Lotor erwachte hustend, beißender Qualm biss ihm in die Nase und ließ ihn würgen. Er versuchte sich zu bewegen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht, es fühlte sich an als lägen schwere Steine auf ihm. Seine Augen sahen verschwommen den Rauch vor sich, seine Augen brannten und tränten.
Erst nach ein Kerzenlängen der Qual gelang es ihm allmählich die Finger zu öffnen, alles wirkte immer noch verschwommen und das was er hörte klang dumpf und undeutlich wie unter Wasser. Vorsichtig begann er seine Arme zu bewegen, sie waren steif und schmerzen, aber dieses Mal gehorchten sie. Müde stemmte er sich hoch, sein Rachen war rau und die Atmung war ein Röcheln. Er hatte sich ein Stück in die Höhe gedrückt, da versagte ihm die Kraft stöhnend fiel er auf den harten Boden unter sich, er kämpfte dagegen an, doch die Erschöpfung übermannte ihn, er stürzte in einen traumlosen Schlaf.
Als er wieder erwachte war der nächste Tag schon lange angebrochen, die Sonne stand hoch am Himmel und brannte auf ihn hinab. Die Hitze raubte ihm seine verbliebene Kraft. Sein Mund war staubtrocken und seine Lippen rissig, er versuchte sie sich zu befeuchten, doch seine Zunge war ebenso trocken wie dessen Mund. Unter einer gewaltigen Anstrengung drückte er sich hoch und bewegte sich mehr kriechend als krabbelnd in den Schatten eines Baumes. Er hatte zwar den Biss der Ralori Schlange überlebt, dennoch pochte in seinem ganzen Körper ein stechender Schmerz und seine Gliedmaßen waren immer noch halb taub.
Der Ritter tastete seine Hüfte entlang. Er ist noch da! Erleichtert nahm er den Wasserschlauch von seiner Hüfte und trank ihn in raschen Zügen gierigen aus. Es war warm, schmeckte abgestanden und bitter, doch etwas besseres hatte er noch nie zuvor getrunken. Seine Lippen waren blutig, aber wenigstens die Kehle war nun feuchter, aber das Nass war zu schnell leer. Im Schatten des Baumes tauchte er wieder in eine Tiefe schwarze Welt ein. Als er erneut erwachte stand die Sonne schon tief, das schwarze Leichentuch des Ukreanos würde bald die Fackel des Nostratos verschlingen, in ihrem ewigen Kampf um die Herrschaft des Himmels. Lotor quälte sich auf die Beine und stolperte auf den Schauplatz des Gefechts zu. Alle tot mit Grauen blickte er auf den Leichnam eines seiner Hauptmänner, große Pranken hatten dessen Harnisch zerfetzt und tiefe Wunden ins Fleisch geschlagen. Überall um sich herum stapelten sich grausam entstellte Leichen, die Wägen waren schwarz und verkohlt, ihre Ladung verschwunden. Der Legat humpelte, er hatte als einziger überlebt, Atmos hatte ihn doch erhört, er hatte ihn vor dem Gift gerettet.
Er entledigte sich seiner Rüstung, sein Unterarm blutete wieder als das scharfe Metall aus seinem Fleisch zog. Die Ränder hatten eine komisch dunkel Färbung angenommen, schluckend verdrängte er die Gedanken an eine Amputation und zog einem der Leichen den Gürtel von der Hüfte, er würde ihn nicht mehr benötigen. Mit aller Kraft die er aufbieten konnte zog er ihn unter seiner Ellenbogen zusammen. Zufrieden beobachte er wie die Blutung abebbte.
Er musste so schnell wie möglich dem König Bericht erstatten, der schwere Stahl seiner Rüstung würde ihn nur behindern und er bezweifelte, dass er überhaupt genügend Kraft aufbringen konnte sie dauerhaft mit sich zu schleppen. Er fand sein Schwert an der Stelle an der ihn die Schlange erwischt hatte, von dem Ralori war nichts mehr zu sehen. „Dieser Mistkerl kann doch nicht überlebt haben!" stöhnte er, seine Stimme klang, rau und fremd.
Stöhnend hob er sein Schwert auf, sein Arm fühlte sich immer noch taub an, auch das Schwert würde ihn behindern, doch er befand sich kurz hinter der Ateluin Ebene, dem bewachten Grenzgebiet vor dem Südgebirge. Die Wahrscheinlich bestand trotz der Grenzfestungen wie Atendor, dass sich Monster bis hier hin durchschlagen konnten. Wie er brutal erlebt hatte, konnten sogar ganze Kampfverbände bis hier hin durchkommen. Er verstand immer noch nicht wie die Armee aus Rebellen, Ralori und Magiern überhaupt unbemerkt bis hier hin durchbrechen konnte.
Er sah sich um, nirgendwo war eine Reitmöglichkeit, die Pferde waren Tod oder geflüchtet und die Ochsen hatte man geschlachtet, einzig die massigen Köpfe, das Fell und die Innereien wahren zurück gelassen worden, so blieb ihm nur das Laufen.
Er lief so schnell er konnte und verfluchte sich selbst, dass er sich nie mit Navigation beschäftigt hatte, das hatte er den Aufklärern überlassen, jetzt wusste er weder wo genau er sich befand, noch welche Richtung die beste war um schnell jemanden anzutreffen. Die ganze Nacht und den halben morgen schleppte er sich voran, immer wieder war er gestürzt und einfach an der Stelle liegen geblieben um seine Muskeln zu schonen und in einen kurzen unruhigen Schlaf zu fallen. Nur ausgetrocknete Bäche hatten seinen Weg gekreuzt und so war seine Kehle wieder trocken und die spröden Lippen rissen bei jedem Lächeln auf.
Endlich erblickte er endlich einen Turm, wenn er sich nicht irrte musste es Dolkanz sein. „Nein, das darf nicht sein!" hauchte er. Schwarzer Rauch am Horizont erhob sich hinter den Mauern und zog in dunklen Schwaden vom Wind gepeitscht gegen Himmel. Sein Herz wurde schwer, bei der Vorstellung, Vespasian könnte mit seiner Verräter Bande auch diesen Außenposten bereits angegriffen haben. Doch nach näherer Betrachtung verwarf er den Gedanken, die Rauchsäule war zu gering für eine brennende Festung.
Dennoch beschleunigte er seine Schritte. Stolpernd kam er auf das Tor zu, fast hatte er es erreicht, da gaben seine Knie nach und er ging zu Boden. Als er sich wieder hoch drücken wollte gaben die Arme nach, die Welt verschwamm und etwas brannte in seinen Adern, vielleicht war das Gift doch noch nicht besiegt. Jeder Kraft die er gerade noch gehabt hatte, schien aus seinem Körper gewichen.
„Wer bist du?" erklang eine raue Stimme. Mühsam drehte er den Kopf. „Legat" hustete er. „Hä" kam die Antwort einer zweiten Stimmen. „Warum müssen wir eigentlich immer die heruntergerissenen Reisenden holen, die so blöd sind sich dem Südgebirge zu nähern." „Legat" keuchte Lotor wieder. „Hä" folgte daraufhin. „ich glaube er hat Legat gesagt" antwortete die zweite Stimme. „Hier trink das" jemand hielt ihm eine Feldflasche hin, gierig Trank er, bis das heftige brennen einsetzte. Lotor schüttelte sich in einem neuen Hustenkrampf. „Was ist das denn für ein Zeug." seine Stimme klang nun besser, die Flüssigkeit hatte seinen Rachen benetzt, dennoch brannte er Lotor würgte noch einmal. „Eigens Gebrannter" kicherten die Männer und zogen ihn auf die Beine. Der Alkohol hatte seine Sinne belebt, es ging ihm besser. „Wer bist du also?" „Legat Lotor von Eldenberg" Die Männer salutierten, durch die plötzlich fehlende Stütze wäre Lotor beinahe wieder umgekippt, hätte der rechte ihn nicht direkt wieder gepackt.
„Lucilius Westaron" stellte sich der Herr Dolkanz vor, ein kleiner Mann mit breiten Schultern und Stiernacken aber beachtlich dünner Taille. „Ich bin der zuständige Präfekt dieser Einheit." „Lotor von Eldenberg, ich bin Legat eines Versorgungskonvois" „Der überfallen wurde, eurem Aussehen nach" ungeduldig trommelte der Präfekt mit den Fingern auf seinen Arbeitstisch.
Schnell hatte Lotor den Präfekt auf den Stand der Dinge gebracht, dann befand er sich auch schon im Sattel auf dem Weg in die Hauptstadt, er hatte sogar eine Eskorte bekommen. Er hatte ihm zwar empfohlen einem Boten den Vortritt zu lassen, während seine Wunden versorgt und sein Hunger gestillt wurde. Doch das hatte Lotor abgelehnt, er würde beim Reiten essen und sich ausruhen konnte er später auch noch. Im hinausreiten nickte er Lucilius zu, der damit beschäftigt war eine Einheit aufzustellen, die sich zur Stelle des Überfalls aufmachen würde. Er hatte ihm geraten möglichst viele Männer mitzunehmen. In Überzahl und vorbereitet hatten sie vielleicht eine Chance.
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DIe Chroniken Relons
FantasiEine Fantasywelt voll Elfen, Zwerge, Menschen, Magiern und anderen Wesen, zerissen vom Krieg eines gierigen Königs, voll Verrat, Kampf und neu erblühender Freundschaft.
