Kapitel 24

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Winter 535 nach der Thronbesteigung der Tallerion

„Ich friere mir hier noch den Arsch ab." fluchte Damon und rieb sich seine Hände um wenigstens etwas die Kälte vertreiben zu können. Drakon saß auf seinem Pferd und wartete mit den anderen auf Einlass ins Lager.

Es waren nun schon ein halbes Jahr verstrichen, seit ihn Vespasian hier abgesetzt hatte und er hatte sich mehr als nur gut eingelebt. Die letzten Monate hatte er trainiert. Die Ausbilder hatten sie in Rüstung und mit Gepäck marschieren und Kämpfen lassen, sie hatten gelernt wie man ihre Ausrüstung pflegt und ein Lager aufschlägt. Und das sah man ihrem jetzigen Lager auch an. Einzig die Holzbaraken waren waren geblieben. Sie hatten das Lager mit einem Wall aus angespitzten Holzpfählen umgeben. Hatten davor einen Graben ausgehoben, diesen mit Pflöcken bewährt und vor dem Wall einen Hügel aufgeschüttet der den Graben noch tiefer werden ließ. Vier Tore hatten sie auf jeder Mauerseite gebaut und die Wälle mit Wehrgängen und Türmen versehen. Ihr Lager glich nun einer militärischen Festung. Zum einen hatten sie hierbei gelernt, wie man solche Lager baute, sie würden auf ihrem Feldzug eine Vielzahl dieser Werke errichten, als Basis und Versorgungsdepot, außerdem hatte ihnen die harte körperliche Arbeit geholfen ihren Körper zu stählen.

Drakon blickte zu den Soldaten auf den Türmen die Wache standen, vor ein paar Wochen hatte er noch gelacht, als die Ausbilder verkündeten, zur Übung müssten sie diese Festung zu jederzeit besetzt haben wie im Ernstfall auch. Auch viele andere hatten sich damals köstlich amüsiert, bis die ersten unaufmerksamen Wächter für eine Woche zum Latrinendienst eingeteilt wurden. Nachdem ihre Kameraden bis zu den Knien in der Scheiße standen, wurde der Wachdienst schnell sehr ernst genommen. Drakon lächelte bei der Erinnerung an Lucius der verdreckt und stinkend und mit hasserfülltem Gesicht zum nächsten Bach marschierte. Noch immer wurde er rasend vor Wut wenn sich jemand in seiner Nähe demonstrativ die Nase zuhielt. Er tätschelte den Hals seines Pferdes das dampfend in die kalte Luft ausatmete. Er hatte es nach den langen Gewaltmärschen zu lieben gelernt auf einem Pferd zu sitzen, auch wenn ihm davon die Beine und der Hintern schrecklich schmerzten. Sie hatten in den letzten Monaten gelernt was es bedeutet zur leichten Infanterie zu gehören, in offener Formation und eher auf sich allein gestellt zu kämpfen. An anderen Tagen hatten sie gelernt als schwere Infanterie mit den großen rechteckigen Turmschilden zu kämpfen. Sie bewegten sich wie ein Mann, mit einem gewaltigen Panzer aus Schilden und tödlich präzisem Angriff.

Nun am Anfang der Woche hatte ich Sergeant verkündet, dass sie nun für diese Woche mit dem Training der leichten Kavallerie beginnen würden, bevor dann in der nächsten Woche wieder die leichte Infanterie weitergebildet werden würde. Die letzten Tage hatten sie damit verbracht im Sattel zu sitzen und dabei auch noch zu kämpfen. Er fuhr sich über die Blessuren an seinen Armen, nicht selten war er aus dem Sattel gefallen oder gestoßen worden. Das schwierigste war in Formation zu reiten, sie hatten einige Stunden Rekruten zugeschaut, die schon im zweiten Jahr waren. Sie konnten ihre Pferde allein mit ihren Schenkeln in einer perfekten Pfeilformation halten und dabei gleichzeitig mit Schild und Speer kämpfen. Bei seinem eigenen Numerat sah diese Übung eher nach umher schwirrenden Hummeln aus, die sich gegenseitig anstießen.

„Verdammt, lass uns rein." knurrte Akon, sie hatten ihn zum Korporal ihres Numerats bestimmt und so musst er sich mit Lucius rumschlagen, dessen Numerat wohl gerade Wachdienst am Südtor hatte. „Ohne die Losung darf ich hier niemanden reinlassen." lächelte er voll Freude endlich wieder jemandem etwas auswischen zu können. „Verdammt, du weißt wer wir sind, wir frieren uns hier die Ärsche ab und werden vom Sergeant erwartet." polterte Akon, der sich den Helm vom Kopf riss und genervt durch das verschwitzte Haar fuhr. Lucius hob entschuldigend die Hände, sein Grinsen wurde noch breiter, wenn dies überhaupt möglich war. „Es tut mir leid ohne die Losung sind mir die Hände gebunden." „Mondschein." sagte Drakon an Akon gewannt der in nur mit wütendem Gesicht anstarrte „Hähhh" „Die Losung" schmunzelte Drakon „Mondschein". Nickend drehte sich Akon im Sattel um und stierte Lucius an, der sich gespielt verrückt am Kopf kratzte und zu einem Kameraenden gedreht fragte „Hmmm war das die Losung." während dieser sich grinsend am Bart kratzte „Hmmm ich bin mir nicht sicher"

„Was verdammt ist hier los!" ein Pferd ritt an ihnen vorbei und Drakon setzte sich wie von selbst in hab acht Stellung auf und salutierte. Hauptmann Vitellus führte sein Pferd an der Reihe wartender Soldaten vorbei. „Ist es so schwer ein Losungswort abzufragen?" donnerte er neben Akon angekommen. „Und du Soldat" knurrte er Lucius an. „Wo ist dein Helm!" es war eher ein Befehl als eine Frage. Was dazu führte dass er sich den Helm schnell über den Kopf zog. „Hauptmann!" er salutierte, zusammen mit den zwei Wachen neben sich. Sie traten zur Seite und der Hauptmann polterte im vorbeireiten „Ihr habt mich nicht nach der Losung gefragt, diese Schlampigkeit werde ich eurem Sergeant mitteilen." Mit großen Augen und geballten Fäusten starrte Lucius dem Hauptmann nach, er hätte ihm wahrscheinlich sehr gerne den Speer nach geschleudert. Mit rotem Kopf winkte er Drakons Numerat vorbei, die grinsend die Pferde antrieben.

Nachdem sie ihre Reittiere in den Stallungen abgegeben und mit Stroh trockengerieben hatten schritten sie gemeinsam die neu gepflasterte Straße entlang. Drakon wollte gar nicht an die schmerzenden Arme denken, er hatte wie alle anderen auch graben und Steine setzten müssen, doch es hatte sich gelohnt, als der Herbstregen den Boden aufgeweicht hatte, hatten sie im Lager nicht durch Marsch und Schlamm waten müssen.

„Ich braue endlich ein Feuer und was zum Essen." murrte Jaro. Ein großer Mann mit dunkelblonden Locken. Er war etwas unbeholfen und trotz des harten Trainings und der mageren Kost brachte er es irgendwie hin, noch immer leicht gut gebaut zu sein. „Schon wieder Hunger? Ein Bett würde völlig genügen." gähnte Necar streckte sich und zeigte bei einem gewaltigen Gähnen seinen Rachen. „Erst einmal müssen wir zum Sergeant." „Akon, pflichtbewusst wie immer." kicherte Damon und mimte Akons stolzen Gang nach. Während die anderen kicherten verdrehte Akon nur stumm die Augen und stolzierte voran.

„Korporal Akon, meldet sich mit vollständigem Numerat zurück." meldete Akon während er wie die anderen auch stramm vor ihrem Sergeant stand. Ulfric bedachte sie mit wildem Blick, die gezackte Narbe auf seinem kahlen Schädel leuchtete rot, sie sah aus als wäre der Schädel gespalten worden. „Bericht" forderte er. „Ausbildung zur leichten Kavallerie unter der Leitung von Hauptmann Lentulus." „Gut, Probleme?" „Nein, Sergeant!" Der kleine Mann nickte und spielte mit seinem Schwertknauf. „Wegtreten Korporal, ich habe dem Numerat die für die Wache am Südtor eingeteilt, rüstet euch aus!" Sie salutierten ein zweites Mal, machten auf der Ferse kehrt und marschierten aus dem Haus.

Erst auf der Straße erlaubten sie sich ihre Haltung aufzugeben und sich zu beschweren. „Verdammt ich will essen und mir nicht die Beine in den Bauch stoßen!" quengelte Jaro fast wie ein kleines Kind, während Damon und Necar zustimmend nickten.

Sie gaben ihre Reiterlanzen und die leichten Schilde beim Quartiermeister an der Waffenkammer ab und erhielten Kampfspeere und etwas größere eckige Schilde. Ihnen war es abgesehen von ihrem Schwert und Dolch nicht erlaubt Waffen in ihren Quartieren zu haben und so mussten sie je nach Training oder Aufgabe eine andere Ausrüstung holen.

Murrend nahmen sie Aufstellung vor Lucius, der grinsend vor Akon trat, sich wie zum Salut kurz an die Schläfe tippte „Korporal Lucius gibt die Wache mit seinem Numerat ab, keine besonderen vorkommen außer einem idiotischen Korporal der die Losung vergessen hatte." Zähnefletschend antwortete Akon „Korporal Akon übernimmt mit seinem Numerat die Wache!" er hätte Lucius am liebsten eine reingehauen, doch hier standen zu viele Zeugen und wenn ihn der braunhaarige zum Duell auffordern sollte hätte er vermutlich wenig Chance gegen den Knochenbrecher, man konnte ihn wegen vielem verfluchen, aber kämpfen konnte er.

Lucius Numerat marschierte von dannen, während sich Akon ans Tor stellte und Necar und Damon zu sich winkte. Müde aufstöhnend erklomm Drakon die Leiter und stellte sich auf das Tor. Zwischen den hölzernen Spitzen beobachte er den Strom ankommender Soldaten die alle verschiedene Übungen absolviert hatten. Er sah Soldaten in der Rüstung der leichten Infanterie, die wohl einen harten Gewaltmarsch hinter sich hatten, sie taumelten alle in ihrer Rüstung mit dem Marschgepäck auf den Schultern den Weg entlang. Dahinter stand eine Gruppe schwere Infanterie, die wohl erst zum Training aufbrach, denn ihr Sergeant zeigte ihnen gerade wild gestikulierend welche Formation sie einnehmen sollten.

Gelangweilt sah er sich um, sorgsam darauf bedacht möglichst aufmerksam auszusehen.

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