Samus Sicht
Das Zimmer war dunkel. Nur das Nachtlicht und der Atem von drei Menschen, die mir alles bedeuteten. Seija lag in dem anderen Bett und schlief. Levi und Elias lagen im Beistellbett, eingekuschelt wie zwei Fragezeichen. Richtig. Nach dem Stehen heute. Nach den drei Schritten. Ich konnte einfach nicht schlafen. Adrenalin. Schmerz und Angst, dass ich morgen aufwache und die Beine wieder tot sind. _Nur ein Kann-Tag_, hatte Lina gesagt. Aber mein Kopf machte daraus _Vielleicht-der-einzige-Tag_.
Ich griff nach dem Wasser und stieß dabei was vom Nachttisch. Jonnes Handy. Er hatte es vergessen, als er vorhin gegangen war. _Bin morgen früh da, Paps. Versprochen._ Ich wollte es nur aufheben und Zurücklegen, als das Display anging. Benachrichtigung. _Notizen_. Letzte Änderung: 22:47 Uhr.
Für den Fall dass ...
Meine Finger wurden kalt. Ich kannte diese Worte. Aus dem Warteraum, als ich im Krankenhaus lag. Als er dachte, ich höre ihn nicht. Ich hätte es weglegen sollen. Privatsphäre. Vertrauen. All das. Aber ich war neugierig und wollte wissen, was er mir geschrieben hat. Den Code konnte ich im Schlaf 0407. Sein Geburtstag. Ich öffnete die erste Notiz und begann zu lesen.
Für den Fall, dass Paps die OP nicht schafft. Oder danach nicht mehr aufwacht. Oder aufwacht und ich bin nicht mehr sein Sohn, weil er mich hasst für ...
Paps,
wenn du das liest, hab ich's verkackt. Also sag' ich's jetzt, solange du noch atmen kannst. Ich hab dich angelogen. Damals, mit dreizehn. Als ich gesagt hab, ich will nicht mehr aufs Eis. Ich wollte. Jede Sekunde. Aber ich hab gesehen, wie du geguckt hast, wenn ich gefallen bin. Wie du Angst hattest, dass ich ende wie ... wie Riku. Und ich dachte, wenn ich aufgebe, musst du keine Angst mehr haben. Dann bist du frei. Dann kannst du wieder zu Eve. Dann bist du wieder Samu Haber, der Rockstar, nicht der kaputte Dad. Hat aber nicht geklappt. Du bist geblieben. Und ich hab dich gehasst dafür. Und geliebt. Gleichzeitig.
Wenn du nicht mehr da bist, will ich, dass du weißt: Die besten siebzehn Jahre meines Lebens waren die mit dir. Auch die Scheiß-Jahre. Vor allem die.
Pass auf Mama auf. Und auf die Babys. Sag Levi, dass sein Name von einem Idioten kommt, der geblieben ist. Sag Elias, dass Morgen immer kommt, auch wenn die Nacht lang ist.
Und Paps? Wenn du doch aufwachst: Dann gehen wir wieder ins Stadion. Deal ist Deal. Ich trag' dich rein, wenn's sein muss. Aber wir gehen zusammen.
Dein Jonne
Ich konnte nicht mehr atmen, mir liefen die Tränen über das Gesicht. Nicht wegen Panik. Wegen dieses Jungen.
Siebzehn Jahre. Und er dachte, er muss mich schützen. Vor sich selbst. Wieso hatte er immer noch das Gefühl nicht zu mir zu gehören?
Ich legte das Handy weg. Griff nach meinem. Öffnete Sprachnachrichten und ging auf neue Aufnahme.
Meine Stimme war Schrott. Ich flüsterte, da ich nicht wollte, dass Seija oder die Babys wach wurden.
„Hey, großer. Hier Paps. 3:24 Uhr in der Nacht. Du schnarchst in deinem Bett, hoffe ich.
Ich hab deinen Brief gelesen. Ja, ich bin ein Arsch. Aber du auch, weil du ihn geschrieben hast.
Also hör zu:
Erstens. Ich hab dich nie gehasst. Keine Sekunde. Nicht als du das Eis hingeschmissen hast. Nicht als du mich angelogen hast. Nicht mal, als du mit fünfzehn mein Auto zu Schrott gefahren hast und gesagt hast, es war ein Marder. Ich wusste es. Ich wusste es schon die ganze Zeit.
Zweitens. Du bist nicht der Grund, warum ich geblieben bin. Du bist der Grund, warum ich _leben_ wollte. Du und Seija. Riku war wie mein Bruder. Du bist mein Sohn. Das ist ein Unterschied. Riku ist gegangen. Du bist geblieben. Kapiert?
Drittens. Stadion. Deal ist Deal. Aber ich trag dich rein. Auf meinen zwei Beinen. Vielleicht mit Stöcken. Vielleicht wackelig. Aber ich geh. Und du gehst neben mir. Nicht hinter mir. Nicht vor mir. Neben mir.
Viertens. Elias und Levi ... ich sag's ihnen. Jeden Tag. Dass ihr großer Bruder der mutigste Mensch ist, den ich kenne. Weil er seit siebzehn Jahren denkt, er muss die Welt retten. Dabei reicht es, wenn er da ist.
Letztes: Wenn ich doch gehe, bevor wir das hinkriegen ... dann nimm die Babys. Nimm Seija. Nimm Sanna. Nimm Eve. Nimm Santtu und lebt. Laut. Wild. Ohne Angst. Versprich mir das.
Aber ich hab nicht vorzugehen, Jonne! Nicht nach drei Sekunden. Nicht nach heute.
Ich steh auf. Für dich.
Ich bleib. Für dich.
Ich lieb dich, du Idiot.
Paps."
Nachricht beenden. Ich drückte auf Speichern. Für Jonne, wenn er's braucht.
Danach legte ich das Handy weg. Sah zu Seija und zu den Babys.
Und zum ersten Mal seit der Nacht mit der Panik bewegte ich den linken Fuß.
Nicht nur den Zeh. Den ganzen Fuß. Mir schossen erneut Tränen in die Augen, so sehr freute ich mich darüber. Ich bewegte ihn nach oben, nach vorn. Und spürte kein Krampf. Leise seufzend schloss ich meine Augen und atmete ein paar Mal tief durch, vielleicht konnte ich doch eines Tages wieder auf der Bühne stehen und Musik machen. Ich rutschte näher zu Seija, küsste ihre Stirn und kuschelte mich an sie ran.
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You are mine
FanfictionFortsetzung von Dieser eine Augenblick Neun Jahre war es her das Samu und Seija geheiratet hatten und die beiden noch drei weitere Kinder bekommen hatten. Während Riku sich bei keinem gemeldet hatte, hatte seine Ex Freundin und Seijas gute Freundin...
