Vielleicht auch ganz gut, dass ich aktuell seine einzige Kundin bin. Unwillkürlich beiße ich mir bei seinem Anblick auf die Unterlippe und merke erst gar nicht, wie er die Gewichte ablegt. Erst, als er aufsteht und zu mir kommt, checke ich es.
„Geht's oder kommst du nicht mehr hoch" grinst er breit.
Ohne Hemmung strecke ich meine Arme hoch, was ihn jetzt erst recht zum lachen bringt. Trotzdem greift er nach meinen Händen, um mich auf die Beine zu ziehen.
„Sowas können wir öfter mal in unseren Alltag integrieren... Macht Spaß" grinst er.
„Naja, wenn's dir Spaß macht, mich zu quälen."
„Dir macht's dafür ziemlich viel Spaß mich zu beobachten."
„Ja, das sind aber zwei Paar unterschiedliche Schuhe. Ich kann dich auch gut und gerne beobachten, wenn ich nicht komplett fertig bin."
„Na komm, wir gehen duschen" grinst er und schiebt mich vor sich her „Du stinkst."
Mit geöffnetem Mund drehe ich mich um und er kassiert direkt einen Schlag auf die Brust.
„Das hast du grad' nicht gesagt!"
„Was genau?"
„Dass ich stinke!"
„Das hast du jetzt aber gesagt."
„Du bist so ein Arsch! Ich hasse dich."
Ich drehe mich zur Tür und will gerade raus, da greift Wincent mein Handgelenk und zieht mich zu sich.
„Du liebst mich!"
„Ne, ich bin mir ziemlich sicher, dass du mir total auf die Nerven gehst."
Trotzdem kann ich nichts gegen ihn ausrichten und lasse mich fest an seinen verschwitzten Körper ziehen.
„Wince, Dusche, bitte."
Ich komme mir gerade seit langem mal wieder wie in unserer Anfangszeit vor. Das tut extrem gut! Wir sind gerade wieder im Haus, da klingelt es an der Tür.
„Vielleicht die Post, gehst du schon hoch? Ich komme gleich nach."
Wincent drückt mir noch einen Kuss auf die Lippen, der sich gewaschen hat, bevor er Richtung Flur verschwindet. Ich will gerade nach oben flitzen, da höre ich die Stimme meiner Mama. Mein Weg führt mich also nicht nach oben ins Badezimmer unter die Dusche, sondern in den Flur, wo Wincent meine mutter gerade hereinbittet. Die winkt das allerdings ab.
„Keine Panik, ihr seid mich gleich wieder los. Ich war nur in der Gegend und wollte euch persönlich morgen zum Kaffee und Abendessen einladen. Ihr zwei und Kilian."
„Gibt's irgendeinen besonderen Anlass? Hab ich was vergessen?"
Ich weiß natürlich, woher diese spontane Einladung kommt.
„Nein, nein, nein. Ihr wart aber länger nicht mehr bei uns zu Besuch. Kommt, ihr werdet euch wohl mal ein paar Stunden Zeit für die Familie nehmen können."
Diese Karte... die kam schon früher immer, wenn ich länger nicht zuhause war.
„Wann sollen wir da sein? Sollen wir noch was mitbringen?"
„Um drei. Ich würde nichts dagegen sagen, wenn du nen leckeren Kuchen bäckst."
„Ich schau mal, was sich da machen lässt."
„Super, dann will ich auch gar nicht länger stören. Sieht so aus, als würdet ihr gerne schnell unter die Dusche."
„Wie kommst du denn da drauf? Bis morgen."Nachdem die Haustür ins Schloss gefallen ist, drehe ich mich seufzend zu Wincent.
„Da steckt noch was anderes dahinter."
Wincent sieht mich fragend an, während wir wieder reingehen.
„Sie machen sich Sorgen um uns, wegen all dem, was um uns rum gerade passiert."
„Jetzt?"
„Auch, wenn sich gerade wieder alles beruhigt, aber das bekommen die beiden eben nicht so ganz mit. Außerdem hab ich sie um etwas Zeit gebeten, als das erste Mal ein Bild von Kilian im Internet aufgetaucht ist."
„Warum hast du mir das nicht gesagt?"
„Du hast dir dafür sowieso schon die ganze Schuld gegeben. Und bevor du jetzt wieder irgendetwas dazu sagst: Lass es. Ich will von diesem Thema endlich wegkommen."
„Dann gehen wir jetzt einfachen schnell duschen, holen Kilian ab und machen uns einen entspannten Abend zu dritt. Wir werden morgen sehen, was deine Eltern wollen."
„Okay."
Eigentlich hatte ich mir das hier jetzt etwas anders vorgestellt, aber das Auftauchen meiner Mutter eben war einfach der Stimmungskiller schlecht hin. Den Fakt, dass wir komplett durchgeschwitzt sind, konnte ich ja noch ignorieren, aber meinen Mutter leider nicht. Also gehen wir getrennt voneinander duschen. Das kann ich auch ganz gut genießen. Wincent fährt dann Kilian abholen und diese Zeit nutze ich, um ungestört mit Zola zu telefonieren.„Ich kenne Anke und Frank, die geben nicht euch die Schuld an dem Ganzen. Ihr seid da die Einzigen. Wincent hat schon Recht, ihr müsst mal wieder weg von allem."
„Wir können doch nicht immer, wenn uns zuhause alles zu viel wird, in den Urlaub."
„Es reicht ja auch schon nen Wochenende irgendwo, wo es keinen Empfang gibt und ihr abschalten könnt. Gerade müsst ihr euch mal wieder mehr denn je um eure Beziehung kümmern. Lasst Kilian bei deinen Eltern, seiner Mum, seiner Schwester oder liebend gern auch bei mir und fahrt übers Wochenende weg. Dann kommt ihr auch mal wieder zu eurer Zweisamkeit."
Ich weiß ja, worauf sie anspielt und auch wenn es mich etwas nervt, dass ich diese Zweisamkeit gerade fast am meisten vermisse, weiß ich, dass sie Recht hat.
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Alles was uns reicht
FanfictionJa gut, Leo ist wieder da, aber sicher, dass damit jetzt wieder alles einfacher wird? Sind sie bereit, die ganzen Herausforderungen zusammen zu meistern, oder werden sie an ihnen zerbrechen? Was ist mit Kilian?