Leya blinzelte.
Ihr Zimmer war ganz plötzlich hell erleuchtet. Bis gerade eben hatte sie einen tiefen, traumlosen Schlaf gehabt, was ihr wirklich gut getan hatte. Die letzten Wochen waren ziemlich anstrengend gewesen. Aber jetzt hatte sie das Licht geweckt.
Ihre Augen mussten sich erst an die Helligkeit gewöhnen.
Sie setzte sich auf, während sie ihre Augen rieb. Wer hatte nur das Licht angeschaltet?
„Überraschung!"
Leya bekam den Schock ihres Lebens und schrie fast genauso laut auf wie das 'Überraschung' erklang. Bis gerade eben hatte sie nichts gesehen, doch jetzt riss sie die Hände von den Augen und starrte in ungefähr zwanzig Gesichter in ihrem Zimmer und noch wesentlich mehr vor ihrem Zimmer. Und sie alle brüllten ihr gleichzeitig das Wort 'Überraschung' ins Gesicht, hatten bunte, spitze Partyhütchen auf und diese komischen Tröten in den Mündern, die solche ätzenden Geräusche von sich gaben, wenn man sie blies.
Natürlich wurden alle geblasen und ein richtiger Haufen an Luftschlangen landete auf Leya.
Diese saß sprachlos mit offenem Mund da und ließ sich mit Konfetti bewerfen.
Was war hier los?
Ihr Verstand weigerte sich eins und eins zusammenzuzählen. Denn das würde bedeuten, dass sie jetzt lächeln und lachen musste und sich bei den ganzen zum großen Teil fremden Menschen bedanken musste.
Denn sie fand sich gerade einmal sechs bekannten Gesichtern gegenüber. Vor ihr standen Angel, Cal, David, Elissa und die zwei Zicken aus ihrem Englischkurs, die sich am ersten Tag an Cal herangemacht hatten, Sandra und Kleo. Die drei letzten drückten sich so nah wie möglich an Cal, wie es nicht anders zu erwarten gewesen war und hatten ein überaus breites und falsches Lächeln aufgesetzt. Die übrigen Personen im Raum kannte Leya nur vom sehen, zwar war sie sich sicher, dass sich in irgendeiner Ecke ihres Kopfes passende Namen zu den meisten Gesichtern finden ließen, aber das war gerade nicht möglich. Sie stand zu sehr unter Schock.
„Was..." brachte sie stotternd hervor.
„Alles Gute zum Geburtstag, Leya!" rief Angel lachend aus und umarmte sie fest.
„Wer..." murmelte Leya, aber da wurde Angel schon von Cal abgelöst, der ihr einen Kuss auf den Mund drückte und sie ebenfalls beglückwünschte. Danach kamen David, Elissa, Kleo, Sandra, ein paar Jungs, die Leya als Freunde von David einordnete, dann Mädchen aus der Stufe unter ihr, welche aus der Stufe über ihr und einige aus derselben Stufe wie Leya. Dann waren die Leute aus der Tanzschule dran und das ging immer so weiter bis schlussendlich noch total unbekannte Mädchen und Jungs, die nicht einmal Leyas Sprache sprachen, da sie ihr mit komischem Akzent auf Englisch zum Geburtstag beglückwünschten, auftauchten und sie umarmten.
Und mit einem Mal saß Leya wieder allein in ihrem Raum. Komplett irritiert von der übermäßigen körperlichen Nähe zu Fremden, die sie in der vergangenen halben Stunde seitdem sie aufgewacht war hatte ertragen müssen.
„Was ist gerade passiert?" murmelte sie leise, stand auf und ging zu ihrem Spiegel. Dort kämmte sie ihre verwuschelten Haare so gut es gingund richtete ihr Make-up.
Was war hier nur los? Wieso schmiss Angel eine Überraschungsparty obwohl sie ihren Nachrichten zufolge so sauer auf Leya war? Was war hier bitte los?!
Leya fuhr sich mit der Hand durch ihre gerade gekämmten, aber gleich wieder verwuschelten Locken und seufzte. Dieser Tag war einfach zu viel. Diese ganzen Überraschungen... Eigentlich hatte Leya sich nur ausruhen, im kleinen Kreis feiern und ihre Sachen für die Abreise morgen zu Ende packen wollen. Ach ja und sie hatte das kleine Detail verdrängen wollen, dass sie Cal noch sagen musste, dass sie ab morgen die ganzen Ferien weg sein würde. Bisher hatte sie das nämlich vergessen – ja, man konnte es so nennen, wenn man es wollte...
„Verdammt!" Jetzt würde sie keine ruhige Minute finden um es Cal zu sagen bei dem ganzen Trubel und wann sie das letzte Zeug in ihren Koffer stecken sollte, war ihr auch noch nicht klar. Wahrscheinlich war es am besten das gleich zu machen. Gerade ließ man sie in Ruhe.
Leya warf noch einen abschließenden Blick in den Spiegel und stellte fest, dass sie ziemlich schrecklich aussah wegen ihrer Augenringe, den zerstörten Haaren und den nur zum Teil reparierten Make-up. Aber das war jetzt ziemlich egal.
Sie stand auf, holte ihre Zahnbürste und Zahnpasta aus dem Bad – beides würde sie heute nicht mehr benutzen, da war sie sich recht sicher -, ihren Wecker – sie hatte so einen Tick, dass sie immer ihre Uhr mit in den Urlaub nehmen musste und noch ihr Make-up, sowie ihre Bürste. Als sie alles zusammen hatte, warf sie es auf ihr Bett zwischen das ganze Konfetti und zog unter ihrem Bett einen roten Koffer hervor. Als sei ihn öffnete fand sie ein beschriebenes DIN-A4 Blatt. Darauf stand:
Schatz! Happy Birthday! Feier schön mit deinen Freunden. Wir haben das Haus für heute Abend geräumt. Und nicht vergessen! Morgen geht's schon früh los, also nicht zu spät ins Bett. Und du bist noch keine 18, also nicht härteres als Bier trinken, Süße!
Dein Geschenk steht hinter deiner Zimmertür. Wir konnten nur eine Schleife darum machen, wenn du es siehst, weißt du, weshalb.
Wir haben dich lieb und viel Spaß! Mami und Papi
Das war ganz eindeutig die Schrift von Leyas Mutter, aber darunter stand noch etwas:
P.S. Nur, damit du es weißt, dein 'Freund' Cal wird dieses Zimmer nur für den Überraschungsruf betreten! Danach nicht mehr!
Jap. Das war von ihren Vater. Leya grinste, legte den Zettel neben ihren Koffer und platzierte die übrigen Sachen strategisch in ihrem Koffer, damit alles reinpasste, bevor sie ihn schloss.
Wenigstens waren ihre Eltern noch die Alten. Das war doch ein Lichtblick. Natürlich freute sie sich über die ganzen Überraschungen heute, aber die letzten Wochen hatten sie so überanstrengt, dass Leya sich eigentlich nur einen Ruhetag gewünscht hätte. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Dummer Weise war letzteres der Fall. Also hieß es jetzt gute Miene zum bösen Spiel machen und nach draußen zu ihrer Geburtstagsparty gehen. Juhu.
Aber davor würde sie noch ihr Geschenk auspacken!
Leya lief zur im Moment sperrangelweit geöffneten Tür und schloss sie vorsichtig, damit nichts, was eventuell daran lehnte, umfallen konnte. Es passierte nichts, aber dafür breitete sich ein Strahlen über ihr ganzes Gesicht aus, als sie das Geschenk mit der Schleife entdeckte.
Es war eine längliche, feste Stofftasche, die eine einzigartige Form hatte. In der Mitte prangte eine rote Klebeschleife. Eine von den hübschen, nicht von den billigen.
Sie bekam von ihren Eltern neue Skier!
Wie sehr hatte sie sich das gewünscht?! Und dann auch noch perfekt zum Skiurlaub!
Am liebsten würde sie die beiden jetzt direkt anrufen, aber das ging natürlich nicht. Sie würden sich nur fragen, was hier los war, dass Leya lieber mit ihnen telefonierte, obwohl ganz klar eine Party ihr zu Ehren – wie die laute Musik leicht erkennen ließ – stattfand. Na ja, sie konnte sich auch noch morgen bei ihren Eltern bedanken.
Leya öffnete die Skiertasche ein wenig und sah, dass ihre neuen Skier schwarz mit farbigen Strichen waren. Sie verliebte sich sofort in sie.
Lächelnd schloss sie das Geschenk wieder und legte es zu ihrem Koffer unter das Bett. Da unten würde den Sachen nichts zustoßen und ihre Eltern würden sofort wissen, wo das Zeug war, weil sie ihr Gepäck immer unter ihr Bett schob.
Als sie alles sicher verstaut hatte, stand Leya auf und drehte sich zur Tür. Jetzt hieß es: Auf in den Kampf!
Sie holte noch einmal tief Luft, setzte ein falsches Lächeln auf und verließ mit großen Schritten voll von vorgetäuschtem Selbstvertrauen ihren Raum.
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Die heutige Widmung ist für:
GoldenAlbatross!
Sie schreibt eine tolle geschichte, gibt sehr hilfreiche kommis bei meiner und votet immer shcön brav!XD Danke sehr!^^
Song:
Ellie Golding & Calvin Harris - Outside
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Götterstimme
FantastiqueEr packte sie an den Armgelenken, bevor sie ihn ein weiteres Mal schubsen konnte. „Wieso lässt du mich nicht dein Held sein?!" schrie Cal Leya wutentbrannt in ihr regennasses Gesicht. „Weil es in meiner Geschichte keine Helden gibt. Ich werde unwei...
