Lorenzo Parisi
Ich stehe mit Giulia an meiner Seite im Standesamt, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, während meine Augen auf Caleb und Emilia ruhen.
Der Raum ist schlicht, sachlich eingerichtet. Kein Prunk, keine Verzierungen, nur ein großer Holztisch, dahinter der Standesbeamte, vor ihm die Dokumente, die diesen Moment besiegeln werden.
Es ist nicht der Rahmen, den ich mir für die Hochzeit meines Sohnes gewünscht habe. Keine Kirche, kein Altar, kein Priester, der sie vor Gott vereint. Kein großes Festessen nach der Zeremonie, kein Moment, in dem Caleb seine Braut über die Schwelle trägt, während draußen das Feuerwerk den Himmel erhellt.
Stattdessen nur ein paar Unterschriften.
Als Caleb und Emilia uns gestern sagten, dass sie noch vor der kirchlichen Trauung standesamtlich heiraten wollen, war ich nicht begeistert.
Giulia und ich hatten uns angesehen, beide mit demselben Ausdruck von Überraschung und leichter Enttäuschung im Gesicht. In unserer Familie folgt die Ehe einer Tradition: Erst vor Gott, dann auf dem Papier.
Doch ich verstehe es.
Wenn wir ehrlich sind, vermuten wir hinter Pippas plötzlichem Interesse alle ein mögliches Veto. Emilia hat genug durchgemacht. Ich will nicht, dass irgendetwas zwischen ihr und diesem Glück steht.
Und so stehe ich hier, meine anfängliche Ablehnung ist verschwunden. Ich bin nicht nur ein stiller Beobachter – ich bin ein Zeuge dieses Moments und das ist eine Ehre.
Der Standesbeamte beginnt zu sprechen, erklärt Emilia und Caleb mit ruhiger Stimme die rechtliche Bedeutung der Ehe. Caleb hört aufmerksam zu, hin und wieder wandern seine Augen zu Emilia, die mit gefalteten Händen neben ihm steht.
Sie trägt ein cremefarbenes Kostüm, schlicht, elegant. Ihre Haare sind locker zusammengesteckt, ein paar Strähnen rahmen ihr Gesicht ein. Caleb dagegen hat sich für einen dunklen Anzug entschieden, ohne Krawatte, die oberen Knöpfe seines Hemdes offen.
Sie erinnern mehr an zwei Geschäftsleute, die einen Vertrag abschließen, als an ein Brautpaar.
Ich weiß, dass es Emilia nicht um den Rahmen geht. Sie hat nie von einer großen Hochzeit geträumt, nicht so wie Giulia es einst tat. Aber trotzdem – dass dieser Moment von Angst getrieben ist, dass sie nicht voller ungetrübter Freude hier steht, sondern mit diesem Funken Vorsicht in den Augen – das tut mir weh.
Der Beamte schiebt die Dokumente näher zu ihnen.
„Herr Parisi, Frau Cortez – wenn Sie bitte unterschreiben würden."
Emilia zögert einen Sekundenbruchteil, dann greift sie nach dem Stift. Ich sehe, wie ihre Finger leicht zittern, wie sie einen kurzen Atemzug nimmt, bevor sie sich vornüberbeugt und ihren Namen auf das Papier setzt.
Caleb folgt ihr, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Dann sind Giulia und ich an der Reihe. Meine Unterschrift fühlt sich seltsam schwer an. Ich setze sie mit Bedacht, als würde sie mehr bedeuten als nur ein rechtlicher Akt. Als der Beamte schließlich aufblickt, verkündet er mit formellem Ton:
„Ich erkläre Sie hiermit vor dem Gesetz zu Eheleuten."
Keine Musik. Kein Applaus. Nur Stille. Er reicht Emilia die Eheurkunde. Sie nimmt sie mit beiden Händen entgegen, betrachtet das Dokument, als könnte sie es nicht ganz glauben.
Dann sehe ich, wie ihre Unterlippe bebt. Ihre Finger gleiten sanft über das Papier, als würde sie jedes einzelne Wort fühlen wollen. Und dann, leise, fast unhörbar, sagt sie:
„Ich bin endlich eine Parisi."
Ihre Stimme bricht am Ende. Tränen rollen über ihre Wangen, lautlos und für einen Moment wirkt sie völlig entrückt. Mein Herz zieht sich zusammen.
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Parisi - Back To Him
RomanceAls Emilia Katalina siebzehn war, wurde ihr Leben auf eine brutale Weise verändert. Ihr Vater versprach sie an den Mafiosi Sohn Luan Jasiel Cortez. Vier Jahre lang musste sie an seiner Seite leben. Ein Leben zwischen physischer und psychischer Gewal...
