Immer wieder hatte Farodin der Beschreibung seines mitgefangenen gelauscht, mittlerweile konnte er den Weg auswendig mitsprechen. Der junge Prinz saß mit angezogenen Beinen auf seiner Nische und ging seinen Plan im stummen noch einmal durch. Das Wasser stand nun fast kniehoch in der kleinen Zelle, einzig beleuchtet durch einen schwachen Schimmer des silbrigen Halbmondes, der sein Licht durch das kleine Fenster warf.
Er verzog das Gesicht kurz, als er die Beine nun in das kalte Wasser tauchte, dann watete er langsam in Richtung der Tür. Mit aller Kraft schlug er dagegen, das morsche Holz stöhnte, blieb aber standhaft. Augen verdrehend sprang er, griff die Stäbe über der Tür, drückte die Füße gegen das Holz, schwang sich zurück, und donnerte mit voller Kraft gegen das Holz, einmal, zweimal, dann rutschte er ab und schnitt sich den Knöchel an einer der Muscheln auf. Innerlich fluchend biss er die Zähne zusammen als das salzige Meerwasser brennend seine Wunde umspielte. Doch so schnell der Schmerz aufflammte wurde er durch das kühle Nass auch schon wieder betäubt. Der Junge Prinz sprang wieder an das Gitter und trat ein weiteres Mal mit voller Kraft gegen das Holz der Tür, obwohl es so morsch aussah hielt es doch überraschenderweise Stand. „Hilf mir!" forderte er mit zusammengebissenen Zähnen „Es ist kalt" meinte sein Mitgefangener während er einen Hand neben sich ins Wasser tauchte und sie schnell wieder zurückzog. „Wo hast du deinen Stolz gelassen, bist du kein Mann?" schrie der Prinz wütend während er sich gegen die Tür war. „Was ist mit deiner Ehre!?" Der Mann lachte leise und rollte sich auf den Rücken. „Wenn du erst ein paar Jahre hier bist, wirst du schnell feststellen, dass es wichtigere Dinge gibt als Ehre." „Du bist eine Schande für deine Familie" knurrte der Prinz während er sich immer und immer wieder gegen die Tür warf, die zwar knarzte, aber weiterhin standhielt. Mit einem lauten Platsch, sprang der andere ins Wasser „Ich helfe dir, damit ich endlich wieder meine Ruhe habe, wenn du da unten jämmerlich ertrinkst" murrte er und watete auf ihn zu. Gemeinsam umfassten sei die Stäbe über der Tür. „Und hep!" er gab das Kommando, und gleichzeitig Sprangen sie. Endlich knackte das Holz und mit dem zweiten Tritt brachen die oberen Angeln und die Tür fiel mit einem klatschen in den Gang, wo eigentlich die Treppen in die Tiefe führten stand nun schwarzes Wasser auf dem die Splitter der Tür schwammen. „So, jetzt hab ich wieder meine Ruhe" verkündete der schwarzhaarige zufrieden, strich den Bart mit einer schnellen Bewegung nach unten, doch es half nichts, das wilde Gewächs ließ sich nicht bändigen. „Komm mit mir" schlug Farodin vor „Freiheit, du kannst für deine Ehre kämpfen und deinen Stolz wiedergewinnen!" Der Mann lachte „Ehre, Stolz, das hatte ich alles auch, vor vielen Jahren, sieh, was aus mir geworden ist." er zupfte sich im Bart „Nichts ist von Dauer, aber glaube mir, hier ist es angenehmer als da unten." er deutete in das Dunkel des gefluteten Ganges „Dort wirst du nur den Tod finden, die Frage ist nur, ob die Kälte dir die Sinne zerreißt, die Dunkelheit deinen Verstand erdrückt oder das Wasser deine Lungen flutet. „Angenehme Aussichten" murmelte der Prinz und zog die Tür zur Seite. „Ich muss für meine Männer einstehen, ich muss meinem Land dienen." verabschiedete er sich und bevor er all seine Kraft zusammennahm und tief Luft holte. Eisig brach das schwarze Wasser über ihm zusammen und verschlang den Körper des Prinzen. Er war nicht unbedingt der beste Schwimmer, aber das brachte hier auch, es war die Eiseskälte die ihm jegliche Kraft entzog. Normalweise hätte er versucht Fett gegen die Kälte zu nehmen, doch hier hatte er nur die Algen gehabt. Er hatte sie sich gesammelt und zu einem öligen Brei zerrieben. Es stank zwar ekelhaft, aber unter Wasser konnte er sowieso nichts riechen und die ölige Schicht, die er großflächig auf seiner Haut verrieben hatte isolierte ihn etwas von der Kälte. Mit kräftigen Zügen arbeitete sich Stück für Stück vorwärts. Darauf bedacht immer wieder mit der linken Hand die Wand entlang zu streifen, kämpfte er sich voran. Er schluckte, um seinen Körper kurz von der fehlenden Luft abzulenken. Seine Lungen brannten und die Kälte ließ ihn immer müder werden, seine Bewegungen waren schon nicht mehr so kräftig und eine Stimme schrie in seinem Kopf aus Angst vor dieser Dunkelheit die jegliches Licht verschlang und alles vor seinen Augen verbarg, ohne die Wand neben sich wäre es wie in einer schwarzen endlosen Schwerelosigkeit.
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DIe Chroniken Relons
FantasyEine Fantasywelt voll Elfen, Zwerge, Menschen, Magiern und anderen Wesen, zerissen vom Krieg eines gierigen Königs, voll Verrat, Kampf und neu erblühender Freundschaft.
