Kapitel 230

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Und jetzt stehe ich hier, habe ihm soeben alles an den Knopf geknallt was geht und er sieht mich einfach nur an.
„Es stimmt wirklich" murmle ich und lasse mich aufs Bett sinken.
Wincent sieht mich überfordert an, mir laufen schon wieder die Tränen über die Wangen.
„Ich weiß nicht, wie du auf diesen Scheiß kommst, aber mein einziges Kind ist Kilian! Ich habe keine anderen Kinder."
„Nein? Warum zur Hölle stand dann vorhin eine Frau unten vor der Tür, mit einem kleinen Mädchen auf dem Arm, und behauptet, dass du ihr Vater wärst?"
„Vielleicht weil diese Frau nicht mehr alle Latten am Zaun hat? Ich hab keine Ahnung, was zum Fick sie dir gesagt hat und noch weniger, was sie hier zu suchen hat, woher sie weiß, wo wir wohnen, aber eins sage ich dir, ich bin nicht der Vater, von diesem Mädchen! Ich verspreche es dir!"
„Warum behauptet sie es dann?"
„Weil sie durchgeknallt ist!"
„Wie sicher, ist es, dass du nicht der Vater bist? Sicher im Sinne von ‚Ich habe nie mit ihr geschlafen' oder im Sinne von ‚Ich will es nicht wahrhaben'?"
„Sicher im Sinne von ‚Der Test sagt, dass ich nicht der Vater bin'!"
„Du hast also mit ihr geschlafen."
„Leo..."
„Wann genau? Wenn du geglaubt hast, dass das deine Tochter sein könnte, dass müsste es ja ziemlich schnell nach dem Unfall gewesen sein. Verdammt, warum denken Männer eigentlich immer nur mit ihrem beschissenen Schwanz?"
„Vor etwa drei Jahren. Ich war in Berlin, Kilian war glaube bei deinen Eltern. Ich war in einer Bar, um den Schmerz wegzutrinken, als ich gar nichts mehr gespürt hab, kam der Wunsch auf, einfach nur irgendetwas zu spüren, was nicht Leere oder Schmerz ist."
„Und? Wie war das so? Tat's gut?"
„Nein, es tat nicht gut! Natürlich nicht! Daran hab ich vorher aber nicht gedacht! Du hast keine Ahnung, wie dreckig ich mich danach gefühlt habe! Wie dreckig ich mich gefühlt habe, als sie plötzlich eindeutig schwanger vor mir stand und mir gesagt hat, dass ich Vater werde."
„Nein, aber du hast das alles selber entschieden. Du hast keine Ahnung, wie elendig sich das jetzt für mich anfühlt, so betrogen habe ich mich noch nie gefühlt."
Wincent greift nach meiner Hand, aber ich entziehe sie ihm direkt wieder. Auch wenn ich ihm glaube, dass dieses Kind nicht von ihm ist und ich nicht weiß, was ich in seiner Situation getan hätte, bin ich wütend auf ihn. Nicht, weil er mit ihr geschlafen hat, sondern weil er es mir nicht gesagt hat.
„Leo, hör mir bitte zu. Das war ein riesiger Fehler und ich schwöre dir, dass ich es bereue, aber ich kann das nicht mehr rückgängig machen. Nachdem klar war, dass ich nicht der Vater bin, habe ich nichts mehr von ihr gehört, bis letzte Woche."
„Du hast sie in Berlin getroffen?"
„Geplant hatte ich das nicht und gewollt auch nicht, aber ja, sie stand plötzlich vor meinem Hotel."
„Und weiter?"
„Wie und weiter?"
„Ich versuche irgendeinen Weg zu finden, heute Nacht nicht bei Zola zu schlafen und dir irgendwann wieder vertrauen zu können, aber dafür brauche ich endlich völlige Transparenz. Also wenn ich dich etwas frage, dann schaust du mir in die Augen, während du mir antwortest."
Kaum merklich nickt er und zieht sich den Hocker ran, um sich mir gegenüber zu setzen.
„Sie hat irgendwas davon gefaselt, dass ich sie betrogen hätte, ich hab sie stehen gelassen, bin nicht auf sie eingegangen und einfach ins Hotel rein."
„Und danach haben wir telefoniert und du hast dir nichts anmerken lassen..."
„Die letzte Woche hat insgesamt extrem an meinen Kräften gezerrt, mit euch abends zu telefonieren hat mir Kraft gegeben. Das habe ich mir nicht versauen lassen. Außerdem soll ich dir während eines Videoanrufs, bei dem unser Sohn auch dabei war erzählen ‚Ey jo Schatz übrigens, ich hatte nen One Night Stand als du im Koma lagst, die wollte mir nen Kind andrehen, hat sich rausgestellt, dass es nicht meins ist, aber sie stand gerade unten vor meinem Hotel und deswegen hab ich jetzt nen extrem ungutes Gefühl'?"
„Zumindest sowas in der Art wäre doch wohl mal drin gewesen."
„Ja genau und das hätte dir genug Zeit gegeben, die Schlösser auszutauschen, bevor ich nach Hause komme."
„Das hätte ich nicht getan!"
„Und was dann?"
„Keine Ahnung, aber du hattest es ja auch nicht für nötig gehalten mir zu sagen, dass dein beschissener One Night Stand weiß, wo wir wohnen! Warst du mit ihr hier?"
„Nein! Was denkst du denn von mir?!"
„Ich dachte, du wärst ehrlich zu mir gewesen, aber das war ja nicht der Fall!"
„Es war eine Nacht, nichtmal eine Nacht, um genau zu sein, in Berlin, das hab ich dir gesagt! Also nein, ich war nie mit ihr hier! Ich weiß nicht, woher sie weiß, wo wir wohnen, aber das bestätigt doch nur mein ungutes Gefühl, als sie vor meinem Hotel aufgetaucht ist."
„Aber verstehst du nicht, dass ich mir gewünscht hätte, dass du mir da schon irgendwie irgendwas sagst? Das du mir sagst, dass du ein ungutes Gefühl hast?"
„Ich hätte doch nie im Leben damit gerechnet, dass sie hier auftaucht! Wie denn auch?!"

Alles was uns reichtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt