Seijas Sicht
Nach einer gefühlten Ewigkeit öffnete ich wieder die Tür und sah das Samu mit geschlossenen Augen auf dem Bett lag. Als er mich hörte, sah er mich kurz an, bevor er zu den Babybettchen und anschließend wieder den Arzt ansah. „Wann?“ „Heute wäre ideal. Je schneller, desto besser für die Nerven!“
Heute? Ich hatte gerade entbunden. Die Zwillinge waren sechs Stunden alt. Und mein Mann sollte unters Messer, mit einer dreißig Prozent Chance, nie wieder richtig laufen. „Kaunis“, flüsterte Samu. „ Ich hab Angst." Ich beugte mich vor, legte meine Stirn an seine. Die Tränen liefen jetzt bei uns beiden. „Dann haben wir zusammen Angst“, flüsterte ich ebenfalls. „Aber wir machen das. Wir, okay?“ Er nickte gegen meine Stirn. „Okay“, sagte er. „Wir!“
Dr. Laakso räusperte sich leise. „Ich lasse sie kurz allein. Die Einwilligung … Wir brauchen sie in einer Stunde.“ Als er draußen war, war es wieder still. Nur das Piepen. Und zwei schlafende Babys, die nichts von siebzig zu dreißig wussten.
Ich griff nach seinem Hndy auf dem Nachttisch. „Wir müssen Jonna anrufen, oder am besten sofort deiner Mutter Bescheid sagen. Und …“ Samu legte seine Hand auf meine. „Erst sagst du mir eins Seija!“ Ich sah auf. „Sagst du mir ehrlich, ob du stark genug bist?“ Er wiederholte meine Worte von vorhin. Ich küsste seine Handfläche. Sie schmeckte nach Salz und Krankenhaus. „Nein“, antwortete ich ehrlich. „Aber ich bin da, und ich gehe nirgendwo hin!“
Jonnes Sicht
Die Reisetasche lag offen auf meinem Bett. Socken, Shirts, den alten Hoodie von Paps, der noch nach ihm roch. Nach Aftershave und Studio und Benzin. Ich stopfte alles rein, ohne zu falten. Meine Hände zitterten immer noch. Neben mir vibrierte mein Handy. Ich zippte die Tasche zu. In dem Moment hörte ich den Ton von meinem Handy und sah auf mein Display. „Mama?“ Sagte ich sofort, als ich abnahm. „Mama, ist was mit den Babys?“ Mein Herz hämmerte wie wild. „Den Babys geht es gut“, unterbrach sie mich schnell. Zu schnell. „Jonne hör zu. Samu muss … sie müssen ihn operieren, noch heute.“ Ich ließ mich aufs Bett fallen. „Operieren? Aber er hat doch nur Prellungen, dachtest du …“ „Es ist der Rücken, Jonne!“ Sie holte Luft, ich hörte, wie sie gegen die Tränen kämpfte. „Es gibt eine Einblutung. Wenn sie nicht operieren, könnte er … er könnte vielleicht nicht mehr laufen!“ Ich spürte den Kloß in meinem Hals, aber ich konnte nicht aufstehen, auch wenn ich jetzt gerne zu Sanna und Oma nach unten gegangen wäre! „Nicht mehr laufen?“ Meine Stimme brach. „Wie … wie Eishockey? Wie Bühne?“ „Ich weiß es nicht, Schatz. Der Arzt sagt siebzig zu dreißig. Siebzig, dass es gut wird.“
Siebzig klang viel. Dreißig klang nach allem, was ich verlieren konnte. Schon wieder! „Jonne?“ Mamas Stimme am Ohr. „Bist du noch dran?“ Ja", krächzte ich. „Ja, bin ich …“ Ich sah Sanna in der Tür stehen und spürte kurz darauf ihre Arme um meinem Körper. „Wir müssen ins Krankenhaus, Paps, er …“ Ich spürte, wie sich meine Kehle zu schnürte. „Ich weiß, dein Paps hat bei mir angerufen, von deiner Mama ihrem Handy!“ In meinem Kopf drehte sich alles! Dreißig Prozent. Dreißig Prozent, dass mein Paps nie wieder mit mir ins Stadion geht. Sanna löste sich von mir, legte ihre Hände an mein Gesicht und zwang mich sie anzusehen. „Samu ist stark, er wird es schaffen, hast du gehört?“ Ich nickte nur und sah meine Tante weiterhin an. „Jonne atme, bitte atme!“ Ich hörte Mama weinen und stand mit wackeligen Beinen auf. „Sag Paps, dass wir kommen und das er warten soll. Er soll verdammt noch mal warten, bis ich da bin, okay?“ „Er wartet, Jonne. Das hat er gerade versprochen. Beeil dich!“ Meine Mutter legte auf.
Ich nahm die Tasche vom Bett und spürte wie meine Knie nachgaben. Sanna war sofort neben mir und zog mich auf die Beine. Ich klammerte mich an ihr fest und ließ meinen Tränen freien lauf, wir waren doch wieder so glücklich gewesen! „Er stirbt nicht“, sagte Sanna in mein Haar. „Er wird operiert. Das ist was anderes, hörst du? Das ist was Gutes!“ Ich klammerte mich an ihren Satz wie an einen Rettungsring. Was Gutes. Was Gutes! Ich nickte, löste mich von ihr und wischte mir meine Tränen aus dem Gesicht. „Fahren wir!“ Sie nickte, nahm die Tasche und lief mit mir zusammen nach unten. Meine Oma nahm mich kurz in den Arm, „Er wird es schaffen, du wirst sehen!“ Sie hatte ebenfalls geweint, dass konnte an ihrer Stimme hören. Ich nickte erneut, bevor wir zu dritt das Haus verließen.
DU LIEST GERADE
You are mine
Fan-FictionFortsetzung von Dieser eine Augenblick Neun Jahre war es her das Samu und Seija geheiratet hatten und die beiden noch drei weitere Kinder bekommen hatten. Während Riku sich bei keinem gemeldet hatte, hatte seine Ex Freundin und Seijas gute Freundin...
