Sicht Wincent
Alleine im Bett wache ich am nächsten Morgen auf, bin aber nicht in der Lage aufzustehen. Ich liege mitten im Bett und versuche irgendwie, mit so wenig Bewegung wie nur möglich, an mein Handy zu kommen.
„Bin nur schnell Kilian abholen, bis gleich ❤️" hat Leo mir vor gerade mal zehn Minuten geschrieben. Es dauert also noch mindestens zwanzig, bis sie wieder zuhause ist. Ich bleibe also liegen, während ich zu Insta wechsle und mir die Reaktionen auf den Song anschaue. Alle einfach nur mehr als süß! Glücklich mache ich also schnell ein Selfie, auf dem ich verschlafen aber ziemlich happy in die Kamera grinse und lade es mit einem „Happy Releaseday!" in meiner Story hoch.
„Könnte hier noch ein bisschen dauern, Kilian kommt nicht von Balu los" kommt dann eine Nachricht von Leo rein.
„Guten Morgen" antworte ich einfach und krabble dann mal aus dem Bett.
In der Küche setze ich mir erstmal Kaffee auf, bevor ich mich anziehe. Leider gibt's am Releaseday auch einiges an Arbeit, also setze ich mich mit Kaffee Nummer eins direkt mal daran.Während Kaffee Nummer zwei kommen dann auch Leo und Kilian wieder nach Hause. Mein Sohn klettert sofort auf meinen Schoß.
„Na" grinse ich und rutsche etwas vom Schreibtisch weg.
„Hey" kommt es von Leo geschmunzelt, während Kilian mir erzählt, was er mit Oma und Opa alles gemacht hat.
Sie gibt mir einen Kuss auf die Wange und haut dann wieder ab. Als mein Kaffee leer ist, gehe ich mit Kilian, der immer noch am erzählen ist, in die Küche, um Nachschub zu holen.
„Wie kommst du voran?" schmunzelt Leo, die tatsächlich schon ein paar Sachen in der Küche in Kisten packt.
„Hm... Geht so, war gestern wahrscheinlich doch eins zu viel."
„Nur eins?"
„Kilian, wie wäre es, wenn du Mama hier ein bisschen hilfst? Ich brauch noch so anderthalb bis zwei Stunden, dann bin ich fertig."
„Okay" kommt es nur von ihm.Mit Kaffee Nummer drei läuft's dann schon nen bisschen flüssiger. Zwischendurch kommt Leo kurz rein, um mir mitzuteilen, dass sie und Kilian schnell einkaufen fahren und als sie letztlich wiederkommen, bin ich auch schon fast fertig. Damit können wir auf den Nachmittag auch schon wieder zum Haus fahren. Wir verbringen noch ein paar Wochen jede freie Minute in diesem Haus. Nebenbei treffen wir uns ab und zu mit Zola, die unsere Hochzeit plant. Das Datum und die Location stehen schon. Der 5. Juni 2027 wird unser großer Tag sein, den wir mit so 1oo Leuten, in unserer Location, die direkt an einem See liegt, feiern werden. Dieses Wochenende bringen wir die letzten Sachen von der Wohnung ins Haus, übergeben unserer alten Vermieterin die Schlüssel und werden das erste Mal alle drei zusammen im Haus schlafen. Als Kilian sein Zimmer zum ersten Mal gesehen hat, hat er sich extrem gefreut und wollte es gar nicht mehr verlassen. Jetzt springt er schon aufgeregt umher, während Leo und ich nochmal checken, das wirklich alles raus ist. Sie stellt sich dann nochmal auf den Balkon, während ich Kilian nochmal in sein altes Zimmer schicke, damit er seine Tasche holt. Ich kuschle mich an ihren Rücken und lege mein Kin auf ihrer Schulter ab.
„Bist du traurig, dass wir hier ausziehen?" schmunzle ich.
„Nein, ganz und gar nicht. Es ist immerhin jetzt doch ein neuer Lebensabschnitt, den wir jetzt bestreiten. Du?"
„Ein bisschen werd ich die Bude hier schon vermissen. Hier hängen auch viele Erinnerungen dran. Gute wie schlechte, aber tatsächlich überwiegen dann doch die Schönen für mich. Ich hab dir hier nen Heiratsantrag gemacht.... Zweimal."
„Hm... genau hier auf der Terrasse und ich hab beide Male Ja gesagt."
„Kilian hat da drüben seine ersten Schritte gemacht."
„Das hab ich verpasst."
„Dafür wirst du bei allen Schritten, die noch kommen, dabei sein."
„Ich weiß" seufzt sie.
„Komm, ihr fahrt schon zum Haus und ich mach die Schlüsselübergabe und komme nach."
Leo dreht sich zu mir um und küsst mich nochmal zärtlich, bevor sie und unser Sohn schon losfahren. Ich sehe mich nochmal um. Ich kann verstehen, dass Leo sich etwas mehr freut, hier aus der Wohnung rauszukommen, aber ich... Ich hab hier so viel erlebt. Ich bin hier mit Kilian, nachdem er entlassen wurde, angekommen. Meine Schwester hat eine Zeit lang hier gewohnt, bis ich alleine für ihn sorgen konnte. Wir haben hier seinen ersten Geburtstag und jeden folgenden gefeiert. Seine ersten Schritte hat er auf der selben Terrasse gemacht, auf der ich Leo gefragt habe, ob sie mich heiraten will. Hier hab ich den Anruf von meiner Schwiegermutter bekommen, dass meine Frau nach vier Jahren zu uns zurückgekommen ist. Hier haben wir gestritten. Hier haben wir einige sehr heiße Stunden Zweisamkeit gehabt. Wir haben gelacht und geweint. Jetzt ziehen wir in ein neues Heim und da werden wir hoffentlich auch bis an unser Lebensende bleiben. Wir werden da neue Erinnerungen sammeln, die nicht auch zum Großteil von Traurigkeit durchzogen sind.„Haben Sie es sich doch anders überlegt?" höre ich unsere ehemalige Vermieterin hinter mir lachen und drehe mich sofort um.
„Nein nein" schmunzle ich „Hab nur noch etwas in Erinnerungen geschwelgt. Wir haben lange hier gewohnt."
„Ja, aber ich bin mir sicher, in Ihrem neuen Heim, werden sie noch um einiges länger leben."
„Das ist der Plan, ja."
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Alles was uns reicht
FanficJa gut, Leo ist wieder da, aber sicher, dass damit jetzt wieder alles einfacher wird? Sind sie bereit, die ganzen Herausforderungen zusammen zu meistern, oder werden sie an ihnen zerbrechen? Was ist mit Kilian?