Emilia
Meine Finger umfassen das Lenkrad, der Motor brummt und leise spielt Musik aus dem Radio. Die Lichter der Stadt spiegeln sich in der glänzenden Motorhaube, während der schwarze SUV über die Straßen rollt. Wie lange bin ich nicht mehr selber Auto gefahren?
Es ist gefühlt ewig her, dabei mag ich es sehr. Der Straßenlärm dringt gedämpft durch das leicht geöffnete Fenster. Meine Gedanken wirbeln chaotisch in meinem Kopf herum - jeder Versuch, sie endlich zu ordnen, scheitert. Ich spüre, wie mich meine Gedanken immer wieder versuchen in diese Dunkelheit zu ziehen. Dennoch bleibt die innere Unruhe, die mich, in den letzten zwei Wochen verfolgt hat.
Die Gedanken an Caleb waren in den letzten Tagen wirklich immer präsent und haben mich kaum losgelassen. Zwei Wochen sind vergangen, seit ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Zwei Wochen, in denn ich versucht habe, mich abzulenken – mit Arbeit, mit Zahlen, mit allem, was in der Welt des Parisi Imperiums meine Aufmerksamkeit fordert.
Aber es war nie genug. Nie genug, um die Leere zu füllen, die er hinterlassen hat. Denn egal, wie sehr ich mich bemühe, ich kann die Erinnerungen an ihn nicht ablegen – an die Momente, in denen alles so einfach schien, als könnte sich nichts zwischen uns drängen.
„Warum muss ich heute wieder zum Anwesen?", frage ich mich, während ich meine Lippen zusammenpresse.
Es ist eine einfache Aufgabe – Akten abholen, eine Aufgabe, die ich sonst nicht einmal der Rede wert fände. Doch allein der Gedanke, vielleicht Caleb über den Weg zu laufen, sorgt für eine besondere Last auf meinen Schultern.
„Carl hat frei, also fahre ich hin.", murmle ich, doch das mulmige Gefühl in meinem Magen lässt mich nicht los.
Das Anwesen kommt in sich und türmt sich majestätisch vor mir auf. In mir breitet sich dieses ungute Gefühl aus und übt einen Druck in meiner Brust aus, der mir fast die Luft zum atmen nimmt. Die gut bewachte einfahrt, die hohen Mauern und das Gefühl, immer nur ein kleines Rädchen in einem riesigem Getriebe zu sein.
Lorenzo hatte mir gesagt, dass er mit Giulia für ein paar Tage weggefahren ist und er somit nicht da sein wird. Somit bleibt nur noch die Möglichkeit Caleb über den Weg zu laufen. Was diesen Besuch hier, nur noch schlimmer macht.
Der Wagen rollt langsam durch die breite, mit Kopfsteinpflaster belegte Einfahrt, die von hochgewachsenen Bäumen gesäumt ist. Meine Gedanken sind ein einziges Durcheinander und die angst Caleb über den Weg zu laufen, breitet sich wie ein Flächenbrand in mir aus. Ich bin nicht bereit dazu, ihm entgegen zu treten.
Die bittere Erkenntnis, dass Caleb sich von ihr abgewandt hat, schleicht sich abermals in meinen Kopf und lässt mich den Schmerz erneut fühlen. Ich halte den Wagen an, als ich das Hauptgebäude erreiche und mein Blick wandert über das weitläufige Anwesen.
Der Himmel ist in ein wunderschönes Farbenspiel des Sonnenunterganges gehüllt. Ich atme einen Moment durch, greife nach meinem Handy aus der Mittelkonsole, ziehe den Schlüssel ab und sehe auf. Mit gefriert das Blut in den Adern und Panik breitet sich in mir aus. Caleb.
Er steht vor dem Gebäude, mitten in einer hitzigen Diskussion mit Miguel.Meine Augen huschen über seinen Körper. Er wirkt erschöpft, die Linien seines Gesichts sind härter, seine Haltung wirkt versteinert. Sein unrasierter Bart und die schlecht sitzende Kleidung verleihen ihm eine unangenehme Härte. In seinen Augen liegt dieser Ausdruck – Schmerz, Wut und etwas, das ich nicht benennen kann. Dieses Gefühl in meiner Brust, das ich einfach nicht abschütteln kann.
„Scheiße..." murmle ich leise.
Auch wenn die Sonne dabei ist, abzutauchen, suche ich eilig nach meiner Sonnenbrille. Fündig werde ich, in der Handtasche auf dem Beifahrersitz. Ich ziehe sie mir auf, damit ich mich verstecken kann. Zumindest versuche ich es mir einzureden. Caleb soll nicht sehen, wie es mir geht und ich will ihn nicht sehen. Es ist unsinnig, aber ich rede mir ein, dass es klappt.
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Parisi - Back To Him
RomanceAls Emilia Katalina siebzehn war, wurde ihr Leben auf eine brutale Weise verändert. Ihr Vater versprach sie an den Mafiosi Sohn Luan Jasiel Cortez. Vier Jahre lang musste sie an seiner Seite leben. Ein Leben zwischen physischer und psychischer Gewal...
