Jonnes Sicht
Die Türen der Notaufnahme zischten auf. Desinfektionsmittel, kaltes Licht, Hektik. Ich rannte! Die Reisetasche schlug mir gegen die Beine, aber ich wollte nur zu meinem Vater! Sanna rief meinen Namen, aber ich hörte sie kaum. Station 3B, Intensiv, Zimmer 312! Das hatte Mama gesagt! „Jonne, warte!" Sanna hielt mich am Ärmel fest. „Du kannst da nicht einfach reinplatzen!" „Er soll warten!" Keuchte ich. „Mama hat gesagt, er wartet!"
Der Gang war endlos, weiß und steril, lauter Piep-Töne hinter geschlossenen Türen.308 ... 310 ... 312.
Leer!
Das Bett war abgezogen. Der Monitor aus. Nur die Babybettchen standen noch da, und Mama saß auf einen Stuhl, die Hände vor dem Gesicht. Sie sah auf als sie mich hörte. Ihre Augen waren rot, von den vielen weinen. „Zu spät", flüsterte sie. „Die Ärzte haben ihn vor zehn Minuten geholt." Es fühlte sich an, als würde mir jemand den Boden wegziehen. Zum zweiten Mal heute! „Nein!" Sagte ich, meine Stimme war zu laut für den Gang. „Nein, er hat gesagt, er wartet! Er hat es versprochen!" Mama stand auf, kam zu mir, aber ich trat einen Schritt zurück. Wenn sie mich jetzt berührte, würde ich komplett zerbrechen! „Jonne." Die Stimme kam von links. Dr. Laakos. Er hatte den OP-Kittel schon an, die Haube in der Hand. Er sah müde aus. Und ernst. Ich konnte nur nicken. Die Worte steckten fest. „Er ist jetzt im OP", sagte Dr. Laakso. „Wir fangen in fünf Minuten an, es war besser, nicht länger zu warten!"
Fünf Minuten! Ich war fünf Minuten zu spät! „Kann ich ... kann ich zu ihm?" Fragte ich. Blöde Frage. Ich wusste es. „Nein." Antwortet Dr. Laakso sanft. „Aber er wusste, das du kommst. Das Letzte, was er vor der Narkose gesagt hat, war dein Name!"
Mein Name?! Nicht haltet die Presse raus. Nicht sagt meiner Frau das ich sie liebe. Mein Name.
Ich lehnte mich an die Wand. Die Kälte kroch durch mein Shirt. Sanna war neben mir, legte eine Hand auf meinen Rücken. Sagte aber nichts. „Wie lange?" Brachte ich raus. „Zwei bis vier Stunden, je nachdem, was wir vorfinden!" Antwortete Dr. Laakso. Er sah auf die Uhr an der Wand. „In der Zeit können sie nichts tun. Außer warten. Es gibt einen Warteraum im 4. Stock, gleich neben den OPs. Mit Kaffee. Schlechtem Kaffee, aber Kaffee." Er nickte erst meiner Mutter und dann mir zu. „Ich tue alles, was ich kann. Das verspreche ich dir!" Dann drehte er sich um und ging. Durch eine Tür mit kein Zutritt drauf. Die Tür, hinter der mein Paps lag.
Stille!
Meine Mutter kam zu mir. Diesmal ließ ich es zu. Ich legte meinen Kopf an ihre Schulter und machte mich ganz klein. Wie damals, als das alles mit Riku war. „Er hat gewartet, Jonne", flüsterte sie in mein Haar. „Auf seine Art. Er hat deinen Namen gesagt. Damit du es weißt." Ich ballte die Fäuste. Die Nägel gruben sich in meine Handflächen. „Dreißig Prozent", murmelte ich. „Dreißig Prozent sind nicht null!"
Sanna schob uns beide Richtung Aufzug. „Kommt. 4. Stock. Schlechter Kaffee. Und wir warten zusammen." Die Türen schlossen sich. Im Spiegel sah ich uns drei. Eine Frau mit zwei Neugeborenen. Eine Tante und einen Jungen, der zum zweiten Mal darum betete, dass 70 Prozent reichen würden.
Drei Stunden mit schlechtem Kaffee. Drei Stunden, in denen die Zeit nicht vergeht! Ich hielt es nicht mehr aus. „Ich gehe kurz raus", murmelte ich zu Sanna. Sie nickte und lächelte schwach.
Die Nachtluft vor dem Krankenhaus war kalt. Es roch nach Regen und Asphalt und den Zigaretten im Aschenbecher neben der Tür. Ich setzte mich auf die Bordsteinkante, da wo keine Kameras waren. Da, wo man allein sein konnte. Mein Handy war schon warm in meiner Hand. Akku zwölf Prozent reicht.
Ich öffnete die Notizen App. Neuer Eintrag.
Für den Fall, dass ...
Ich starte die Wörter an. Löschte sie wieder und versuchte es erneut.
Paps,
Keine Ahnung, ob du das je liest. Dr. Laakso sagt siebzig Prozent. Mathe war nie mein Ding, aber siebzig ist mehr als dreißig, trotzdem. Ich sitze hier draußen. Es ist arschkalt. Und ich hab Angst. Man, richtig schiss. Nicht wie vor Klausuren. Sondern wie damals, als Riku, Mama in seiner Gewalt hatte! Weißt du noch, was du im Krankenhaus gesagt hast? „So schnell wirst du mich nicht verlieren." Ich halt mich fest an dem Satz, okay? Du hast es versprochen. Ich habe die Tasche gepackt. Mit deinem alten Hoodie. Den mit dem Loch am Ärmel. Falls du aufwachst und frierst. Und falls nicht ... dann behalte ich den. Aber du wachst auf. Du musst. Wegen der Babys! Die brauchen dich. Mama braucht dich. Sie ist stark, aber nicht so stark. Keiner ist so stark. Und ich brauche dich auch. Fürs Stadion. Für Eishockey. Für die dummen Witze, die nur du lustig findest. Für den Tag, an dem ich dir sage, dass ich scheiße, gebaut habe und du nicht schreist, sondern nur sagst: „Okay, wir biegen das wieder hin!" Ich habe Mama heute weinen sehen. Richtig weinen. Wenn du das hier liest, dann hast du's geschafft! Und wenn du wieder gesund bist, dann gehen wir ins Stadion. Deal?
Wenn du's nicht liest ...
Ich hielt an. Der Cursor blinkte. Mein Hals war zu.
Wenn du's nicht liest, dann bringe ich es dir trotzdem bei. Den Babys. Ich erzähle ihnen, wie du geklungen hast, wenn du Gitarre gespielt hast. Wie du gerochen hast: „Du musst nicht stark sein. Du musst nur da sein!" Ich bin da Paps. Ich war nur fünf Minuten zu spät. Aber jetzt bin ich da. Und ich gehe nicht weg. Siebzig Prozent, okay? Siebzig
Dein Jonne
Ich drückte auf Speichern. elf Prozent Akku. Eine Träne tropfte aufs Display, hinter mir ging die Tür auf. „Jonne?" Sannas Stimme war leise. Ich wischte mir meine Tränen aus dem Gesicht und drehte mich zu ihr um. „Dr. Laakso ist da." Mein Herz blieb stehen, bevor es wie wild gegen meine Rippen hämmerte. Siebzig Prozent! Schnell stand ich auf. „Gehen wir!" Murmelte ich.
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Fiksi PenggemarFortsetzung von Dieser eine Augenblick Neun Jahre war es her das Samu und Seija geheiratet hatten und die beiden noch drei weitere Kinder bekommen hatten. Während Riku sich bei keinem gemeldet hatte, hatte seine Ex Freundin und Seijas gute Freundin...
