Kapitel 38

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Vespasian trat zwischen den gewaltigen Torflügeln Atendors hervor, direkt auf die Ebene hinaus. Die Sonne fing sich orange im Nebel über den weiten ebenen und ließ die kühle Morgenluft glühen. Auf dem spärlichen trockenem Gras auf dem Boden fing sich der Morgentau und glitzerte im Licht der sanften Sonne. Trotz der Kälte standen Soldaten mit nacktem Oberkörper hüfttief in Löchern und Gruben sich mit Schaufeln und Spitzhacken in den Boden. Die harte Arbeit verdrängte die Kälte des morgens und trieb den Männern den Schweiß aus den Poren. „Ich hatte euch doch befohlen Holz zu sammeln und Scheiterhaufen zu bauen!" wetterte Vespasian, genau das hatte er vermutet, der Boden war obwohl der Winter langsam zurückwich hart vom Frost und ein Gegner für jede Schaufel. „Sie waren Soldaten, haben gekämpft und sind als Soldaten gefallen, sie müssen auch wie Soldaten ihre letzte Ruhe finden." Vespasian wirbelte herum. Die kratzige Stimme gehörte zu einem Mann dessen dunkel Augen tief im totenkopfartigen Schädel saßen. Der Mann hatte fahle Haut, einen glatt rasierten Kopf und eine rote eng um die Taille geschnittene Kutte, die von einem schwarzen Strick zusammengehalten wurde. Vespasian stöhnte innerlich auf. Ein Zwillingspriester war also mit einer Einheit gestern zurückgekehrt. Er diente Aternos, dem Gott des Krieges und dessen Zwillingsbruder Atmos, dem Gott der Heilkunst. Vespasian fluchte innerlich, er konnte sie nicht leiden, diese verfluchten Priester wurden über viele Jahre in ihrem Orden geschult, lernten um Atmos Zeichen in die Welt zu tragen alles über Heil- und Giftpflanzen, ihre Zucht und Verarbeitung. Doch das war es nicht, was die Priester wirklich gefährlich machte, sie lernten das Kämpfen, um Aternos zu huldigen, wurden sie ausgebildet in jeder nur erdenklichen Art, mit allerhand Waffen und noch eigenen schrecklich brutalen Erfindungen. Vespasian war sich nicht mal sicher ob er in einem Kampf gegen diesen Priester bestehen konnte, vielleicht in einem reinen Schwertkampf er betrachtete den Priester mit schief gelegtem Kopf, aber wenn dann nur im Schwertkampf, im offenen Kampf hätte er keine Chance. „Es ist der Wille der Zwillingsgötter, dass die Soldaten, die Ehrenhaft fielen in der Erde liegen, die aufgeweicht ist vom Blut ihrer Feinde, so" der Totenkopf Schädel grinste ihn an, die Augen wirkten fast schwarz so tief in ihren Höhlen. „nur so können sie in die Halle der Krieger gelangen" „Nehmt ihnen Rüstung und Waffen ab" überging Vespasian den Priester und wandte sich an die Soldaten, die wie versteinert stehen blieben und von ihm zum Priester sahen. „Sie werden sie in der Halle der Krieger nicht mehr brauchen" knurrte Vespasian, erbost über den zweifelhaften Ungehorsam der Männer. „Aber wir stellen hier eine Armee auf, die den Stahl gut gebrauchen kann" fügte er eisig hinzu, was die Männer endlich antrieb. „Sollen sie nackt vor ihre Herren treten?" die Männer erstarrten. „Wenn unsere Soldaten hier nackt in der Schlacht kämpfen müssen, werden sie Reihenweise in die Hallen deiner Zwillinge eintreten." „Meine Götter? Achtest du die Macht der Zwillinge nicht Königsbote?" das kalte Totenkopflächeln trieb ihm einen Schauer über den Rücken. Doch, die Macht der Zwillinge achtete er über alle Maßen, er hatte oft genug erlebt, wie sie in der Schlacht durch ihre Priester wirkten. Da wo ein Soldat nach hunderten Schlägen der Arm erschlaffte, wurde der hundertste Schlag eines Priesters nur noch kraftvoller. Da wo selbst dem mutigsten Soldaten der Mut schwand, erwachten die Flammen in den Augen der Priester erst und da wo ein Mann getroffen von so vielen Klingen zu Boden ging, erhob sich ein Priester nur noch stärker, da wo ihre Kameraden fielen und jeder Feldarzt die Hoffnung verlor, vermochten es die Priester die Männer von der Schwelle des Todes zu zerren, sie zu heilen, ja sogar noch stärker in die Schlacht zurück zu entsenden. Vespasian hatte sogar schon einmal miterlebt wie einer der Priester eine abgeschlagene Hand wieder anwachsen gelassen hatte, also ja, er kannte die Macht der Zwillinge nur zu gut, aber er glaubte nicht dass sie Wert auf die Totenkleider legten. „Doch" antwortete er, als er merkte, dass er eine Antwort schuldig geblieben war „ich unterwerfe mich der Macht der Zwillinge, als Krieger" er legte die Hand auf den Griff seines Schwertes. „Aber als Verantwortlicher für so viele Soldaten, muss ich auch an das Wohl der Lebenden denken, wie sollen sie jemals den Ruhm auf dem Schlachtfeld erlangen, der die Tore zu den Hallen der Zwillinge öffnet, ohne ein Kettenhemd, das sie vor dem ersten Feindesstreich schützt und ohne ein Schwert, mit dem sie ihren Feind fällen können?" Die schmalen Lippen verzogen sich zu einem düsteren Lächeln „Gut gesprochen" er wandte sich den Soldaten zu. „Nehmt ihnen die Ausrüstung ab, lassen wir sie den Lebenden" Vespasian nickte zufrieden, doch in Gedanken prägte er sich das Gesicht des Priesters ein, vielleicht sollte er ihn loswerden. Er verwarf den Gedanken, bei dem was er nun vor hatte brauchte er die Männer dieses Ordens und er wollte es sich auch wirklich nicht mit den Zwillingen verscherzen, er hatte von Geschichten gehört in denen die verfluchte Kämpfer mitten in der Schlacht einen lahmen Arm bekamen oder Soldaten wuchsen grundlos schreckliche Furunkel. „Wir sind bereit." ertönte die schrecklich arrogante Stimme Williams hinter ihm. „Wie war das Hauptmann?" bellte er ungehalten und zog die linke Augenbraue hoch. „Herr" knurrte William. „Genau" zufrieden nickte Vespasian, ein stöhnen unterdrückend. Ihm war immer noch nichts eingefallen um diese nervige Einheit Drachengardisten los zu werden. „Und beim nächsten Mal erwarte ich einen Salut, ich bin ein Soldat der Großen Armee Relons. Setzte er nach und sah zufrieden lächelnd wie seinem Gegenüber die Zornesröte in die Wangen stieg. Der Hauptmann stand in voller Rüstung mit seinen zehn Gefährten und gesattelten Pferden bereit aufzubrechen. Wieder überlegte Vespasian wie er sie abschütteln konnte, doch der verfluchte Hauptmann wollte sich in seiner blinden Königstreue und seinem Ehrgeiz nicht wegschicken lassen. „Also dann" blaffte er „Machen wir uns auf den Weg." „Wohin" fragte William, verdrehte die Augen und setzte leiser ein „Herr" nach. „Werdet ihr früh genug erfahren" blaffte Vespasian außer ich kann euch abschütteln, vollendete er in seinen Gedanken den Satz.

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