Kapitel 72

29 3 4
                                        

Samus Sicht

Völlig in Gedanken versunken, saß ich in Mikkos Küche und starrte auf meinen Kaffee. "Versuchst du, die Zukunft zu lesen?" Hörte ich eine Männerstimme hinter mir, dass ich zusammen zuckte. Erschrocken drehte ich mich um und sah in das grinsende Gesicht von Mikko. "Ich frage ja bloß, weil dann könntest du mir mal die Lottozahlen sagen, dann lohnt es sich wenigstens zu spielen." Ich seufzte und fuhr mir durch die Haare. "Falls du nicht mitbekommen hast, ich bin am Nachdenken gewesen!" Murmelte ich leise und drehte meine Tasse auf dem Tisch hin und her. "Und worüber, wenn ich fragen darf? Die Jungs haben deine Entscheidung doch gestern ganz gut aufgenommen!" Mikko setzte sich mit seinem Kaffee in der Hand zu mir an den Tisch und sah mich neugierig an. "Über Seija!" Kurz sah ich meinen Manager an, was ihn nun seufzen ließ. "Wieso frage ich überhaupt ... Samu, was soll deiner Frau denn passieren, deine Mutter und Schwester sind da, meine Frau ist bei ihr, ihre beste Freundin wird bestimmt auch jeden Tag zu Besuch kommen ..." "Darum geht es ja gar nicht!" Unterbrach ich Mikko und sah ihn jetzt direkt an. "Und worum geht es dann? Wenn Mr. Haber endlich mal mit der Sprache herausrücken würde, dann könnte ich Mr. Haber auch helfen!" Mikko nahm einen Schluck von seinem Kaffee und sah mich dabei die ganze Zeit an. "Seija hat in den nächsten Tagen einen Arzttermin, da wollte ich sie eigentlich begleiten, was ich aber nicht kann, weil ich hier in Finnland bin!" Ich redete mehr mit meinen Händen und wurde immer nervöser. "Samu, manchmal erinnerst du mich an ein kleines Kind, wenn du dabei sein möchtest, was spricht denn dagegen?" Ich seufzte leise und fuhr mir erneut durch die Haare. "Die Pressekonferenz vielleicht, oder dass wir noch so einiges andere klären müssen!" Ich sah meinen Manager jetzt wieder an. "Wann hat denn Seija den Termin? Vielleicht kannst du dann morgens nach London fliegen und anschließend wieder hier her, nach Helsinki?" Mikko sah mich lächelnd an, was mich ebenfalls lächeln ließ. "In zwei Tagen!" Mikko nahm noch einen Schluck von seinem Kaffee, stand auf und verschwand aus der Küche. "Also ... Samu Aleksi Haber, sie haben Glück und können sogar für eine Nacht in London bleiben!" Ich drehte mich zu Mikko um, er stand mit einem kleinen Buch in der Hand in der Tür und sah mich lächelnd an. "Ist das dein Ernst? Wann kann ich fliegen?" Schnell sprang ich vom Stuhl auf und nahm Mikko freudestrahlend in den Arm.
Mikko musste lachen und klopfte mir auf den Rücken. "Da die anderen Jungs gleich noch vorbeikommen wollen, würde ich sagen, dass du heute Abend zu deiner Herz allerliebsten fliegen kannst! Vorher rede aber bitte noch mit Janne, da er ja für Ri..." Ich legte einen Finger auf Mikkos Mund und schüttelte den Kopf. "Mr. R., wenn ich bitten darf!" Mikko rollte mit den Augen und befreite sich von meiner Umarmung. "Nennst du ihn auch bei der Pressekonferenz so?" Ich zuckte mit den Schultern, da ich mir noch gar nicht sicher war, was ich da überhaupt sagen sollte. "Samu, die Fans werden sich wundern, wieso er nicht mehr dabei ist und sie werden bestimmt Fragen stellen!" Mikko setzte sich wieder an den Tisch und sah mich an. "Was soll ich denn sagen, dass Riku ein Schwein war, dass er meine Frau entführt und vergewaltigt hat?" Mir liefen Tränen über meine Wangen, die ich eilig wegwischte. "Soll ich den Fans erklären, dass Riku fremd gegangen ist und Seija dann wieder zurück haben wollte, da er sich nicht entscheiden konnte, was er wollte, oder soll ich sagen, dass die Polizei bei ihm Drogen gefunden hat? Mikko, ich habe keine Ahnung, was ich über Riku sagen soll, beziehungsweise wieso er nicht mehr dabei ist!" Ich ließ mich auf einen Stuhl fallen und wischte mir erneut meine Tränen aus dem Gesicht. "Sollen die Fans doch einfach auf sein Instagram-Profil gehen, vielleicht hat er da ja was gepostet, als er noch nicht im Knast war!" Mikko schwieg und drehte seine Tasse auf dem Tisch hin und her. "Sein Profil gibt es nicht mehr!" Murmelte er leise und sah wieder auf seine Kaffeetasse. "Samu, ich weiß, dass es dir immer noch weh tut, wenn du seinen Namen hörst, aber trotzdem solltest du dir etwas einfallen lassen, was du den Fans sagen kannst!" Ich atmete tief durch und wippte nervös mit meinem Bein auf und ab.
Was konnte man den Fans sagen? Wie sollte das gehen, ohne wieder Wut in mir zu spüren? Hatten die Fans nicht auch mitbekommen, dass er gestorben ist? Die Medien hatten doch bestimmt darüber berichtet, dass er sich umgebracht hatte?! Ich seufzte und sah Mikko wieder an. "Kann ich nicht erst mal abwarten, ich kann ja immer noch was sagen, sollten sie nach Riku fragen!" Mikko sah mich an und zuckte mit den Schultern. "Du kannst es wenigstens versuchen, vielleicht hast du ja Glück und sie freuen sich, dass Janne wieder dabei ist!" Kurz lächelte ich und war froh, heute Abend wieder bei meiner Familie zu sein! "Na ja, so wirklich ist er ja nicht dabei, es ist eine Abschlusstour!" Mikko legte seine Hand auf meine Schulter und drückte diese leicht. "Das ja, aber Janne freut sich bestimmt trotzdem!" Lächelnd nickte ich und freute mich ebenfalls, sollte er mit auf Tour gehen. "Übrigens möchte uns Jonne begleiten, ich hoffe, du hast nichts dagegen?" Mikko schüttelte den Kopf. "Was sollte ich dagegen haben? Vielleicht habe ich ja dann mal Glück, dass ihr euch benehmen werdet!" Empört sah ich ihn an, so schlimm waren wir ja nun auch wieder nicht! Gerade als ich etwas erwidern wollte, hörte ich die Türklingel, worauf Mikko sofort aufstand, um die Jungs ins Haus zu lassen.

You are mine Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt