Jonnes Sicht
Dr. Laakso kam zu uns in den Warteraum und blieb vor mir und meiner Mutter stehen. „Die OP ist gut verlaufen!" Sagte er leicht lächelnd, aber es dauerte ein paar Minuten, bis es in meinem Kopf ankam. „Gut verlaufen!" Murmelte ich leise. Mama sackte neben mir auf dem Stuhl zusammen. Sie schluchzte, aber diesmal war es kein kaputtes Geräusch. Es war Erleichterung, die sich den Weg rausbrach! Sanna hielt sie fest, selbst ihr liefen Tränen über das Gesicht. „Er ist im Aufwachraum", sagte Laakso. „Noch sehr benommen. Die Narkose, die Schmerzmittel. Er wird verwirrt sein. Vielleicht erkennt er sie nicht sofort. Das ist aber normal." Der Arzt sah mich direkt an. „Du wolltest zuerst zu ihm, oder? Samu hat nach dir gefragt. Als er kurz wach wurde, hat er Jonne gesagt!" Mein Name. Schon wieder. Ich nickte. Sprechen ging momentan nicht.
Der Aufwachraum war gedämpft. Piepen, leises Murmeln, das Schlurfen von Schwestern. Das Licht war runter gedimmt, da die Patienten, das grelle Licht nach der OP nicht abkönnen. Samu lag ganz am Ende, hinter einem halb offenen Vorhang. Verkabelt. Blass. Ein Verband zog sich um seinen Kopf, weil sie da die Elektroden fürs Monitoring festgemacht hatten. Sein Brustkorb hob sich flach, regelmäßig. „Nur fünf Minuten", flüsterte eine Schwester hinter mir. „Er ist noch sehr groggy!" Ich trat ans Bett. Meine Hände wussten nicht wohin. In die Tasche? Nein. An die Bettkante? Zu nah? „Paps?" Meine Stimme war kaum mehr als Luft.
Seine Augenlider flatterten. Es dauerte. Dann öffnete er sie einen Spalt. Blau, aber trüb. Als würde er durch Wasser gucken. Er blinzelte. Einmal. Zweimal. Sein Blick suchte, ging an mir vorbei, kam zurück, bis er mich nun direkt ansah. „... Jonne?" Es war mehr ein Krächzen, als ein Wort. Seine Lippen waren Spröde. „Ja", sagte ich schnell. „Ja ich bins. Ich bin hier!" Er runzelte die Stirn. Verwirrt. Suchend. „Wieso ... weinst du?" Ich merkte erst jetzt, dass ich es tat. Schon wieder! „Weil du ein Idiot bist", sagte ich lachend, aber es kam als Schluchzer raus. „Weil du gesagt hast, du wartest und dann bist du einfach abgehauen in den OP!" Ein langsames, schiefes Lächeln zog über sein Gesicht. Ganz klein. Aber echt. „Hab ... gewartet. Auf meine Art." Seine Hand auf der Decke zuckte, als wollte er sie heben, schaffte es aber nicht. Sofort griff ich nach seiner Hand. Seine Finger waren kalt. „Siebzig Prozent!" flüsterte ich. „Du hast gewonnen, Paps!" „Stadion?" Er nuschelte. Durch die Schmerzmittel war er immer noch benommen. „Ja!" sagte ich. „Stadion. Deal ist Deal!" Seine Augen fielen schon wieder zu. Der Satz hatte ihm Kraft gekostet. Aber seine Finger drückten meine. Ganz schwach. „Jonne?" Die Schwester berührte mich leicht an der Schulter. „Fünf Minuten sind um. Er braucht Ruhe. Sie können später wieder zu ihm!" Ich nickte. Beugte mich runter, ganz nah an sein Ohr, damit nur er es hören konnte. „Ich hab dir was geschrieben, Paps. Auf meinem Handy. Für den Fall dass ... Aber du hast es versaut. Jetzt musst du es lesen, wenn du wach bist. Also wach auf, okay?!" Seine Mundwinkel zuckten. Vielleicht hatte er es gehört, vielleicht auch nicht. Vorsichtig ließ ich seine Hand los und ging. Jeder Schritt weg vom Bett war leichter als der letzte. Draußen warteten sie. Sanna, meine Mutter und auch Oma war inzwischen eingetroffen. Ich wischte mir über das Gesicht und grinste. Zum ersten Mal seit vierundzwanzig Stunden. „Er hat nach mir gefragt!" Sagte ich. Und in dem Moment wusste ich: Die dreißig Prozent hatten verloren.
Ich ließ mich auf einen Stuhl fallen und vergrub mein Gesicht hinter meinen Händen, Tränen der Erleichterung liefen über mein Gesicht. „Hey Großer, nicht weinen!" Ich hörte die Stimme meiner Oma und wurde kurz darauf in ihre Arme gezogen. „Jetzt wird alles gut werden, oder?" Ich löste mich ein wenig von ihr und sah sie an. Mit ihren Fingern wischte sie mir meine Tränen aus dem Gesicht und lächelte schwach. „Dein Vater ist stark, das weißt du doch! Er wird alles daran setzen, das er wieder laufen kann und mit dir ins Stadion gehen kann und auf Tour!" Sanna lachte kurz, wischte sich aber selbst ihre Tränen aus dem Gesicht. „Samu ohne Bühne, das würde gar nicht gehen ..." „Das würde er nicht überleben!" sagte meine Mutter, was mich ein wenig zum Nachdenken brachte. „Jetzt malt mal den Teufel nicht an die Wand, wir müssen jetzt abwarten! Dr. Laakso hat doch gesagt, dass die OP erfolgreich war und mein Sohn ist ein Kämpfer!" Leise seufzend sah ich meine Oma an und nickte.
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Fiksi PenggemarFortsetzung von Dieser eine Augenblick Neun Jahre war es her das Samu und Seija geheiratet hatten und die beiden noch drei weitere Kinder bekommen hatten. Während Riku sich bei keinem gemeldet hatte, hatte seine Ex Freundin und Seijas gute Freundin...
