Emilia Rückblick
Die warme Sommersonne taucht die Wiese in goldenes Licht, während eine sanfte Brise durch das hohe Gras streicht. Die Luft duftet nach Sommer, nach Freiheit, nach einer Sehnsucht, die tief in mir schlummert. Ich lehne mit dem Rücken an dem alten Baum, das raue Holz drückt sanft gegen meine Haut, während meine Finger über die Seiten meines Buches gleiten. Doch die Worte verschwimmen vor meinen Augen, verlieren ihre Bedeutung, weil meine Gedanken woanders sind – bei ihm.
Die Geschichte, die ich lese, handelt von zwei Teenagern, die sich durch einen Zufall ineinander verlieben. Es ist die Art von Roman, die mich immer in eine andere Welt zieht, mich träumen lässt. Und manchmal... lasse ich mich viel zu sehr in diese Tagträume hineinfallen. Meine Gedanken treiben davon, wie von der warmen Sommerbrise getragen.
Ich werde bald achtzehn und hatte noch nie einen Freund. Noch nie einen Jungen, der mich mit diesem besonderen Blick angesehen oder mich so berührt hat, dass mein Herz schneller schlägt. Und manchmal – viel zu oft, wenn ich ehrlich bin – stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn Caleb Parisi mich so ansieht.
Ein kindischer Gedanke. Er ist der Inbegriff eines jeden Teenie Traumes. Ein Bad Boy wie er im Buche steht. Alle Mädchen wollen ihn und keines kann ihn haben. Seine harte Art, sein Motorrad, die typische Lederjacke, die Art mit Menschen zu sprechen. Alles an ihm schreit danach böse zu sein.
Wieso sollte er sich also ausgerechnet mich aussuchen? Die graue Maus, die immer zur Zielscheibe für Mobbing wird, die aus einfachem Haus kommt. Ich bin nicht besonders aufregend, nicht besonders mutig, und ganz sicher nicht die Art Mädchen, nach der er sich umdrehen würde.
Seufzend versuche ich den Gedanken aus meinem Kopf zu vertreiben und mich wieder meinem Buch zu widmen. Das ist einfach nur ein dummer Gedanke. Ich blättere auf die nächste Seite und lese weiter. Das Grollen eines Motors holt mich sofort wieder zurück aus meinem Kapitel.
Es ist ein dumpfes, vibrierendes Geräusch, das sich tief in meine Knochen gräbt, mir Gänsehaut über die Arme jagt. Neugierig hebe ich den Kopf. Mein Magen zieht sich zusammen. Ein schwarzes Motorrad schneidet durch die warme Sommerluft, das Sonnenlicht tanzt auf dem glänzenden Lack. Und dann erkenne ich ihn. Caleb.
Er bringt die Maschine zum stehen, stellt den Motor ab und zieht den Helm runter. Seine Haare wirken zerzaust und mit einer beiläufigen Bewegung streicht er es zurück. Es sieht so mühelos aus, so verdammt perfekt. Er könnte direkt aus einem dieser Romane stammen, die ich so gerne lese.
Als mir bewusst wird, wie ich ihn gerade anstarre, spüre ich die Hitze in meinen Wangen und mein Blick legt sich wieder auf das Buch vor mir. Ich tue so, als hätte ich ihn nicht bemerkt und wäre ganz vertieft in die Zeilen vor mir.
„Versteckst du dich schon wieder?"
Seine Stimme ist tief, ruhig, ein wenig amüsiert. Ich spüre sie mehr, als dass ich sie höre. Als ich aufsehe, steht er bereits vor mir, dieses schiefe Lächeln auf den Lippen, das mein Herz stolpern lässt.
„Ich verstecke mich nicht", murmele ich und spiele nervös an den Buchseiten herum.
„Also sitzt du nicht hier oben alleine, weil du Menschen nicht leiden kannst?", hebt sich skeptisch seine Augenbraue.
„Natürlich nicht. Ich... mag Menschen.", lasse ich das Buch zufallen und verschränke meine Arme.
Er lacht leise, ein dunkles, warmes Geräusch und setzt sich einfach neben mich, ohne zu fragen. So nah, dass ich seinen Duft wahrnehmen kann – eine Mischung aus Leder, Rauch und etwas, das ganz ihm gehört. Ganz selbstverständlich zieht er mich an sich. Mein Rücken berührt seine Brust, sein Arm liegt locker um mich und ich kann seinen Atmen an meiner Schläfe spüren. Es sorgt fast für Gänsehaut.
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Parisi - Back To Him
RomanceAls Emilia Katalina siebzehn war, wurde ihr Leben auf eine brutale Weise verändert. Ihr Vater versprach sie an den Mafiosi Sohn Luan Jasiel Cortez. Vier Jahre lang musste sie an seiner Seite leben. Ein Leben zwischen physischer und psychischer Gewal...
