Kapitel 57

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Meine Güte, du schreist in meinem Kopf! Was ist los? Hast du denn nichts Besseres zu tun im Bett neben deinem Mann? Wieso denkst du die ganze Zeit an mich und rufst mich? Hast du dich wirklich gefragt wo das Sperm...weisst du was, du bist viel seltsamer als ich es jemals war. Also was ist? Ich will wieder in den Armen meines Pitbulls liegen bis er aufwacht. Ach übrigens, dein Mann träumt etwas sehr, sehr Anregendes...du solltest nachher Schokoeis holen und ihn wecken.
Sie hatte tatsächlich ein babyblaues Negligee aus Spitze an und hielt die Hände verschränkt. Toller Traum, ehrlich. War das überhaupt noch ein Traum?
Nicht so richtig. Du schläfst zwar, aber dein Unterbewusstsein ist klar. Etwas zwischen Schlafen und Wach sein, ein Dämmerzustand. Ähnlich einer Hypnose nur wirst du nichts vergessen. Es ist einfacher für mich so in deine Gedanken zu gelangen. Du sperrst dich oft dagegen, du schämst dich für so viele Gedanken. Bogdan hingegen kennt fast keine Scham und er vermisst dich sehr.
Wie bitte? Er vermisste mich? Ich lag doch neben ihm, wie konnte er mich da vermissen?
Du bemerkst es nicht, das ist auch nicht so schlimm aber er vermisst die Nähe zu dir. Der Sturm in deinem Kopf hindert dich daran, du siehst nicht was vor deiner Nase passiert. Also, was willst du?
Was vor meiner Nase passiert...da hatte sie nicht ganz unrecht. Aber das musste warten, ich musste sie erst wegen Danijela fragen. Wie viel weisst du über die Zukunft? Weisst du was aus Danijela und Stefan wird? Weisst du wie es weiter geht? Wird sie bei Stefan und dem Kind bleiben oder es doch bereuen? Bogdan bat mich, dich zu fragen aber ich finde, du solltest auch mit ihm reden. Er hat so seine Zweifel...
Ich weiss und seine Bedenken sind berechtigt. Ich werde auch mit ihm sprechen, keine Sorge. Leider weiss ich nicht alles, nur so viel wie man mich wissen lässt. Ich weiss, dass das Baby von den Beiden auf die Welt kommen wird, ich kenne das Geschlecht von meinem und Lazar's Baby. Ich weiss was Nikola plant aber alles darf ich nicht wissen. Das wäre vielleicht fatal, die Zukunft ist nicht immer in Stein gemeisselt und Vieles kann sich ändern. Menschen können durch ihre Entscheidungen alles beinflussen, auch die Zukunft. Auch das ich deine Gedanken lesen kann, ist deine bewusste Entscheidung und natürlich deine Neugier. Bei Lazar ist es anders, wir sind miteinander verbunden und er ersehnt sich meine Nähe, unsere Seelen sind fast wie Eins. Bogdan, naja, er will manchmal einfach eine Unterhaltung und meine Söhne denken sehr oft an mich. Stefan vermisst mich sehr aber er glaubt an ein schönes Leben mit Danijela und dem Baby. Nikola hingegen...er trauert noch immer. Mein Junge ist erwachsen geworden, er ist ein Mann aber sein Herz tut ihm weh. Ich kenne auch seine Gedanken über Nela und er hat recht, sie verhält sich wirklich etwas seltsam. Es ist nichts Schlimmes, ehrlich. Sie hält es noch geheim und sie stellt es geschickt an aber Nikola...er ist anders und er traut ihr nicht. Niemandem ausser seiner Familie eigentlich, so ist er. Er ist seinem Vater sehr ähnlich. Ich wollte eigentlich mit ihm reden aber dann hörte ich deine Gedanken und ich muss Bogdan zustimmen. Nikola hatte schon immer gewisse Instinkte für die Gefahr, wahrscheinlich erbt man das einfach. Sein Riecher, wie Bogdan so schön sagt, führt ihn direkt zu Nela. Ob das so ist wird sich noch zeigen Nada. Es tut mir leid, es tut mir so leid, weiss ich nicht mehr.
Ihre sehr blassen Schultern zuckten leicht und sie lächelte traurig. Lieber Gott, ihre ganze Mimik und die Gestik waren wie früher und ich sah ihr an, sie fühlte sich schlecht. Konnte sie denn die Gefühle...ja, ich fühle gleich. Ich liebe, ich trauere, ich fühle Freude, ich fühle seelischen Schmerz. Ich kann Berührungen spüren und ja Nado, ich begehre meinen Lazar mit jeder Faser meines Geistkörpers. Es ist so und es gibt keine logische Erklärung dafür,also bitte, bitte hör auf dich so zwanghaft damit zu beschäftigen. Du verpasst sehr viel Nado.
Was meinte sie nur? Ich war ihr dankbar für die Antworten aber was genau verpasste ich denn? Ich war doch da, ich hatte meine Familie, die Liebe meines Lebens und...ich versuche wirklich taktvoll zu bleiben aber es klappt nicht. Wann hast du das letzte Mal mit deinem Mann geschlafen? Wann habt ihr euch das letzte Mal geliebt ohne durch dein Kopfchaos abgelenkt zu sein? Er denkt, er wäre dir vielleicht nicht mehr genug oder dass sich deine Gefühle durch deine Tat geändert haben. Zweifelst du an der Liebe zu ihm oder an deinen Gefühlen?
Was? Mein Bogdan dachte was? Wie kam er nur darauf? Sogar im Traum bekam ich ein hässliches Zucken im Magen. Ich erinnerte mich zurück, zählte im Traum die Tage und...an meinem Geburtstag, das war nun zwei Monate her. Das konnte doch nicht sein! Oder etwa doch? Was war nur mit mir los, ich hatte ja komplett den Durchblick verloren. Wann hatte ich das letzte Mal etwas für meinen Bogdan getan? Er hatte mir einen wunderschönen Geburtstag beschert und ich...ich hatte seinen Bruder getötet, hatte mich in Schuldgefühlen gebadet, dann war ich unausstehlich gewesen und dann hatte ich mich Wochenlang nur mit Nina und Lazar und dem ganzen Geistsein  beschäftigt. Das ist halb so schlimm, das kriegst du schon wieder in den Griff. Ich gehe jetzt wieder in Lazar's Bett und du, tja, du könntest mal aufwachen und nach den Mädchen sehen. Sie haben Beide einen Alptraum.
Einen Alptraum? Meine Mädchen? Ich öffnete blinzelnd die Augen und blickte automatisch zur Tür. So leise wie es nur ging stand ich auf, bewegte mich auf Zehenspitzen in das Zimmer der Mädchen und sah ihre traurig, nach Unten verzogenen Lippen. Zärtlich streichelte ich ihre vollen, schwarzen Locken und sah zu, wie sie sich entspannten. Der Alptraum liess wohl nach und ich ging noch um nach unserem Lazar zu sehen. Es brachte mich jedes Mal zum Schmunzeln wenn ich sah wie er auf dem Bauch schlief. Sein linkes Bein war weit aus dem Bett gestreckt, die Decke lag auf dem Boden und seine Locken fielen ihm in die Stirn. Ich deckte ihn vorsichtig zu und schlich mich wieder auf Zehenspitzen aus dem Zimmer. Kurz vor unserem Schlafzimmer stoppte ich und dachte an Nina's Worte. Es wurde Zeit, dass ich mein Verhalten normalisierte und mein Gehirn abstellte. Ein Psychiater würde wohl andeuten ich hätte eine beginnende Zwangsneurose und so unrecht hätte er gar nicht. Ich war zwanghaft mit allem Möglichem beschäftigt und übersah das Wichtigste. Die Liebe meines Lebens war verunsichert, dachte meine Gefühle hätten sich vielleicht geändert und das musste ich wieder hinbiegen, sofort.
Da Nina mich auf eine Idee gebracht hatte, eilte ich zuerst aber in die Küche, holte was ich benötigte und schlich mich wieder ins Schlafzimmer wo mein Mann schlief. Schön, das war er einfach. Seine starke Brust hob und senkte sich langsam unter seinen regelmässigen Atemzügen, sein Gesicht war entspannt und fast schon jugendlich, seine Haare leicht zerzaust und die paar grauen Haare sahen in seinem schwarzen Schopf attraktiv aus. Ich legte die kleine Schale auf das Bett neben ihn und konnte mich nicht an ihm satt sehen. Mein Herz zog sich vor Liebe zu meinem Mann zusammen, meine Haut überzog ein freudiges Glühen und mir entwich ein leiser Seufzer. Ich hatte wirklich alles und brauchte einen Geist um das einzusehen. Vielleicht war Nina ja eine Offenbarung für uns alle, vielleicht war sie hier um uns die Augen zu öffnen? Wie gerne hätte sie ein Leben mit Lazar gehabt, wie gerne hätte sie ein Leben gehabt wie ich es habe? Als Bogdan im Schlaf leicht lächelte, berührte ich hauchzart mit meinem Zeigefinger seinen Mundwinkel. Ich liebte es ihn zu berühren, liebte seine Bartstoppeln und die Lachfalten um seinen Mund. So geschickt und vorsichtig wie ich konnte, kletterte ich auf ihn und setzte mich auf seine Mitte. Mein Schöner blinzelte leicht in meine Richtung und lächelte noch mehr. Ob er dachte er würde träumen?
Ich nahm einen Eiswürfel aus der Schale und fuhr neckisch damit über seinen Hals. Er zuckte leicht zusammen und fixierte mich dann mit seinem Blick. Erstaunlich wie klar sein Blick sofort war, das würde er wohl nie verlernen.
"Das ist kalt" murmelte er mit sehr tiefer, verschlafener Stimme.
"Nicht mehr lange. Ich liebe dich Bogdane" flüsterte ich und küsste ihn mit all meiner Liebe. Ich küsste sein Kinn, die Sehne an seinem Hals, die Narben an seiner Schulter und setzte mich dann wieder auf. In seinem Blick sah ich so viel Liebe, so viel Sehnsucht und nahm dann noch einen Eiswürfel. Seinen Hals herab, fuhr ich mit dem Eiswürfel über seine Schlüsselbeine, seine Brust, seinen Bauch und umkreiste seinen Bauchnabel. Auf seiner gebräunten Haut bildete sich eine Gänsehaut und in meinem Magen flatterten die Schmetterlinge. Die Vorfreude überwältigte mich fast und liess meine Hände zittern. Wieso hatte ich das nicht schon vorher gemacht?
Ich rutschte langsam etwas runter, bemerkte wie schnell sein Herz unter seiner Brust pochte und zog vorsichtig an seinen Boxershorts. Einen etwas geschmolzenen Eiswürfel nahm ich in den Mund und dann nahm ich Bogdan's Glied auch auf. Ich hörte wie er scharf die Luft einzog, sah wie seine Oberschenkelmuskeln zuckten, und spürte seine Finger in meinen Haaren. Durch die Kälte und sein Glied in meinem Mund kribbelte meine Zunge, seine Haut fühlte sich noch heisser an als sonst und eine unbändige Lust überkam mich. Ich wollte ihn befriedigen, ich wollte ich schmecken, ich wollte ihn lieben und von ihm geliebt werden. Ich beschleunigte mein Tempo, half mit meiner Hand nach und berührte seine Hoden, dann wurde ich absichtlich langsam, nahm ihn ganz auf und spürte seine Spitze in meiner Kehle. Sein Atem beschleunigte sich noch mehr und ich zitterte schon vor Erregung. Es war ein Gefühl von Macht welches mich durchströmte. Ich hatte die selbe Macht über ihn wie er über mich, ich konnte ich ihn mühelos erregen und das liebte ich. Ich liebte alles an ihm.
"Ich will dich" knurrte er leise und um Beherrschung bemüht, er zog mich auf sich und küsste mich wie ein Ertrinkender. Er setzte sich auf, grub seine Finger in meine Haare und küsste mich weiter, bis ich kaum noch Atem bekam. Ich klammerte mich an seine Schultern und spürte wie sein Glied in mich glitt. Gott wie hatte ich ihn vermisst, wie hatte ich diese Hitze, dieses Dehnen und das miteinander verbunden sein vermisst. In seinem Blick sah ich das Gleiche und küsste ihn wieder, bewegte mich auf ihm und spürte auch seine Bewegungen. Wie im Rausch küsste, biss und kratzte ich ihn und kam mit einer Wucht, dass mein Herzschlag komplett aussetzte und ich fast in Ohnmscht fiel. Als Bogdan das bemerkte lächelte er leicht, drehte uns und lag dann auf mir. Ich spürte ihn in mir pochen, ich atmete schwer und sah seinen erregten Blick. Er streichelte mein Gesicht mit seinem Zeigefinger, fuhr mit seinem Daumen über meine Unterlippe und legte dann Hände um meine Handgelenke. Dieser Mann machte mich wahnsinnig, alles an ihm. Ich liebte es ihm ausgeliefert zu sein, ich liebte seine Haut, seine Stärke und seine Art mich anzusehen.
"Du bist so schön" murmelte er dann an meinen Lippen und bewegte sich endlich wieder. Seine Stösse wurden intensiver, fordernder und sein ganzer Körper beherrschte mich. Er hielt meine Handgelenke über meinem Kopf umklammert, winkelte sein Bein an und spreizte so meine Beine noch mehr. Seine Leidenschaft brachte mich zum Kochen, ich verlor die Kontrolle über meinen Körper und meine Stimme und sah nur noch das kühle Blau seiner Augen. Alles in mir war wie Lava, mein Herzschlag hämmerte laut und das Blut rauschte in meinem Kopf als ich wieder unter seinem feurigem Blick kam. Völlig ausser Atem spürte ich wie er sich in mir entleerte, spürte wie sich seine ganzen Muskeln anspannten und wie er heiser in meinen Mund stöhnte.
"Mehr, ich will mehr" sagte er bestimmend und ich nickte kraftlos.
"Ja" hauchte ich nur atemlos und liess ihn wieder meinen Mund besitzen.
Mehr, ja das wollte ich auch. Ich wollte alles und noch viel mehr!






Bogdan:
Als meine Nada gegen Morgen in meinen Armen einschlief und mein Gehirn wieder mit Blut versorgt wurde, spürte ich wieder diese Vorahnung. Meine Frau war viel zu abwesend in der letzten Zeit gewesen, viel zu abgelenkt durch diese unglaubliche Geschichte mit Nina, dass sie es nicht spürte. Sonst spürte sie immer alles, sie träumte sogar und hatte etwas Hellseherisches an sich. Hatte der Mord an Sergej ihr diese Empfindungen genommen? Oder waren ihre Emotionen so durcheinander, dass sie es einfach nicht bemerkte? Würde das wieder kommen? Ich hoffte es sehr, ihre Vorahnungen und ihre Träume waren seit Jahren eine Beruhigung für mich und das hatte ich nun nicht mehr. Wir hatten zwar einen Geist hier aber Nina wusste leider nicht alles und das beunruhigte mich. Auch Nikola's Bauchgefühl machte mich nervös und dass er Nela einfach traute. Etwas stimmte nicht und ich hoffte schwer, dass unser Pitbull das auch bald merken würde.
Was zum Teufel würde noch kommen? Wieso konnten wir nicht einfach unsere Ruhe haben? War das Sergej's verficktes Erbe? War nicht mal nach seinem Tod schluss oder war es doch etwas anderes? Ich hatte alles dafür getan, dass nirgends Aufzeichnungen von mir waren. Sergej hatte alles verbrannt was ein Druckmittel hätte sein können und doch hatte ich ein beschissenes Gefühl seit Tagen, ein unangenehmes Ziehen im Nacken. Doch ich hatte nicht das Empfinden, dass das Unheil da war. Es war, als würde ich einfach auf etwas warten, als würde ich eine Uhr sehen die träge vor sich hin lief und mir sagte, es wäre noch nicht so weit.
"Erdbeermuffins" hörte ich meine Nada im Traum murmeln und musste schmunzeln. Erdbeermuffins hatten wir schon lange nicht mehr gegessen, auch das mussten wir unbedingt nachholen. Ich drehte meine Schöne vorsichtig auf mich und bettete ihren kleinen Körper ganz auf mir. Ich konnte gar nicht mehr anders schlafen und das fand ich erstaunlich. Ich musste ihr ganzes Gewicht auf mir spüren, ich musste ihren Atem an meinem Hals spüren und ich musste sie einfach immer ganz umarmen können. Intimität war etwas Erstaunliches, etwas Unbegreifbares für Aussenstehende vielleicht, aber ich liebte diese Intimität. Ich liebte es so zu schlafen und konnte Lazar endlich in allem verstehen. Als ich jünger war, hielt ich ihn einfach für einen verliebten Trottel, dann für einen unglücklich verliebten Mann. Ich hatte mich in allem getäuscht was ihn und Nina betraf und darüber war ich froh. Leider musste sie sterben damit wir Klarheit bekamen...
Bei diesem Gedanken umarmte ich meine Frau noch fester und vergrub mein Gesicht in ihren Locken. Ich liebte ihren Duft, liebte es wie sie sich anfühlte und wusste, dass ich ihren Tod nie verkraften würde. Sollte ihr etwas geschehen dann könnte ich nicht weiter machen, das war mir klar. Ich bewunderte Lazar sehr für seine Stärke aber ich könnte das nicht. Nicht einmal für unsere Kinder könnte ich weiter leben, denn mein Lebensinhalt war meine Nada, so einfach war das. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ich so tief lieben könnte. Ich, ein Auftragsmörder der lange ein gefühlloses Monster war, könnte ohne diese Frau nicht eine Minute leben. Das Schicksal war manchmal wirklich erfinderisch aber auch schön. Leider gehörten zu allen schönen Dingen auch die Grausamen und Hässlichen und genau darauf wartete ich nun, denn etwas würde geschehen, etwas würde unser Leben in Unruhe bringen und darauf musste ich mich vorbereiten. Seufzend küsste ich das Ohrläppchen meiner Nada und musste mir eibgestehen, dass es langsam wieder Zeit war. Ich musste trainieren und meine Instinkte noch mehr schärfen, leider. Damit musste und würde ich morgen anfangen aber jetzt... jetzt würde ich meine Frau aufwecken und mich wieder in ihr verlieren, ich musste einfach. Ich bekam einfach nicht genug von ihr, ich würde nie genug von ihr bekommen.

Hope Hoffnung NadaWo Geschichten leben. Entdecke jetzt