Mit einem Krachen zerbarst das Geschoss an der Mauer, Steinsplitter stoben durch die Luft. Laut schallte das Klingen großer Glocken durch die Luft und riefen zu den Waffen. Zwerge rannten durch den Hof, griffen nach Waffen, brüllten nach Munition oder riefen nach Wasser. Und wieder war das rauschen der gewaltigen Triböcke zu hören, sie schleuderten mithilfe tonnenschwerer Gegengewichte brennende Pechkrüge über die Mauern. Einer explodierte im Innenhof und ließ eine große Stichflamme emporsteigen, fauchend griffen die Flammen ums sich, leckten über den Stein und schmorten zwei Zwergen, die dort gestanden hatten das Fleisch von den Knochen. Andere rannten panisch umher, versuchten Flammen auf ihrer Kleidung zu löschen oder warfen sich auf den Boden und erstickten das brennende Pech auf ihrer Rüstung unter sich. Der beißende Gestank verschmorten Fleisches hing in schwarzen Rauchschwaden auf, doch Relor Eisenfaust riss sich zusammen und verdrängte das schmerzerfüllte Geschrei seiner Gefährten, er musste einen kühlen Kopf bewahren nur so konnte er sie anführen. Mit schnellen Gesten teilte er von der Brüstung aus Löschtruppen und Wachtruppen ein, er gebot nun lange genug über diese Zwerge, dass sie problemlos verstanden und sofort gehorchten.
Große aus Holz gezimmerte Belagerungstürme näherten sich von Ochsen gezogen wackelnd der Mauer, während die Zwerge mit ihren Katapulten und Pfeilwerfern versuchten sie in die Knie zu zwingen. Ungefähr auf Höhe der Mauern gab es eine Öffnung mit einer Enterbrücke, eine Art Zugbrücke mit Eisenhaken am Ende. Zischend erlosch ein brennender Speer als er in das Holz einschlug. Diese verfluchten Soldaten hatten ihre Konstruktion mit nassen Fellen beschlagen und schützten sie so vor Feuer.
Rufe er tönten von oben und Relor rannte die Treppe hoch, sein Kettenhemd hüpfte und die Waffen schaukelten, als er oben ankam und einen Blick zwischen den Zinnen hindurch warf.
Die Nacht war erfüllt vom Gestank des Feuers und erhellt von tausenden Fackeln, Befehle gellten über das Schlachtfeld hinweg nur unterbrochen von schmerzerfülltem Geschrei. Wie eine Welle schwappten die Menschen mit Sturmleitern zu den Mauern und stellten sie im Takt abgestimmter Rufe auf. Sie waren auf geräderten Gestellen platziert, so konnten die Verteidiger sie nicht umstoßen, scharrend hakten sich eiserne Haken an deren Enden an den Zinnen ein.
Gleichzeitig ertönte ein lautes Poltern direkt vor der Mauer. Eine weitere Gruppe Menschen schoben einen gewaltigen Rammbock aus einem dicken Stamm Richtung Tor. Sie hatten sich sogar die Mühe gemacht dessen Spitze mit einem bronzenen Widderkopf zu verkleiden. „Schließt die Sicherungsriegel !" knurrte Relor über die Schulter. Ein Zwerg neben Relor nickte und hob eine Laterne, die man mit einer Klappe öffnen und schließen konnte. Mit einer Reihe von Lichtzeichen gab er den Befehl weiter. Der Zwergenoffizier am Tor ließ weitere Riegel schließen. Sie waren nichts anderes als gewaltige gehobelte Baustämme, die mit Hilfe von Seilwinden in stählerne Halteregungen gesenkt wurden. „Die Armbrust- und Bogenschützen sollen auf die Leitern zielen, den Türmen stellen wir uns im Nahkampf, lasst sie herankommen!" Weitere Leuchtsignale, noch mehr Befehle, jeder Zwerg gehorchte ohne zu zögern. Relor genoss ein beachtliches Ansehen unter den Clans, dass sogar über über die Rivalitäten der Zwergenclans untereinander hinausragte, sie alle kämpften unter ihm als Einheit und jeder fühlte sich als ein Teil davon. Der Rammbock hatte sein Ziel erreicht, die Soldaten zogen ihn unter lauten Rufen mit Seilen zurück. Undeutlich schallte ein Befehl von unten und das donnernde Dröhnen des Widderkopfes auf dem Tor folgte. Es wurde von zerschellenden Felsblöcken begleitet, die Stücke aus der Mauer brachen. Relors Blick schweifte über die Mauer, nahm jeden Riss und jede Spalte war, sie malten ihm ein Bild, er konnte sich ihre Struktur bildlich vorstellen, wie sie verzahnt waren und sich gegenseitig abstützten. Sie würde noch lange halten, entschied er, mit den Augen eines Steinmetzes. Regnober bestand nicht einfach aus ein paar aufgeschichteten Steine, wie bei den unfähigen Menschen oft der Fall. Mächtige Quader waren mit Einschnitten ineinander verzahnt, außerdem hielt ihr bloßes Gewicht und ihre Anordnung sie an Ort und Stelle. Obwohl es mit dieser Bauweise nicht nötig gewesen wäre, hatten die Zwerge sie mit Zement verbunden und den Mauern eine von Menschenhand unübertroffene Härte geschenkt.
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DIe Chroniken Relons
FantasyEine Fantasywelt voll Elfen, Zwerge, Menschen, Magiern und anderen Wesen, zerissen vom Krieg eines gierigen Königs, voll Verrat, Kampf und neu erblühender Freundschaft.
