Kapitel 100

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Seija Sicht 7:00 Uhr im Krankenhaus

Leicht lächelnd ließ ich Jonne los, er zitterte immer noch ein wenig, sah mich aber mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen an. „Jonne", sagte ich. „Geh die anderen holen. Aber langsam und leise." Er nickte und rannte los. „Unter langsam verstehe ich etwas anderes!" Lachte Samu. Siebzehn und trotzdem sah Jonne momentan aus wie zehn! Die Tür ging erneut auf und Samus Mutter kam ins Zimmer, sie legte mir ihre Hand auf die Schulter und sah mir direkt in die Augen. „Du hast die Nacht gewonnen, Kaunis. Jetzt bin ich dran!"
Kaunis „Die Schöne" sagte sonst nur Samu zu mir. Ich musste schlucken, wollte aber nicht wieder erneut losweinen! „Danke!" Murmelte ich leise. Eve lächelte kurz. „Immer!" Hinter ihr erschien Santtu, er lächelte mich schwach an und quetschte sich an Eve vorbei ins Zimmer. „Wo ist der Idiot?", fragte er direkt. „Im Bett!" Ich sah Santtu mit gerunzelter Stirn an. „Und er ist kein Idiot! Er hatte Angst!" Santtu sah mich lange an, dann nickte er. „Gut! Dann sag ichs ihm nicht so!"

Samus Sicht 7:05 Uhr
Mein Bruder. Kam auch immer zu spät. Immer zu laut, aber immer genau richtig! Er kam ans Bett. Sah mich an. Sah die Monitore. Meine Hand in Seijas. „Siehst scheiße aus!", sagte er, was mich leicht schmunzeln ließ. „So fühle ich mich auch!" Antwortete ich. „Gut!" Er zog einen Stuhl ran. Setzte sich. Bein an Bein mit mir, wie früher auf der Couch. „Dann lügen wir uns nicht an!" Meine Mutter ging zu den Babys, sie hob Levi hoch. „Guten Morgen, kleiner Mann. Hast die Nacht überlebt, wie dein Paps!" Levi gluckste. Als wüsste er es.
Die Tür ging wieder auf. Jonne. Unter hinter ihm: Seine Geschwister. Mir kamen die Tränen, aber ich versuchte mich zusammenzureißen! Joone und Melika beide zehn. Melika hatte einen zerzausten Zopf. Mirja zehn, verschlafen und hatte ihren Kapuzenpulli falsch herum an. Lenita acht, hatte meine Schwestern an der Hand und Aira sechs auf Sannas Arm, sie hielt einen Puck in der Hand und sah mich Müde an. Jonne Siebzehn, er lächelte mich an, während er die Tür schloss.
Sechs Kinder. Ein Krankenzimmer. Zu viel. Zu laut. Zu Perfekt! „Papa?" Sagte Lenita leise. Ich hob die Hand und winkte ihr zu. „Ich bin hier!" „Du siehst kaputt aus!" Joona setzte sich auf den Rand des Bettes und sah mich an. „War ich auch!" Sagte ich. „In der Nacht, hat mein Kopf Mist gebaut!" Alle waren Still und sahen mich ängstlich an. „Was für Mist?" Mirja trat vor. „Er dachte, seine Beine sind wieder weg. Waren sie aber nicht. Nur die Angst war groß." Antwortete Seija für mich. Melika fiel fast um vor Erleichterung. „Haber Ehrenwort! Er lebt!"
Santtu stand auf und drehte sich zu den Kindern um. „So", sagte er. „Familienkonferenz. Zwei Regeln." Alle sahen ihn an. Auch ich. „Regel eins: Paps ist krank. Nicht kaputt! Unterschied merken!" Er sah zu Mirja. Sie nickte ernst. „Regel zwei: Keine Geheimnisse. Wenn er Angst hat, sagt er's. Wenn ihr Angst habt, sagt ihr's. Und wenn Oma Eve sagt: Zeit für Ruhe, dann ist Ruhe." Er sah zu unserer Mutter. „Stimmt's Mom?" Sie nickte und hielt Levi immer noch im Arm. „Stimmt. Und Regel Nummer drei kommt von mir: Ich koche heute für alle. Hier, in der Teeküche. Wer Pfannkuchen will, hilft schnippeln." Sofort war Bewegung, alle sprachen durcheinander.
Joona: „Ich schäle!"
Aira: „Ich ess!"
Lenita: „Ich klau' Teig!"
„Nein!" Sagte Santtu grinsend, was mich Kopfschüttelnd zum Lachen brachte.

Seijas Sicht
Eve schob mich raus auf den Flur und sah mich ernst an. „Dusch dich. Hier. Familienzimmer in zehn Minuten!" „Ich kann nicht ...", murmelte ich unter Tränen. „Doch du kannst!" Antwortete Eve ernst. „Weil er dich braucht, wenn du wiederkommst. Und nicht als Zombie!" Sie drückte mir frische Klamotten in die Hand. Tief atmete ich den Weichspüler ein, es roch nach Zuhause! „Er hatte Panik!", flüsterte ich. „Wegen der Beine. Wegen Jonne. Wegen allem." Eve nahm mein Gesicht in ihre Hände, wie sie es sonst nur bei Samu immer tat. „Ich weiß. Er ist mein Sohn. Stur. Ängstlich. Aber er hat dich. Das reicht!" Im Flur waren nur wir zwei, was mich ein wenig erleichterte. „Er sagt, er ist nutzlos", flüsterte ich, aber Eve schüttelte den Kopf. „Er hat sechs Kinder groß gezogen. Deine Entführung durchgestanden und hat dir beigestanden, als du die Vergewaltigung überarbeiten musstest. Nutzlos sieht für mich anders aus!" Sie zog mich an sich. „Ich bin da! Für ihn. Für dich. Für alle. Du bist nicht allein in dieser scheiße, Kaunis!" Mir schossen die Tränen aus dem Gesicht, die ich versuchte zu unterdrücken. „Soll ich hier auf dich warten?" Flüsterte Eve und strich mir immer wieder über den Rücken, ich nickte, klammerte mich aber weiter an ihr fest. Eve sagte nichts, als ich mich von ihr löste, sie strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr und setzte sich auf einen Stuhl, während ich zu den Duschen lief und mich schnell abduschte und wieder zurück zu Eve lief. Sie drückte meine Hand und öffnete die Zimmertür. Lenita lag quer über Samus Füßen und sah mich an. „Damit sie nicht wieder weggehen!" Sagte sie. Samu sah mich an, als wir reinkamen. Frisch. Haare nass. „Besser?", fragte er. „Ja! Dank deiner Mutter!" Er sah zu Eve und nickte. „Danke, Mom!" „Sag es deiner Frau! Sie war die ganze Nach für dich da gewesen!" unterbrach Eve ihn. Santtu klatschte in die Hände. „So. Genug Gefühle für heute. Wer will Pfannkuchen?" Sechs Hände gingen hoch, selbst Samu und ich hoben unsere Hände. Eve lachte, drückte noch einmal kurz meine Schulter und verließ mit den anderen das Zimmer. Ich lächelte und zum ersten Mal roch es nicht nach Krankenhaus, es roch nach Zuhause.

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