Frühherbst 535
Es waren nun einige Wochen vergangen, die Blätter verfärbten sich stellenweise und der zuvor grüne Wald zeigte langsam bunte Felcken. Es war eine Schmerzhafte Zeit gewesen, harten Trainingseinheiten mit schmerzhaften Verletzungen und üblen Wunden,. sie hatten harte Märsche in voller Rüstung überstehen müssen, gruben Tag für Tag Gräben und Wälle für ein Feldlager, lernten ihre Zelte aufzubauen und bekamen aufs schmerzhafteste zu spüren was Disziplin bedeutete. Drakon holte schnell auf und überragte einen nach dem anderen. Er wurde schneller, stärker und besser. Ihm erging es wie den meisten seiner Kameraden, ihr unnötiges Fett war geschmolzen und drahtigen Muskeln gewichen Es gab nur noch wenige, die es mit ihm aufnehmen konnten. Deshalb hatte er nur drei Mitbewohner auf die er sich wirklich verlassen konnte. Die anderen waren zu arrogant um sich helfen zu lassen oder zu neidisch auf ihn, um sich mit ihm anzufreunden. Doch dem Schenkte er nur wenig Beachtung, seine Konzentration lag beim Training. Klappte etwas nicht, versuchte er es immer wieder, lernte dazu und verbesserte sich. Doch trotz harter Anstrengung blieben ihm einige andere voraus.
Gestern hatte die Grundausbildung der leichten Infanterie begonnen, hierbei ging es vor allem um den Kampf in leichter Formation und Mann gegen Mann. Auch heute stand Drakon mit dem runden Schild, seinem Einhänder und einem kurzen Speer auf dem Sandplatz. Wenigstens hatte die Sonne ihre Kraft verloren, es war warm aber nicht mehr heiß und so lief ihm der Schweiß noch nicht in Strömen über den rücken, als er seinem Fein gegenübertrat.
Dieses mal stand Lucius vor ihm, das kurze braune Haar glänzte vom Schweiß der in kleinen Rinnsalen seine Stirn und seinen Rücken hinab lief, er hatte zu der Gruppe gehört, die schon den morgen über kämpfen mussten, während Drakons Numerat in die Taktik und Formation eingewiesen worden waren. Beide stellten sich schulterbreit hin, Drakon schob den Fuß noch ein Stück zur Seite für einen besseren Stand. Er öffnete den Mund um seinem Gegner Glück zu wünschen, doch dieser griff ohne zu warten an und rammte seinen Speer, mit der stumpfen aber sehr schmerzhaften Spitze erbarmungslos vor. Doch Drakon hatte so etwas schon erwartet, so war es ihm ein Leichtes den Angriff mit dem Schild abzulenken und selbst seinen Speer voran schnellen zu lassen. Es war ein erbarmungsloses Duell, beide Krieger hatten in den letzten Wochen im Grundtraining viel gelernt, sie würden nun in der Ausbildung zur leichten Infanterie das Gelernte weiter entwickeln, verbessern und in Formation Anwenden. Lucius ging näher ran, er versuchte Drakons Schild mit seinem zur Seite zu hebeln, riss gleichzeitig seinen Speer voran. Drakon sprang zur Seite schlug den Schild gegen den Schild seines Gegners und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Über dessen Deckung hinweg zischte nun Drakons Speer. Doch Lucius war schnell, ließ sich auf ein Knie fallen und öffnete die Rechte, sein Speer viel ungenutzt zu Boden, aber er umgriff Drakons Speer direkt hinter der Spitze, riss ihn knapp vor seinem Gesicht zur Seite, sprang auf und trat Drakon nach hinten. Dazu gezwungen den Speer los zu lassen wich er zurück und zog sein Schwert. Nun war es egal ob die Sonne stark war oder nicht. Sein Blut schnellte durch seine Adern, dröhnte in seinem Kopf und der Schweiß lief ihm in Strömen unter dem eng anliegenden Helm den Nacken hinab.
Lucius sprang vor, schlug von rechts zu, doch es war nur eine Finte, er wirbelte um die rechte Achse und schlug mit beiden Händen am Griff nach Drakons rechte Hüfte. Man hörte ein lautes Knirschen, doch das Kettenhemd hielt die ohnehin stumpfe Klinge auf. Drakons linke Hand wanderte an seine Hüfte, er stöhnte, der Schmerz zuckte durch seinen Körper. Leise knurrend taumelte er zurück, doch sein Gegner setzte erbarmungslos nach holte aus und schlug zu, Schlag auf Schlag sprang mit dumpfem Dröhnen von Drakons Schild zurück. Drakons Arme vibrierten unter den brutalen Hieben, mit einem Sprung zur Seite konnte Drakon weiteren brutalen Schlägen entgehen. Er rollte sich schnell ab und kam wieder auf die Füße. Lucius lächelte spöttisch kam einen Schritt näher und stach abermals mit dem Schwert nach Drakons verletzter Hüfte. Gerade rechtzeitig konnte fing sein Gegner die Waffe ab und lenkte die herankommende Gefahr ab. Doch Lucius lachte nur leise, und holte zu einem neuen Schlag aus. Drakon biss die Zähne zusammen und sprang trotz seiner Schmerzen auf ihn zu., parierte den Hieb und griff seinerseits an, dann sprang er mit dem rechten Fuß nach vorne führte einen leichten Schlage gegen seinen Gegner, den Lucius mühelos ablenken konnte. Lucius erwiderte den Angriff mit einer schnellen Parade und drehte seinem Gegenüber die Klinge aus der Hand, mit einem leisen kling fiel das Metall auf den hellen Sand. Drakon sprang vor, drehte sich um, packte mit der Rechten die Rechte seines Gegners und schlug ihm mit dem Schild seitlich gegen den Helm, doch es war nicht fest genug. Lucius trat mit dem Fuß in die Kniekehle seines Gegners, brachte diesen zu Fall und schlug ihm mit dem Schwertknauf gegen die Schläfe, nur der Helm verhinderte eine Platzwunde. „Und wieder geht der Knochenbrecher als Sieger aus dem Wettkampf hervor!" Trent schlug die Hände zusammen, er war an den Kämpfern entlang stolziert. „Gut gemacht meine holden Ladys, das nächste mal solltet ihr härter zuschlagen, oder wollt ihr einen Teppich ausklopfen!" Der Ausbilder lächelte und schritt weiter. Im großen und ganzen war er zufrieden mit seinen Schülern, es gab zwar ein paar unrettbare Versager, aber der Rest war wohl ein äußerst brauchbarer Haufen. Gerade Lucius hatte großes Potential, grinsend Klopfte er ihm auf die Schulter und schritt zu zwei der hoffnungslosen Fälle, die sich kratzend und beißend im Sand hin und her rollten.
„Warum musst du dich immer provozieren lassen?" Damon stützte ihn, Drakon war noch ganz schummrig, sein Schädel dröhnte und ihm war irgendwie völlig schlecht. „Sieh es ein, du hast vielleicht mehr im Kopf, aber im Kampf bist du ihm unterlegen, wenn du auf ihn zustürzt wie ein tollwütiges Raubtier, du hast deine Deckung viel zu offen gelassen." Hielt ihm Esar die Predigt, während er ihn mitleidig betrachtete. „Wenn es hier um Köpfchen ginge wäre dir niemand überlegen." entgegnete Drakon mit einem leisen Stöhnen und zwinkerte Esar zu. „Wenigstens kann er noch Witze reißen." kicherte Drakon, während Esar ihn beleidigt betrachtete.
Necar lehnte an der Wand vor ihrer Hütte „Haben sie dich wieder zusammengeschlagen?" Die anderen lachten, während Drakon teils genervt teils vor Schmerzen aufstöhnte. „Er hat richtig was eingesteckt" nickte Esar. „Und er sah nur fast dämlich aus" kicherte Damon. Necar stieß sich ab „Schaffst du es zum Mittagessen oder sollen wir dich tragen" kicherte er schelmisch. „Es geht!" knurrte Drakon und richte sich selbständig auf. Leicht torkelnd schritt er mit seinen Freunden zu den Tischen.
„Wie macht er sich?" ertönte die Stimme seines Freundes hinter ihm. „Vermisst du deinen Schützling?" In Trents stimme war ein neckischer Unterton als er sich umdrehte. „Vespasian, du warst lange weg." Vespasian nickte leicht. „Es gab ein paar wichtige Botschaften für ein paar überhebliche Grafen." Vespasian fuhr sich über den ungestutzten Bart er hatte weder die Zeit zum rasieren gehabt, noch hatte er sich auf seiner Reise einen Moment sicher fühlen können. Er war jede Nacht durchgeritten, hatte tagsüber immer nur wenig geschlafen und sein Schwert lag immer griffbereit über seinen Oberschenkeln. Es waren anstrengende Tage, doch schlussendlich hatte er es ohne Zwischenfälle geschafft, einzig ein paar Rebellen hatte er aus der Ferne entdeckt. Er verfluchte innerlich den König für diesen Auftrag. „Ist ja auch egal." Trent kniff die Augen zusammen, die Sonne blendete ihn. „Er hat das Talent seines Vater, er lernt schnell und überragt viele andere. Doch an Lucius kommt er nicht vorbei." Er lachte leise. „Er trainiert hart, ist stark und intelligent. Du hattest recht. Er hat sogar das Zeug zu einem Anführer, doch er hat zu viel Mitleid mit seinen Gegnern und er kämpft zu hitzig, stürzt auf seinen Gegner und missachtet dabei jede Deckung und vernachlässigt jegliche Taktik und Technik. Außerdem sind noch weitere sehr gute Kämpfer unter dieser Einheit dabei, Zusammengefasst gehört er wohl zum oberen Mittelfeld, hat aber noch deutlich Potential nach oben." Vespasian kniff die Augen zusammen er hatte mehr erwartet, aber auch ihm war es damals während der Übungskämpfe aufgefallen, dass Drakon zu vorschnell angriff. „Hast du schon einen Schauplatz?" Vespasian wechselte das Thema während er ein Gähnen unterdrückte.
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DIe Chroniken Relons
FantasyEine Fantasywelt voll Elfen, Zwerge, Menschen, Magiern und anderen Wesen, zerissen vom Krieg eines gierigen Königs, voll Verrat, Kampf und neu erblühender Freundschaft.
