Seijas Sicht
Jonne kam aus dem Aufwachraum und grinste. Ein echtes Grinsen, trotz der verheulten Augen. „Er hat nach mir gefragt", sagte er und ließ sich auf einen Stuhl fallen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, der so groß war, dass ich fast umgekippt wäre. Sanna fing mich ab und sah mich unsicher an. „Frau Haber?" Die Schwester stand in der Tür zum Warteraum. „Ihr Mann ist jetzt stabil. Wenn sich möchten, können Sie für ein paar Minuten zu ihm." Ich stand schnell auf, dass mir schwindelig wurde. Entbindung war vor nicht mal vierundzwanzig Stunden, aber das war mir egal.
Der Aufwachraum war anders, wenn man nicht Jonne war. Ruhiger. Ich roch das Desinfektionsmittel erst jetzt richtig. Und den anderen Geruch - Metall. Narkose. Angst. samu lag da. Die Augen waren zu, aber er sah nicht mehr so blass aus wie vorhin auf dem Gang. Etwas Farbe kam zurück. Mit zittrigen Beinen trat ich ans Bett. „Hey!" Flüsterte ich. Seine Lider zuckten. Er brauchte einen Moment. Dann sah er mich an. Diesmal klarer. Die Schmerzmittel hielten ihn noch im Nebel, aber er sah mich an. „Kaunis", murmelte er. Das Wort kam kaputt raus, rau von der Beatmung. „Ich bin hier", sagte ich und nahm vorsichtig seine Hand. Überall waren Kabel, aber seine Hand war warm. „Du hast es geschafft!" Er blinzelte langsam, etwas verwirrt. „Die Babys?" Ich musste lachen und weinen gleichzeitig. Von allem, was er fragen konnte - nach sich, nach Schmerzen, nach den dreißig Prozent fragte er nach ihnen. „Ihnen geht es gut!" Sagte ich. „Sie schlafen und sie sind sauer, dass ihr Papa sie noch nicht gehalten hat." Ein Hauch von einem Lächeln. „Wie ... sehen sie aus?" „Wie du. Stur. Und wie ich schön." Ich strich mit dem Daumen über seinen Handrücken. „Der Kleine hat deine Grübchen. Und die Kleine hat meine Wut-Falte, wenn sie Hunger hat." Samu schloss die Augen. Nicht, weil er müde war. Sondern, weil er es sich vorstellte. „Gut", flüsterte er. „Das ... ist gut!"
Für einen Moment war es still. Nur das Piepen des Monitors. Sein Daumen bewegte sich. Nur ein Milimeter. Er strich über meine Haut. Die erste echte Berührung seit dem Unfall und seit der OP. „Ich hatte Angst", sagte ich leise. Die Wahrheit, die ich im Warteraum nicht sagen konnte. „Nicht nur um dich. Um uns. Um mich. Ich dachte ..." „Shh." Er drückte schwach meine Hand. „Du musst nicht ... stark sein. Nur da. Weißt du noch?" Er warf mir meine eigenen Worte zurück. Die von vor der OP. Ich nickte, unfähig zu sprechen. Seine Augen wurden wieder schwer. Die Medikamente gewannen. „Seija?" „Ja?" „Sag Jonne ... danke. Für den Brief!" Ich erstarrte. „Woher ..." „Er hat es ... erzählt. Als er dachte, ich schlafe." Ein müdes, schiefes Grinsen. „Sag ihm, ich les ihn, später. Wenn ich ..." Er gähnte, kämpfte dagegen an. „Wenn ich die Augen aufhalten kann." „Schlaf." sagte ich und beugte mich vor. Ich küsste seine Stirn. Ganz vorsichtig, neben die Kabel. Er roch nach Krankenhaus und nach ihm. Nach Zuhause. „Wir sind alle da. Und wir gehen nirgendwo hin." Er war schon weg, bevor ich den Satz zu Ende hatte. Aber seine Hand hielt meine noch fest. Die Schwester räusperte sich hinter mir. Ich löste meine Finger aus seinen und legte seine Hand zurück auf die Decke. „Siehst du", flüsterte ich zu den Monitoren, zu ihm und zu mir. „Siebzig Prozent reichen!" Als ich rausging, wartete Jonne im Gang. Er sah mir ins Gesicht und wusste Bescheid. „Er fragt nach den Babys!" Sagte ich. Jonne nickte nur und zum ersten Mal seit dem Unfall weinte er nicht. Er lächelte. Ich zog ihn in meine Arme und drückte ihn fest an mich. „Ich soll dir sagen, dass dein Vater den Brief später lesen wird!" Sofort löste sich mein Sohn von mir und sah mich leicht erschrocken an. „Dein Vater hat noch nicht geschlafen, als du ihm von deinem Brief erzählt hast!" Jonne nickte und kuschelte sich wieder fest an mich. „Eve, ich habe ein unglaublich schlechtes Gewissen, weil Santtu nicht hier ist, er ist doch immerhin der Bruder ..." Eve schüttelte heftig den Kopf. „Das brauchst du nicht! Er passt gerne auf die Kinder auf und möchte vorbeikommen, wenn es Samu wieder etwas besser geht!" Ich nickte, wusste aber ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles wieder gut machen konnte. Aber eins wusste ich sehr gut, dass ich diese Familie niemals in meinem Leben verlieren wollte!
DU LIEST GERADE
You are mine
FanfictionFortsetzung von Dieser eine Augenblick Neun Jahre war es her das Samu und Seija geheiratet hatten und die beiden noch drei weitere Kinder bekommen hatten. Während Riku sich bei keinem gemeldet hatte, hatte seine Ex Freundin und Seijas gute Freundin...
