Kapitel 79

22 0 4
                                        

Jonnes Sicht

Es war toll mal wieder in meiner Heimat zu sein, auch wenn es nur für eine kurze Zeit war! „Können wir das neue Haus sehen?" Fragend sah ich meinen Vater an, er nickte sofort und sah von mir zu Mikko. „Kann ich dein Auto haben?" Mikko seufzte und setzte sich zu uns an den Tisch. „Samu, ich kann es dir gerne geben, aber im Flur stehen noch ein paar Kartons von Riku! Seija hat gesagt, ich soll sie einfach ins neue Haus stellen, weil sie nicht weiß, ob Babybilder von Jonne dabei sind!" Mein Vater schnaubte und sprang vom Stuhl aus. „Vergiss es, ich möchte von Riku nichts im Haus haben!" Mikko fuhr sich durch die Haare und sah meinen Vater ziemlich ernst an. „Dann kläre das bitte mit deiner Frau, sie möchte die Babybilder von Jonne gerne behalten!" Mein Vater begann auf und ab zu laufen und schüttelte heftig den Kopf. „Dann bring sie woanders unter, aber nicht in meinem Haus!" Ich vergrub mein Gesicht hinter meinen Händen und wusste, das diese Diskussion mal wieder länger dauern würde! „Aber gibt es im Haus nicht irgendwo einen Raum, der als Keller benutzt wird, wo wir die Kisten lagern können?" Mein Vater sah mich ernst an. „Jonne, ICH MÖCHTE NICHTS VON RIKU IN MEINEM HAUS HABEN!" Ich biss mir kurz auf die Lippe, bevor ich nickte und zu Mikko sah. „Und wo sollen wir deiner Meinung nach die Kisten lagern? Ich kann schlecht alles aufbewahren, was nicht mir gehört!" Mein Vater seufzte. „Das ist mir relativ egal, solange es nicht in meiner Nähe ist, oder hast du vergessen, was er Seija angetan hat?!" Mikko schüttelte den Kopf und fuhr sich genervt durch die Haare. „Nein, das habe ich nicht, aber ich bin keine Poststelle, wo man alles lagern kann!" „Samu, Riku war krank!" Liisa kam in die Küche gelaufen und blieb direkt vor meinem Vater stehen. „Krank im Kopf, vielleicht!" Murmelte ich, aber als ich Liisas ernsten Blick sah, verstummte ich sofort. „Nein, er war ernsthaft krank und hat Drogen genommen, nur deshalb ist das ganze überhaupt passiert!" Ich atmete hörbar aus und sah wie sich mein Vater auf einen Stuhl sinken ließ. „Seija hat den Brief von Riku gelesen, bei ihm wurde Dissoziale Persönlichkeitsstörung festgestellt! Er ist aus Finnland weg, weil er Seija immer noch geliebt hat und um sie zu vergessen, hat er zu Drogen gegriffen, zu harten Drogen und weil er keinen anderen Ausweg gesehen hat ... Hat er keinen anderen Ausweg gesehen, als sein Leben zu beenden!" Immer noch geschockt von dem, was Liisa uns gerade erzählt hatte, starrte ich an die Wand, auch wenn Riku meiner Mama und meiner ganzen Familie sehr weh getan hatte, konnte man ihm dann so einen Tod wünschen? Hatte er denn nicht ein gutes Leben verdient? Leise seufzend stand ich auf und lief aus der Küche, wieso hatte er sich denn nicht bei Mikko Hilfe holen können? Ich wusste, dass wenn jemand ein Problem hatte, immer zu Mikko lief, aber hätte er Riku nicht in so einer Situation auch helfen können?
Schweigend zog ich meine Schuhe an und lief aus dem Haus, draußen setzte ich mich auf einen Stuhl und starrte in den Himmel. Riku war nicht wirklich ein Vater für mich gewesen, aber jetzt wo mir alles durch den Kopf ging, wusste ich das er mich wirklich geliebt hatte und es ihm vielleicht nicht einfache war, wenn er hörte das ich zu Samu »Papa« sagte! Ich spürte eine Hand auf meine Schulter und zuckte zusammen. „Mikko!" Keuchte ich und versuchte zu lächeln. „Sorry großer, ich wollte dich nicht erschrecken!" Er setzte sich mir gegenüber und sah mich schweigend an. „Hätten wir Riku helfen können?" Fragend sah ich Mikko an, was ihn seufzen ließ. „Ich ... Ich weiß es nicht! Jonne, man kann einem Menschen nur helfen, wenn er sich seine Sucht auch selbst eingesteht! Wenn er nur irgendeinem Menschen etwas gesagt hätte!" Nachdenklich nickte ich und sah erneut in die Ferne. „Ich kann dir noch nicht einmal sagen, was ich jetzt fühle ... Als Riku das Mom angetan hat, habe ich ihn gehasst, mehr als das! Aber ich wollte nie, das so etwas Schreckliches passiert!" Mikko legte mir seine Hand auf meinen Arm, was mich dazu bewegte ihn anzusehen. „Jonne dich trifft keine Schuld! Riku hat fehler gemacht und das nur, weil er unter Drogen stand!" Kurz biss ich mir auf die Lippe und nickte. „Aber, wenn ich nicht zu ihm gesagt hätte, das Samu mein Vater ist ..." „Ich hatte es ihm schon gesagt, als er aus Kanada zurück war und bei uns aufgetaucht ist!" Ich sah meinen Vater an, der sich zu uns an den Tisch setzte. „Ich war an diesem Abend sauer auf ihn gewesen, weil er sich nie bei dir gemeldet hat und als er plötzlich vor mir stand, habe ich einfach nur rotgesehen!" Ich nickte und hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, wie es weiter gehen sollte! „Können wir Riku nicht einfach in Frieden Ruhen lassen?" Liisa sah uns an, ich zuckte mit den Schultern und fragte mich, wann es in meinem Leben nicht chaotisch zu ging! „Meine Frau hat recht, wir sollten alle nach vorne blicken und Samu wenn die Tour vorbei ist, dann solltest du auch endlich abschließen!" Mein Vater seufzte und fuhr sich durch die Haare, ich wusste das er auf die Tour keine Lust hatte, aber war es fair den Fans gegenüber, wenn es keine Tour gab? „Na los großer, ich mache uns jetzt einen Kaffee und dann fahrt ihr zum Haus und seht nach, ob dort alles in Ordnung ist!" Mikko klopfte meinen Vater auf die Schulter, ehe er aufstand und ins Haus ließ.
Wir blieben noch eine Weile sitzen, bevor wir Mikko ins Haus folgten, Samu seinen Latte Macchiato trank und wir anschließend zu unserem Haus fuhren.

You are mine Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt