Denor war groß, viel größer als Drakon es von Drachenfels gewöhnt war. Die Stadt war von einer hohen Steinmauer umgeben, die in symmetrischen Abständen von runden Türmen unterbrochen und gespickt von unzähligen Schießscharten war. Wachen patrouillierten auf der Mauer hinter schlanken Zinnen und ließen den Blick in die Ferne schweifen. Sie betrachteten die ankommenden Menschen halbherzig und folgten eher dem Flug vor sich hin trällernder Vögel. Denor war weit genug von jeglicher Gefahr entfernt, als dass sich die Wachen hier ernsthaft sorgen machen müssten, sie nahmen ihren Dienst nicht wirklich ernst und drückten auch gerne Mal bei geschmuggelten Waren gegen einen kleinen Betrag ein Auge zu.
Als sie durch das große Haupttor ritten mussten sie sich hinter einem Bauern einreihen, der gerade eine Weizenladung auf einem Ochsenkarren in die Stadt karrte. Hinter der Mauer konnte Drakon die Stadt erst richtig erblicken. Außerhalb waren überwiegend Bauernhöfe, doch hier standen unzählige Fachwerkhäuser dicht aneinander gedrängt, und zahlreiche Menschen versperrten die gepflasterten Straßen, es stank nach Fäkalien und Abfällen, Drachenfels hatte eine Kanalisation, doch hier war man wohl noch nicht so weit, was das anging. Er hustete kurz was Vespasian wieder einmal ein spöttisches Lächeln entlockte, amüsiert über seinen jungen Schüler. Er hatte sich nach vielen Jahren im Feldlager und auf dem Schlachtfeld an derartige Gerüche gewöhnt und bemerkte sie fast nicht mehr.
Nach einiger Zeit wichen dann die Holzhäuser großen Steinbauwerken und mit ihnen verschwand auch der Gestank, dies war wohl der Teil für die wohlhabenderen Bürger, Kaufleute, talentierte Handwerker und andere höher Angesehenere, für die das Geld da war eine Kanalisation zu bauen.
„Komm, hier ist die Taverne, dort treffen wir deinen Ausbilder." Es stank entsetzlich nach Bier und Erbrochenem, Drakon verzog das Gesicht, als ihm der Geruch in die Nase stach, nur mit Mühe konnte er einem Würgen widerstehen, ihn überraschte es im höheren Viertel eine solche Spelunke zu erblicken.
„Trent! He Trent!" Ein großer alter Mann drehte sich um. Eine breite Narbe zog sich vom rechten Auge über die Lippen bis zum Kinn. „Vespasian!" die Stimme war ein tiefes Dröhnen. „Ich dachte du bist auf Reisen im Dienste des Königs." Der grauhaarige Riese zog Vespasian in eine freundschaftliche Umarmung. „Was führt dich hier her?" fragte er als er wieder von Vespasian abließ. „Ich bringe dir noch einen Schüler." „Knochenbrecher!" Trent drehte sich um ein junger braunhaariger Mann sah auf. „Bring den Jungen ins Lager." „Ja Meister Trent." Der Junge salutierte kurz. Er verließ die Taverne. „Los folge ihm, deine Ausbildung hat begonnen, mach deinem Vater keine Schande Junge." mit diese Worten schob Vespasian Drakon in Richtung Tür und drehte ihm den Rücken zu, nach ihren Erlebnissen hätte Drakon einen netteren Abschied erwarten. So folgte Drakon still vor sich hin brütend dem Jungen, aber froh darüber dem Gestank in der stickigen Taverne entkommen zu können. Vespasian hatte sich als anderer Mann erwiesen, ein Kämpfer der sich um seine Männer kümmerte und für sie sorgte, ein Lehrer und Gefährte, doch nun hatte er sein altes Gesicht gezeigt.
„Ein Neuer? Wo hast du den denn aufgelesen?" Trent winkte dem Barmann zu. „Zwei Krüge Bier!" Vespasian winkte ab. „Ich bin drei Wochen mit ihm gereist." Vespasian trank einen Schluck „Wenn du mich fragst hat er mehr Talent als sein Bruder. Ich hab es zwar nicht gezeigt, aber es wurde mit jedem Trainingskampf schwieriger den Kampf unverletzt zu überstehen. Er lernt schnell, stellt sich auf neue Situationen ein und reagiert immer wieder neu und unvorhersehbar." Der alte Mann fuhr sich mit der Hand über seinen stoppeligen Bart und kniff die Augen zusammen. „Wer ist sein Bruder?" Vespasian lächelte leicht „William Taurus." Trent zog überrascht die Augenbrauen zusammen und nippte an seinem dunklen Bier „Der Junge ist ein Taurus?" Vespasian nickte und die Augen Trents weiteten sich voller Erwartung. „Ich kannte seinen Vater, er war ein großartiger Mann und ein ausgezeichneter Feldherr und Stratege Ich habe in zahlreichen Schlachten unter seiner Führung gekämpft. Er ..." Vespasian unterbrach ihn mit einem Abwinken. „Er war ein alter Schwätzer, ein verweichlichter ausgedienter Veteran. John war ..." Ein grollen unterbrach ihn „Er war ein Held!" Trents Wangen glühten und seine Augen schienen hervor zu springen. „John Taurus kämpfte aus Überzeugung und wäre lieber gestorben als seine Männer im Stich zu lassen. Ich kenne nur wenige Anführer die das von sich behaupten können." „Ist ja gut!" Vespasian hob versöhnlich die Hände. „Kommen wir zu etwas anderem. Wie kommt es das der Braunhaarige schon einen Namen hat? Dauert es nicht normalerweise mindestens ein paar Wochen?" Die Narbe des Großen kräuselte sich bei einem leichten Lächeln . "Knochenbrecher?" Vespasian nickte. „Er kommt aus Denor und hat sich diesen Namen in der Vergangenheit schon verdient, er hat seine bisherigen Gegner besiegt und ziemlich übel zugerichtet. Er weiß wie man kämpft, sein Vater ist ein Waffenschmied und hat jede Waffe mit ihm ausprobiert, er ist jetzt schon ein geborener Anführer." „Es bilden sich schon Gruppen?" „Nur ein paar Bekannte sammeln ihre Anhänger aus der Gegend. Die Meisten kennen sich noch nicht, es wird noch viel Zeit vergehen bis ich das Erste Spiel ansetzen kann, aber Lucius hat gute Chancen ein Anführer zu werden." Vespasian nickte, so klang es schon logischer. „Pass auf Drakon auf, sein Können wächst rasant, ich weiß du bist der Beste für diesen Job, wenn du ihn schleifst wird etwas aus ihm werden." Vespasian klopfte Trent auf die Schulter. „Ich lege mich schlafen ich muss bald wieder aufbrechen, bis dann alter Freund." Trent nickte und sah in den leeren Krug bevor er noch einen orderte.
Der schlanke Verteidigungsturm überragte die Stadt, es war einer der zahlreichen Türme, die die Mauern Denors wehrhafter gestalteten und den Verteidigern einen weiten Blick über die Mauer erlaubten. Unter einem roten Dach lag die Aussichtsplattform und darunter befand sich die Wehrstube, in der die Wächter normalerweise sich die Zeit mit würfeln vertrieben. Die dunkle Gestalt zog die Kapuze zurück, als sie diesen Raum betrat. Blondes Haar wallte um seine Ohren und fiel über die Schultern. „Caphalor!" Die schwarzhaarige Person vor ihm breitete die Arme aus, sie hatte geduldig im Raum der Wächter gewartet und den Wald durch die verdreckte Scheibe betrachtet. „Du hast lange nichts von dir hören lassen, wo ist er." Die beiden Freunde umarmten sich. „Er hockt trinkend in einer Bar. Dich hat der Bussard also nicht erreicht?" Sein Gegenüber kniff die Augen zusammen. „Nein, er hat die Reise wohl nicht überlebt. Daran sind die Adligen schuld, sie lassen abgerichtete Krähen Vögel jagen, in der Hoffnung einen schönen zum Ausstopfen zu finden, sie sind eine grausame verbrecherische Rasse." Er schüttete bedauernd den Kopf. „Also was gibt es Neues?" Caphalor setzte sich. Er rieb sich über die Augen, sie waren strahlend gelb und rund wie die einer Eule. „Der König weiß von der Unschuld der Zwerge, er greift sie nur aus Gier an. Was meinst du Mitarendil, sollen wir den Alpha warnen?" Mitarendil strich sich über das schmale Kinn. „Die Rebellen sind auch Menschen, zu arrogant und zu egoistisch, um sich den Kriegsplänen der Zwerge anzuschließen. Sie haben ihre eigenen Pläne, sie streben genauso nach der Herrschaft wie der Menschenkönig, nur nenne sie es Befreiung. Ich benachrichtige den Zwergenkönig und unseren König." er atmete tief ein, ihm war klar, es würde eine schwere Zeit werden. „Hat er es dabei?" „Nein!" Caphalor feixte „Aber ich glaube er will es abholen, er hat eine Besprechung mit dem Statthalter." Mitarendil nickte, es gab nichts wichtigeres im Moment „Du musst bei ihm bleiben, wenn er es wirklich hat, dann wird er es bald holen." genervt nickend streifte Caphalor seinen Umhang ab, er wusste wie wichtig sein Auftrag war. Unter dem Umhang kam eine dunkle Lederrüstung zum Vorschein, eine wahre Meisterleistung elfischer Handwerkskunst. Dünne eingearbeitete Metallplättchen würden zwar keine Knochenbrüche verhindern, aber vor Schnitten und blutige Verletzungen schützen. Somit gestattete die schwarze Rüstung dem muskulösen Körper schnelle lautlose Bewegungen und bot dennoch einen gewissen Schutz. Als Caphalor aus dem Fenster kletterte schmiegte sich die Rüstung an seinen geschmeidigen Körper. „Er hat bald die Besprechung." verabschiedete Caphalor und drehte sich um, während er auf dem Fenstersims saß. „Ohne den Umhang ist es leichter über die Dächer zu laufen." sagte er als er den Sitz der Rüstung prüfte. „Viel Erfolg." Mitarendil nickte ihm zu und Caphalor sprang. Völlig lautlos landete er auf dem Dach darunter. Mitarendil blickte seinem Freund nachm der mit dem Schatten verschmolz. Die Gerüchte stimmten also, die Zwerge hatten nichts mit dem Angriff auf die Menschendörfer zu tun. Jetzt stellte sich nur noch die Frage wer dann für diese Angriffe auf die Menschen verantwortlich war. Zuerst spielte er mit dem Gedanken sich selbst auf die Suche zu machen, doch er musste weiter zu seinem nächsten Treffen bevor er sich der Mantikorjagd anschließen würde, wie sein Vater es eigentlich befohlen hatte.
„Halt! Warte!" Drakon lief schneller um den braunhaarigen Jungen einzuholen. „Was willst du hier? Du siehst nicht aus wie ein Soldat!" schnaubte der Braunhaarige. „Drakon." er überging die harschen Worte und hielt dem fremden Jungen die Hand hin. Verächtlich blickte sein gegenüber auf die dargebotene Hand und lief weiter. Sie verließen die Stadt durch ein anderes Tor, als bei ihrer Ankunft. Dieses war wohl nicht für die allgemeinen Bürger gedacht, denn hier tummelten sich nicht die Karawanen der Händler und Bauern, einzig eine Schar Reiter donnerten unter dem Fallgatter hindurch.
Etwas abseits von der schützenden Burgmauer neben einem kleinen Wäldchen waren zahlreiche Häuser, aufgestellt, etwa fünfzig gleich große immer zehn hintereinander. Davor befand sich ein großer Platz und etwas daneben standen zahlreiche Tische unter großen Sonnensegeln. Etwas abseits davon befanden sich noch einige andere etwas größere Häuser und ein gewaltiges Haus, das einzige aus Stein mit einem eisenbeschlagenen Tor und vergitterten Fenstern „Hier ist noch ein freier Platz." Sie blieben vor einem Haus stehen. „Morgen, sobald die Sonne aufgeht ist Appell, die anderen werden dir den Rest erklären." Ohne sich zu verabschieden drehte sich der Junge um und stapfte davon. Drakon schüttelte verwundert den Kopf manche Menschen muss man nicht verstehen, dann klopfte er an die Tür.
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DIe Chroniken Relons
FantasiEine Fantasywelt voll Elfen, Zwerge, Menschen, Magiern und anderen Wesen, zerissen vom Krieg eines gierigen Königs, voll Verrat, Kampf und neu erblühender Freundschaft.
