Kapitel 93

5 2 0
                                        

„Danke Arviu." Maryandil der König der Elfen nickte dem Gefährten seines Sohnes zu. „Geh und stärke dich, noch vor Einbruch der Nacht wirst du Mitarendil meine Entscheidung überbringen." Der Karnivor legte die Faust auf die Lippen, verbeugte sich und legte sie in einer eleganten Bewegung flach über sein Herz. Der König erwiderte den Gruß und beobachtete ihn wie er das die dünne Zeltbahn durch die das Licht golden schimmerte zur Seite schob. „Du hast seinen Bericht gehört. Was hältst du davon?" sein Blick glitt zu Gwyndolon. Der Elfenfürst in seiner Rüstung aus weißen goldumrandeten Schuppen mit dem Nachtschwarzen Haar und den stechend dunkel violetten Augen hatte sich stumm im Schatten gehalten. Nun strich er den ohne hin schon perfekt sitzenden weißen Umhang zur Seite der von einer einhornköpfigen Schnalle aus schwarzem Onyx gehalten wurde. Er räusperte sich. „Bedenklich." „Du sagst es" schnaubte der König. Mit Schrecken hatte er von einem möglichen Bürgerkrieg unter den Zwergen gehört und zu allem Entsetzen kam dazu auch noch ein Elfenfürst und Morana in Ketten. „Was schlägst du vor mein Freund?" er griff nach einem der Kristallglaskelche und füllte sie mit dem dunklen Wein. In Gedanken ließ er die rötliche Flüssigkeit kreisen. Der saure Geruch stieg ihm in die Nase, forderte seine Gedanken und doch riss er sich wieder in das hier und jetzt. Stumm abwartend reichte er seinem Berater das Glas, ihn zu einer Antwort zu drängen würde nur Fehleranfälligkeit bedeuten.

„Wir können es nicht akzeptieren" kam nach einiger Zeit endlich die Antwort Maryandil ließ den schweren Wein noch einmal um seine Zunge kreisen, dann nickte er. „Also ziehen wir uns zurück." Gwyndolon zögerte. „Ist dies die richtige Entscheidung?" sprach der König weiter. „Wir haben diese Stellung hart umkämpft. Viel Elfenblut wurde von dieser Erde verschlungen." Bedächtig nickte sein Berater. „Dennoch müssen die Zwerge lernen, dass sie uns brauchen, dass sie auf uns angewiesen sind und das wird in diese Dickschädel nur durch Blut gehen." „Blut, das die Zwerge uns übel nehmen könnten." hielt der König dagegen. „Blut, das sie bereit waren zu zahlen als sie Elfen in Ketten gelegt haben!" widersprach Gwyndolon. „Sie müssen es jetzt lernen! Fließt Elfenblut durch Zwergenhand werdet ihr keinen Elf mehr halten können!" Er deutete in Richtung Zeltöffnung. „Ob gerechtfertigt oder ungerechtfertigt, ihr werdet sie nicht aufhalten Können, so gut wie jeder hat den letzten Zwergen miterlebt. Ein von Zwergen getöteter Elf wird sie die Menschen vergessen lassen, getrieben vom Wunsch das Schwert in den Leibern der Kurzen zu rammen." Bilder von Flammen in dunklen Höhen Schreie und Tod überschatteten Maryandils Gesicht, nein zu einem weiteren Zwergenkrieg durfte es so schnell nicht mehr kommen. „Dann ist die Entscheidung gefallen, wir werden uns zurückziehen." Gwyndolon nickte und schlug mit einer Hand die Zeltplane zur Seite. Goldenes Licht flutete das Zelt. „Es ist verrückt, wie schön die Natur an einem solchen Tag sein kann." bemerkte sein Freund. „Sie erfühlt mich jeden Tag aufs neue." Er trat hinaus ins Freie, spürte wie der Wind an seinem Umhang spielte, während die Sonne warm auf seine Haut fiel.

Vor ihnen erstreckte sich das Lager der Elfen, sauber aneinander gereihte Zelte umringt von einer dichten dornenbesetzten Hecke, die selbst die schwerste Kavallerie aufzuhalten vermochte. Leise umspielte der Wind sein Haar und trug eine feine Melodie sanfter Flöten an sein Ohr „Es sind mehr gekommen als ich zu hoffen gewagt hätte." sagte er mehr zu sich selbst. „Sie sind deinem Ruf gefolgt, mein König." lächelte Gwyndolon, sie alle kamen, als du sie zu den Waffen gerufen hast." Der König lachte. „Die Elfen aus den Städten vielleicht, aber darunter auch schon einige nicht mehr. Die Freien sind aus ihren eigenen Gründen hier." „Sie sind eigensinnig, ja, deshalb leben sie nicht in den Städten und hängen ihren eigenen Träumen nach, aber sie sind hier um für dich zu kämpfen." „Sie kämpfen für sich selbst, ihre Beweggründe kenne ich nicht, aber ich beschwere mich auch nicht. Und ja, sie versuchen sich zwar meiner Herrschaft zu entziehen, aber im Feld gehorchen sie, mehr ist nicht wichtig." versuchte er die Diskussion beizulegen, doch Gwyndolon wollte es dabei nicht belassen „Sie mögen dich zwar nicht immer gerne über sich stehen haben aber sie sind treu, ihr wurdet jedes Mal als unser König bestätigt." „Ja" nickte der König bedächtig, alle tausend Jahre trafen sich die Elfen, bestätigten ihm die Treue und baten ihn die Krone des Reiches weitere tausend Jahre zu tragen. „Aber dennoch kann ich es verstehen wenn sie sich einen neuen Herrscher wünschen." versonnen blickte er ihn die Ferne wo die Lagerfeuer der Menschen in der Ferne brannten, es waren erschreckend viele und mit Sorge musste er feststellen, dass es noch mehr als am Vortag waren. „Ich herrsche nun schon über 70 Menschenleben, ich bin gerne bereit die Krone weiter zu geben. Aber es hat sie bisher noch niemand gefordert." Gwyndolon schnaubte leise „Wer könnte es auch, ja, die Freien mögen dir widersprechen, doch selbst sie kamen und es sind viele die dir immer noch treu ergeben sind. Wer könnte dasselbe von sich behaupten." Ein Gedanken, der den König immer wieder plagte „Es gibt einige Adlige die dazu in der Lage wären Yulvynia oder vielleicht Tarian" Gwyndolon lachte hell „Du siehst in welche Lage Tarian uns gebracht hat, er ist zu hitzköpfig, vielleicht in ein paar Jahrhunderten." leise räusperte er sich „Und was Yulvynia angeht, wäre sie wahrscheinlich mehr als geeignet aber sie hasst die Drachen und sie würde selbst den Kampf gegen die Menschen hinten anstellen um diese zu jagen." „Oder du." überging Maryandil die Worte seines Freundes. Gwyndolons Lachen verstummte „Schwer gebeugt ist das Haupt, das eine Krone in dieser Zeit tragen muss. Nein, ich werde dir den Thron sicher nicht streitig machen." „Das würdest du nicht" er blickte in die Ferne. Vögel tanzten unter den Wolken, nur um dann in des weiße Meer einzutauchen. „Ich würde ihn dir mit Freude überlassen." „Vielleicht eines Tages" flüsterte Gwyndolon jetzt nun selbst in Gedanken. „Lass uns wieder nach innen gehen, wir haben einen Rückzug zu planen."


DIe Chroniken RelonsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt