Geschockt betrachtete Grumbar die Blutspur auf dem rauen Felsen, die sich in kleinen roten Pfützen den Gang entlang bis vor seine Haustüre schlängelte und dann verschwand. Er nahm sich den Verband vom Arm, tunkte ihn in die blutige Pfütze und legte die Spur noch tiefer in den Gang, am Ende presste er sogar die eigene Wunde zusammen um ihr das dunkle Zwergenblut entlocken zu können. Schmerzerfüllt bis er sich auf die Lippe, dann drehte er sich um und lief los.
Mit der einen Hand hielt er sein Schwert fest, um zu verhindern, dass es sich zwischen seine Beine stellen und ihn zu Fall bringen konnte, mit der anderen versuchte er sein Kettenhemd unter Spannung zu halten, so war bei jedem polternden Schritt nur ein leises Klirren zu hören. Schnaufend kam er um die Ecke und blieb wie angewurzelt stehen. Stumm blickte er auf die gewaltige Blutlache vor ihm. Hier hätten die zwei erschlagenen Zwerge liegen müssen, doch ihre Leichname waren verschwunden und dies konnte nur eine Sache bedeuten, ihre Gefährten waren schon bis hier hin vorgedrungen und hatten nur die falsche Abzweigung gewählt, aber das würden sie bald bemerken. Er hob einen etwa daumengroßen Stein auf und steckte ihn in eine Tasche seiner grob gewebten Hose. Grumbar blickte auf ein Scharten in der Wand, der Morgenstern seines Feindes hatte den Stein aus der Wand, er schüttelte den den Kopf er hatte keine Ahnung was der König mit diesem Stein wollte, aber seine Feinde hatten ihm bei dessen Besorgung geholfen, denn hier waren die Gänge alle vor langer Zeit aus dem Fels geschlagenen worden und nirgendwo war ein Stein zu finden.
Er versuchte noch schneller zu Rennen. Sein Oberschenkelmuskel jaulte auf, Zwerge hatten starke und ausdauernde Muskeln, sie konnten stundenlange in schweren Rüstungen marschieren und kämpfen, aber für das Rennen waren sie einfach nicht geschaffen. Fluchend wich er um eine Biegung als er auf der Hängebrücke zwei der vermummten Gestalten sah. Sie standen Wache und da gerade Nacht war, kamen auch keine anderen Zwerge hier vorbei. Er hätte eigentlich auch nicht gearbeitet, aber er hatte unbedingt noch diesen verdammten Auftrag fertigmachen müssen. „Dahinten ist der König." schrie er in einen der Gänge vor ihm, dann wich er in einen weiteren Seitengang und trat die Fackel aus. Gerade rechtzeitig tauchte er in den Schatten, als die beiden Zwerge um die Ecke traten. Der eine war etwas größer, folgte aber artig dem kleineren der in den Gang hineinmarschierte und knurrte „Das kam von hier, töten wir ihn und erledigen diesen Job endlich!" Leise schlich der Schmied an dem Gang vorbei, bis hin zur Hängebrücke. Drei feste Seile spannten über eine zehn Meter breite Schlucht, auf ihnen waren dicke Holzbretter befestigt, zwischen denen die Baumeister Scharniere gelegt hatten, so konnte man auf diese treten, nahm der Brücke aber nicht ihre Geschmeidigkeit. Er blickte die tiefe Schlucht hinab, ein Beben hatte hier vor Jahrtausenden den Felsen auseinandergerissen und in ihrer gewaltigen Macht zahlreiche Adern wertvoller Erze freigelegt. Hunderte von Zwergen hatten sich hier zu ihrer Schürfung angesiedelt und die gewaltige Hauptstadt der Zwerge war geboren. Er legt die Hand auf eines der Seitenseile, blickte sich über die Schulter und lief mit schnellen Schritten über die Brücke. Nach einem weiteren Blick nach hinten rannte er in den nächsten Gang.
Endlich hatte er den Tunnel erreicht, indem sich das Quartier des Anführers des Fünften Clans befand. Alle Anführer hatten hier eine feste Etage in der sie bei besuchen in der Hauptstadt mit ihren Leibwächtern und ihrem Gefolge leben konnten. Doch da sich alle Anführer in kürzester Zeit treffen mussten hatten sie ihr Gefolge zurückgelassen, so waren hier in der Etage der Fünften die meisten Räume unbelegt. Die Gänge waren geschmückt mit meisterhaften Steinmetzarbeiten und Mosaiken, die die Geschichte und größten Triumphe des Clans zeigte. Am Ende standen vor einer festen Tür aus dunklem Holz mit Golbeschlägen zwei stattliche Leibwächter in schweren Plattenrüstungen mit schwarzen Stiefeln und scharfen Doppelkopfäxten. Ihre Bärte und Haare waren kunstvoll geflochten und die Rüstungen und Waffen waren mit weiteren Symbolen und Zierden geschmückt. Sie wirkten eher wie herausgeputzte Prinzen auf einem Ball. Und das sollten sie auch sein, mehr Ehrengarde als Leibwache. Natürlich gehörten sie zu den besten Kriegern, aber hier so fern ab des Schlachtfeldes und eigentlich jeder Gefahr stand das Prestige und die glanzvolle Darstellung an erster Stelle. Die Wachen hoben gelangweilt die Augenbrauen und einer grunzte „Du bist hier falsch mein Freund" „Nein ich muss den Anführer sprechen" sagte der Schmied und trat weiter auf sie zu. Nun schlossen sie die Hände fester um die verzierten Griffe ihrer Äxte. „Bleib zurück!" warnte ihn nun der andere. „Ich muss ihn sprechen!" beharrte Grumbar und machte lief weiter. „Ich muss ihn sprechen diese Nachricht kommt vom König" rief er und warf das Schwert zur Seite um zu beweisen, dass er keine bösen Absichten hatte. Unruhig traten sie von einem Fuß auf den anderen, sie hatten von ihrem Herren das strikte Verbot niemanden vor zu lassen, andererseits wog eine Nachricht des Königs schwer. Wenigstens ließen sie die schweren Axtköpfe sinken, mit der Waffe am Boden wäre er nun wirklich keine Bedrohung mehr. Unsicher sahen sie sich die Wächter an, dann knurrte der Schmied „Soll ich selbst anklopfen, der König wartet." Dies riss die Zwerge endlich aus ihrer starre und er Schlug mit dem Axtstiel drei mal fest gegen die hölzerne Tür, ein dröhnen hallte im Raum dahinter.
Die Tür flog scharrend auf. Biondil der Anführer des Fünften Zwergenclans stand mit nacktem Oberkörper und kurzen braunen Hosen vor ihnen. Sein Haar war auf einer Seite plattgedrückt und der sonst geflochtene Bart stand in alle Richtungen. „Wenn nicht gerade ein Vulkan explodiert dann werde ich euch erschlagen." gerade aus dem Bett gerissen klang die Stimme des stämmigen Zwerges noch tiefer, sie dröhnte im Gang. Dann bemerkte er den Schmied und fuhr sich mit einer Hand über den Bart, doch der Versuch, das lockige schwarze Haar zu bändigen, scheiterte, es sah nur noch unordentlicher aus. „Wer bist du und was suchst du?" „Mein Name ist Grumbar Hammerfaust, ich bin hier um euch eine Botschaft vom König zu überbringen." er griff in seine Tasche und fischte den Stein aus der Hosentasche. „Willst du uns veraschen, bist du besoffen oder was?" knurrte einer der Leibwächter. Doch der König war um eine Nummer bleicher geworden und schnauzte seinen Wächter nun an „Hol meine Leibwache!" „Herr?" fragte der Wächter verwirrt „Wie viele?" setzte er schleunigst nach als er das Gesicht des Königs erblickte. „Alle!" knurrte der Biondil. Und bedeutete Grumbar ihm in den Raum zu folgen, der immer noch verdatterte Wache stand immer noch dran und blickte auf den Stein den sein Anführer auf den Boden geworfen hatte. Kopfschüttelnd beschloss er, dass daran nichts besonderes zu sehen war, wandte sich um und schlappte davon. „Schnell!" brüllte der Anführer und Schlug die Tür zu. Dann trat er zu seinem Rüstungsständer und warf sich mit einem klirren das Kettenhemd über. „Was ist passiert?" er zog seine Hose an während der Schmied berichtete. Es klopfte gerade an die Tür als der Anführer seinen Panzerharnisch schloss. Dicke Platten aus Zwergenstahl, die so ineinander verschachtelt waren, dass sie sich ineinander verschieben ließen und so den träger weniger behinderten, als eine normale Plattenrüstung. Bedächtig betrachtete der Schmied das Kunstwerk der Schmiedekunst, abgesehen von sich kannte er nicht viele Zwerge die dazu in der Lage gewesen wären. Die Tür schwang auf, davor stand die Leibgarde der Fünften. Zwölf Zwerge in glanzvollen Plattenrüstungen mit Kriegsäxten und Rundschilden bewaffnet, denen es auch nicht an Dekoelementen fehlte. Grumbar hätte sich gerne noch mehr mit diesem Werk beschäftigt und betrachtete sie mit interessiertem Blick. Alle Zwerge sahen aus als wären sie aus dem Bett geworfen worden, plattgedrückte Haare und zerzauste Bärte, jeder von ihnen hätte sie sonst kunstvoll geflochten, doch dafür war keine Zeit gewesen. Einzig ihre Rüstungen saßen perfekt, denn jeder von ihnen wusste, wie schnell eine falsch sitzende Rüstung den Tod bedeuten konnte. „Los!" brummte Biondil und packte den Griff seines Krähenschnabels. „Bring uns hin!"
Sie rannten im Gleichschritt gerade auf die Hängebrücke zu, da standen wieder die vermummten Wachen. Sie drehten sich freudiger Erwartung um, dann erstarrten sie, als sie die rollende Welle dunkelblauen Zwergenstahl sahen. „Holt sie mir, lebend!" brüllte der König und beschleunigte. Zwei seiner Männer kapselten sich ab und verfolgten die Attentäter, die anderen folgten dem Schmied.
Schweißgebadet kam Grumbar keuchend an und riss die Tür seiner Behausung auf. Fast wäre er in den Streitkolben Herodons gerannt, der sich in den Weg gestellt hatte in Erwartung eines Feindes. Lächelnd ließ er seine Waffe sinkend als er erleichtert seinen Freund erkannte. „Du hast es geschafft!"
Biondil drängte den Schmied zur Seite und wieder machte die Zwergin des Hauses große Augen, sie saß gerade neben dem König und säuberte dessen Wunde. „Mein König" er trat zu Rammar und betrachte seine Wunde, dann drehte er sich um und winkte energisch. Der kleinste Zwerg der Leibwache trat vor und quetschte sich in den doch viel zu engen Raum. „Ihr gestattet?" fragte dieser und trat, nachdem der König genickt hatte auf ihn zu und ergriff dessen Arm. Dunkel grollend begann er in der alten Sprache einen Zauber zu weben, Stück für Stück verschloss sich die Wunde.
Der Zwergenmagier zuckte kurz zusammen, fast sah es aus als würde er umfallen, dann fing er sich mit einem Kopfschütteln wieder. „Es wird ein paar Tage dauern bis ihr den Arm normal gebrauchen könnt, der Muskel ist immer noch verletzt, aber die Blutungen sind geschlossen. Ihr seid außer Lebensgefahr." Nickend bedankte sich der König. Dann blickte er mit hasserfülltem eiskalten Blick zu Biondil „Schafft mir die anderen Anführer her!"
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DIe Chroniken Relons
FantasyEine Fantasywelt voll Elfen, Zwerge, Menschen, Magiern und anderen Wesen, zerissen vom Krieg eines gierigen Königs, voll Verrat, Kampf und neu erblühender Freundschaft.
