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Caleb Rückblick

Es war einer dieser Abende, an denen die Bar in ihrer gewohnten, chaotischen Routine vibrierte. Toni, Mario und ich saßen in unserer gewohnten Ecke, an einem der ältesten, abgenutztesten Tische des Raumes, als wäre dieser Ort unser zweites Zuhause. Der Geruch von verbranntem Tabak und altem Whiskey lag in der Luft, vermischt mit dem monotonen Gelächter und den schroffen Gesprächen, die die Atmosphäre dominierten. Die ganze Zeit hatte ich nur eines im Kopf – Emilia.

Es war jetzt schon einige Tage her, seit dieser Kuss, der wie ein unsichtbares Band zwischen uns gewoben hatte. Ein Kuss, der uns beide in eine andere Dimension gezogen hatte, die wir vielleicht nicht einmal wollten, aber die jetzt nicht mehr zu ignorieren war. Dieser Kuss hatte mir gezeigt, dass ich sie anders fühlte als alles, was ich vorher gekannt hatte. Doch da war auch diese Unsicherheit, die mich nicht losließ, diese Frage, was er eigentlich für uns beide bedeutete.

„Komm schon, Caleb, du kannst mir doch nicht erzählen, dass du wirklich glaubst, sie passt in diese Welt", hörte ich Mario sagen, der sich mit einem nachdenklichen Blick über die Tischkante beugte. „Emilia ist nicht wie uns, sie hat nichts mit diesem ganzen Dreck hier zu tun. Du weißt, dass es gefährlich ist, dich auf sie einzulassen."

Ich warf ihm nur einen flüchtigen Blick zu. „Ich weiß, was du sagen willst", murmelte ich und nippte an meinem Glas. „Aber es ist nicht so einfach."

Mario schüttelte den Kopf, die Stirn in Falten gelegt. „Die Welt, in der du lebst, Caleb, wird sie zerstören. Du siehst es nur nicht, weil du gerade den Kopf in den Wolken hast."

Ich ließ mich zurück in die lederne Polsterung des Stuhls sinken und starrte auf das Glas vor mir. Die Worte meines Freundes prallten an mir ab. Es war nicht das erste Mal, dass wir über das Thema sprachen, und es würde auch nicht das letzte Mal sein. Mario und Toni waren in ihrer Welt gefangen, in einer Welt, die von Regeln und Macht bestimmt wurde. Doch für mich war Emilia mehr als nur eine Ablenkung. Sie war etwas anderes, etwas, das ich nicht benennen konnte. Etwas, das mich von innen heraus veränderte, ohne dass ich es verhindern konnte.

Mein Blick glitt durch den Raum. Luan Cortez saß am anderen Ende der Bar, umgeben von einer Gruppe gut gekleideter Männer, und flüsterte mit einer kleinen schwarzhaarigen, die wahrscheinlich nicht älter als sechzehn war. Ich konnte mir das Lachen der Jungs hinter den eleganten Fassaden ihrer Anzüge vorstellen. Sie waren noch keine Männer, nicht wirklich, doch sie trugen sich auf wie die Söhne von Königen, die das Geschäft ihrer Väter übernehmen würden, bevor sie überhaupt alt genug waren, um zu verstehen, wie diese Welt sie verschlingen würde.

Plötzlich erregte eine andere Erscheinung meine Aufmerksamkeit. Stella trat ein. Ihr Outfit war wie immer zu aufdringlich, zu billig, aber das war wohl ihre Art, sich zu präsentieren. Sie hatte diese Art von Blick, der die ganze Bar abcheckte, als wäre sie auf der Jagd nach etwas, das sie sich noch nicht erobert hatte. Ihr Blick streifte mich, und als unsere Augen sich trafen, grinste sie. Ohne zu zögern, machte sie sich auf den Weg zu mir. Ihre Präsenz war erdrückend, und ich konnte die Blicke der Jungs spüren, die förmlich sabberten.

„Caleb", sagte sie mit einer Stimme, die eher wie ein flüsterndes Versprechen klang.

Ich rollte mit den Augen, als sie sich neben mich setzte und ihren Körper an mich schmiegte. Ein seichtes Lächeln verzog meine Lippen, aber meine Augen blieben kalt und desinteressiert. Ihre Nähe störte mich nicht wirklich – ich war daran gewöhnt, doch in diesem Moment war ich einfach nur genervt. Es gab nur eine Person in meinem Kopf, und sie war nicht Stella.

Mario und Toni unterhielten sich, wobei ihre Gespräche von den Mädchen in der Bar und den möglichen One-Night-Stands handelten, die sie später in ihren Betten landen lassen wollten. Ich hörte nicht richtig hin, meine Gedanken schweiften immer wieder zu Emilia. Der Kuss, ihre Berührung, der ungesagte Zwischenraum zwischen uns. War es der Beginn von etwas? Oder war es ein einmaliger Moment, der nie wiederkehrt?

Parisi - Back To HimWo Geschichten leben. Entdecke jetzt