Kapitel 9 - Kerzenlicht - Part 2

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Sie blinzelte verschlafen um sich zu orientieren und augenblicklich fiel ihr Unterkiefer nach unten. Das, was sich vor ihr erstreckte, war einfach nur unglaublich.

Sie befand sich auf der Spitze von einem der Hügel der Amalfiküste, vermutlich auf der Spitze des Hügels von ihrem Dorf. Der Gipfel war recht eben, also hatte sich über die Jahre hinweg ein kleiner See gebildet, der sich nun über die Fläche erstreckte. Leya selbst saß in einem Zelt am höchsten Punkt des Hügels, also über dem See und dem ganzen Rest. Cal hatte ein Zelt aufgebaut, das er mit weichen Decken und Kissen ausgepolstert hatte. Es war umgeben von den Ausläufern der Wälder, die sich über Leyas Heimat zogen. Da die Temperatur deutliche Minusgrade hatte, fiel nicht nur glitzernder, weißer Schnee, sondern der See war zugefroren. Eine Eisdeck hatte sich gebildet, die recht dick und stabil aussah.

Aber das war es nicht, was Leya den Atem verschlug. Nein. Der einzige Grund, weshalb sie die Szenerie so deutlich erkennen konnte, war das unglaubliche daran. Am Ufer des Sees standen tausende Kerzen in Glasbehältern, damit der Wind, der hier oben nicht zu wenig blies sie nicht löschte. Die tausend Kerzen verströmten ein warmes Licht und ließen den Schnee, das Eis, die komplette Welt, die von hier aus sichtbar war in ihrem Licht erstrahlen wie ein einziges, großes, glitzerndes Glühwürmchen. Alles leuchtete wie tausend kleiner Sterne, die auf die Welt hinab gefallen waren und sich nun an dieser Stelle sammelten um ein gemeinsames Fest zu feiern. Es war wie ein Kind aus Feuer und Eis, eine Mischung aus allem Gegensätzlichen dieser Welt, hell und dunkel, heiß und kalt, das sich nun hier zusammengetan hatten um die Schönheit selbst zu gebären in all ihren unfassbaren, überweltlichen Zügen.

„Was hast du getan?" hauchte Leya.

Sie konnte Cal dabei nicht ansehen, weil sie es nicht schaffte ihren Blick von dem Schauspiel abzuwenden. Die Flammen tanzten zusammen mit den Schneeflocken im eisigen Wind in einem unbekannten, faszinierendem Rhythmus.

„Dir einen Ort gegeben, der dir angemessen ist." erwiderte Cal lächelnd.

Sie wandte langsam ihren Kopf zu ihm.

„Das hier soll mir angemessen sein?" flüsterte sie.

„Das und noch viel mehr." antwortete Cal. In seinen Augen brannte ein Gefühl, das Leya noch nie zuvor erblickt hatte. Es war ebenso schön wie beängstigend. Es war wie die Kerzen um den See.

Sie beugte sich vor um Cal zu küssen um all ihre Gefühle auszudrücken, die sie für ihn empfand, aber er hielt sie davon ab. Vorsichtig drückte er ihre Schultern weg und blickte tief in ihre Augen.

„Auch wenn das jetzt wie ein Klischee klingt, aber wenn wir uns küssen, dann werde ich vergessen, was ich machen wollte, also muss das noch einen Augenblick warten." Er grinste, drehte sich um und wühlte in einer Stofftasche bis er schließlich eine kleine Schachtel mit einer roten Schleife darauf hervorholte.

„Was...was ist das?" Leya hatte schon richtig Angst davor die Box zu öffnen. Wenn Cal das alles hier nur als Location gedacht hatte, was konnte dann bitte noch dort drin sein?

„Mach es auf." Vorsichtig legte er ihr das Päckchen in die Hand.

Sie starrte erst ihn an, dann das Geschenk und öffnete schließlich mit zitternden Fingern die Verpackung. Sie hob den Deckel der Box an und erblickte das Geschenk

Die kleine Kiste war mit Samt ausgekleidet, in dessen Mitte sich eine Kette mit einem Anhänger Befand. Wie die Kette, so war auch der Anhänger in Altgold gehalten Er zeigte ein dreidimensionales Herz – nein, kein menschliches Herz - , das aus lauter einzelnen, ineinander verwobenen Strängen bestand. Wie in einem Gemälde zogen sich die Altgoldstriche in eine Herzform, kringelten sich umeinander und ließen das Gebilde unglaublich filigran und zerbrechlich wirken. Doch das beste an dem Herzen war, dass es aussah, als würde es schlagen, so als wäre es echt. Ein kleines, warmes Licht pulsierte im Inneren, wie der Takt eines Herzschlages.

Götterstimme Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt