zieht seine Weste aus. „Keine Ahnung- Naturtalent?", frage ich schulterzuckend. „Ja, genau.", gibt er trocken zurück und ich folge ihm und Finn hinaus. „Was...?", frage ich verwundert und schaue auf mein Handy. Verpasste Anrufe... SMS... Instagram und Snapchat Nachrichten... „Was ist passiert?", frage ich. „Bei mir auch...", seufzt Finn verwundert und setzt sich neben mich aufs Sofa. Ich öffne Snapchat und schaue mir einige Snaps an, die ich bekommen habe.

„Schau dir mal Jacks Story an...", schreibt Sophia mir. Auf Snapchat? Jacks Story? Ich wische schnell zur Seite und öffne Jacks Story.

„Leute, Wyatt geht es leider noch nicht besser. Wir werden euch aber auf dem Laufenden halten.", sagt Jack in die Handykamera. Ich kneife meine Augen zusammen. „Jack.", sage ich perplex. „Lösch die Story." Ich werde panisch... Oh nein. Im Hintergrund des Videos sind Finn und ich zu sehen. Wie wir Händchen halten und... uns küssen. Oh nein, oh nein, oh nein. „Oh scheiße!", flucht Jack und tippt wie wild auf seinem Handy herum. „Ich schwöre euch, das wollte ich nicht!" „Ich weiß. Lösch es einfach. Warte. Wie viele habens gesehen?", frage ich. „3000 Leute.", sagt Jack kleinlaut. „Heilige.", seufze ich. „Ist gelöscht.", ruft Jack. „Ich wollte das nicht..." „Ich weiß. Alles ist gut. Alles ist gut.", wiederhole ich mich. „Wirklich?", fragt Jack nach. Ich nicke. „Jetzt wissen wir, wieso uns alle zuspammen." Ich nicke wieder. „Außer Plan.", seufzt Finn und legt einen Arm um mich. „Es ist ein Wunder, dass eure Beziehung noch nicht öffentlich ist... war.", korrigiert sich Jack und lehnt sich zurück. „Team Pizza, Team Big, ihr seid wieder dran.", ruft uns der Typ zu. Finn und ich sind Team Pizza- natürlich. Jack und ein anderer Fremder Junge sind Team Big. Beide sind kleiner als ich. Welch eine Ironie. Und so begeben wir vier uns auf in den Kampf.

„Scheiße.", fluche ich. Ich sitze auf dem Sofa und lese die Kommentare unter meinem neusten Instagrambild durch. Es ist ein Bild von mir mit einer Wunderkerze, mitten auf einer Straße in Chinatown. Ich scrolle immer weiter hinunter. Tränen steigen in meine Augen. Kommentare sollten einen nicht zum Weinen bringen... Nur diese... machen mich fertig. „Mira, was ist los?" Finn kommt von der Tür zurück und balanciert zwei Pizzakartons halb erfolgreich auf seinem Kopf. Er nimmt sie jedoch sofort runter, als er meinen entsetzten Blick sieht. „Diese Kommentare..." Ich deute auf mein Handydisplay. „So schlimm?" Er setzt sich neben mich und stellt die Pizzakartons auf dem Couchtisch ab, bevor er mein Handy aus meiner Hand nimmt und sich ebenfalls die Kommentare durchliest.

„Du Schlampe!"

„Ekelhaft!"

„Schämst du dich nicht?"

„Pädophile sind also doch nicht nur alte Männer... Enttäuschend."

„Finn verdient jemand besseren als dich, Bitch!"

„#fack forever!"

„18 und 16... Ekelerregend."

Die Stimmen hallen in meinem Kopf nach. Finn zieht erschrocken seine Augenbrauen hoch. „Oh mein Gott." Mehr bringt er nicht heraus. „Sie... haben Recht.", sage ich. Finn dreht sich zu mir um und schaut mich entgeistert an. „Was?"

„Sie haben Recht, Finn."

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