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Der Moment, in dem Emilia „Ja" sagt, ändert alles.

Nicht, weil ich gezweifelt habe. Nicht, weil ich Angst hatte, sie könnte es sich in letzter Sekunde anders überlegen. Sondern weil es endgültig ist. Weil nichts und niemand das hier mehr rückgängig machen kann.

Sie gehört mir. So, wie ich ihr gehöre.

Ihre Stimme ist weich, doch in ihrem Blick liegt eine unerschütterliche Entschlossenheit, als sie mir den Ring ansteckt. Meine Finger umschließen die ihren, ein leiser Schauer durchläuft sie – oder vielleicht bin ich es, der zittert.

„Mit diesem Ring nehme ich dich zum Mann. Ich verspreche dir, dich zu lieben, mit dir zu kämpfen, mit dir zu lachen und mit dir alt zu werden. Was auch passiert – du bist mein Zuhause, Caleb."

Das letzte bisschen Luft verlässt meine Lungen. Sie sagt es, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. Und für einen Moment stehe ich da, unfähig zu reagieren, weil mich diese Worte mehr treffen, als sie sollten. Dann gibt der Priester mir endlich die Erlaubnis, sie zu küssen.

Ich warte keine Sekunde. Ich ziehe sie an mich, umfasse ihr Gesicht mit beiden Händen und verschließe ihren Mund mit meinem. Ihr Kuss schmeckt nach Rosen und Champagner, nach dem Versprechen einer Zukunft, die nur uns gehört. Sie keucht leise, ihre Hände in meinem Nacken ziehen mich noch näher. Die Welt um uns herum verschwimmt. Nur sie existiert. Nur dieser eine Moment.

Jubel und Applaus brechen aus, aber ich löse mich erst, als meine Lunge brennt. Emilia sieht mich mit glänzenden Augen an, ihre Lippen gerötet, ihr Atem schnell. Ich lege meine Stirn gegen ihre, während wir uns beide zu fassen versuchen.

„Du bist jetzt meine Frau.", murmle ich gegen ihre Haut.

„Ja.", ihr Lächeln ist weich, fast scheu.

Dieses kleine Wort bringt etwas in mir zum Beben.

-

Wir haben kaum einen Moment für uns. Jeder will uns gratulieren. Hände schütteln, Umarmungen, Lachen, Gespräche, die an mir vorbeiziehen, während meine Finger immer Emilia berühren müssen – sei es ihre Taille, ihr Rücken oder ihre Hand.

„Caleb, sie ist umwerfend. Ich kann kaum glauben, dass du das geschafft hast.", sagt Tolya irgendwann neben mir, einen Drink in der Hand.

„Als ob es jemals eine andere Möglichkeit gegeben hätte.", schnaube ich leise.

Er hebt die Brauen, als wollte er etwas erwidern, aber dann schüttelt er nur grinsend den Kopf. Dann kommt Lorenzo auf uns zu. Sein Blick ist durchdringend, doch ich kenne ihn gut genug, um die Wärme dahinter zu sehen.

„Alles in Ordnung?", fragt er ruhig.

„Natürlich.", kaum merklich zucke ich mit den Schultern.

„Du bist so still.", sieht er mich prüfend an.

„Er beobachtet, wie Mateo mit Emilia tanzt. Das gefällt ihm nicht.", gibt Tolya belustigt von sich.

„Ich vertraue Emilia.", gebe ich stur von mir.

„Aber nicht Mateo.", ergänzt Tolya trocken.

„Mateo weiß, was es bedeutet, sich mit dir anzulegen, Caleb. Er wird sich hüten, die Grenze zu überschreiten.", Lorenzo legt mir eine Hand auf die Schulter.

„Ich hoffe es.", sage ich ruhig.

Doch mein Blick bleibt auf Emilia, die in Mateos Armen tanzt. Ihre Miene ist entspannt, ihr Lächeln echt – aber ich sehe die feinen Anspannungen in ihrem Körper. Sie fühlt sich nicht vollkommen wohl. Und genau in diesem Moment trifft Emilias Blick meinen.

Parisi - Back To HimWo Geschichten leben. Entdecke jetzt