Kapitel 285

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Sicht Wincent

Ich weiß nicht, wie spät es war, als ich in mein Gym gegangen bin, aber es war dunkel. Jetzt geht gerade die Sonne auf. Kilian ist also offiziell seit gestern verschwunden. Er hat die Nacht bei einer fremden Person verbracht und allein dieser Gedanke bewirkt, dass ich direkt wieder voller Energie bin. Trotzdem gehe ich rein. Shayenne liegt auf der Couch, Marco sitzt auf dem Boden und lehnt an der Couch, Anke hat sich an Frank gelehnt. Er ist der Einzige, der wach ist und aufs Handy starrt.
„Leo ist oben" flüstert er.
Ich nicke knapp und gehe dann auch hoch um mir im Schlafzimmer frische Klamotten zu holen.
„Nein, das funktioniert so nicht."
„Leo, wir sind hier um zu helfen. Sag einfach, was nicht passt und es wird erledigt."
In der auf den letzten paar Stufen bleibe ich stehen. Neben Leo stehen noch Zola und Toby in unserem chaotischen Flur.
„Was ist hier passiert."
„Beschäftigungstherapie. Wenn sie nicht irgendwas macht, dreht sie durch."
Zola und Leo sind schon wieder im Schlafzimmer verschwunden.
„Also macht ihr jetzt hier nen Frühjahrsputz?"
„Mir ist's lieber, dass sie das mit uns zusammen macht, als alleine."
„Ich geh duschen, wenn was ist sagt sofort Bescheid."
„Klar."

Als ich wieder runter komme steht Anke in der Küche und kocht Kaffee für alle.
„Ich geh hoch und bring Leo einen."
„Hier."
Zwinkernd stellt sie mir zwei Tassen hin, die ich nehme und dann hoch ins Schlafzimmer gehe.
Sobald ich mit den zwei Tassen ins Zimmer komme verabschieden Zola und Toby sich nach unten. Ich setze mich neben Leo auf den Boden und halte ihr ihre Tasse hin. Seit gestern Nachmittag haben wir nicht mehr wirklich miteinander geredet.
„Ich habe auch Angst."
Mein Blick sucht nach ihrem und als er ihn endlich findet, schmerzt alles an mir noch viel mehr.
„Wenn er wieder bei uns ist, werde ich ihn nie wieder loslassen."
„Dann sind wir schonmal zu zweit."
Seufzend stelle ich unsere Tassen neben mir ab, bevor ich Leo in meine Arme ziehe.
„Wo ist er?"
Ihre stimme bebt, aber dass auch ich weine, merke ich erst als sie sich leicht von mir löst und die Tränen von meiner Wange streicht. Wer auch immer unseren Sohn hat sollte beten, dass er mir niemals gegenüberstehen wird.

Als es unten klingelt sind wir schneller auf den Beinen als gedacht.
„Haben sie ihn gefunden? Wo ist er?" durchlöchert Leo den Beamten von gestern, der jetzt vor unserer Tür steht.
„Leider haben wir ihn noch nicht gefunden. Aber wir wissen, wer Ihren Sohn aus dem Kindergarten entführt hat. Felicitas Beireut. Sie wurde erkannt, wie sie mit einem Jungen die Einrichtung verlassen hat. Er passt auf die Beschreibung Ihres Sohnes.
Irgendwas klingelt aus verschiedenen Richtungen, aber ich hab keine Ahnung, was es ist.
„Wer ist das und warum haben die, die sie gesehen haben sie nicht aufgehalten, wenn sie sie erkannt haben."
„Sie ist eine neuere Erzieherin im Kindergarten Ihres Sohnes, vielleicht kennen sie eher als Feli. Er ist freiwillig mitgegangen, sie haben nicht an eine Entführung gedacht. Die Fahndung nach ihr läuft bereits. Wir werden Ihren Sohn finden. Aber wir haben noch ein paar Fragen, können wir kurz reinkommen?"

Während sie reinkommen drücke ich Leos Hand etwas fester.
„Sie wissen bei wem er ist, sie werden ihn finden. Er ist bald wieder bei uns."
„Warum hat sie das getan?"
„Keine Ahnung, aber sie kann ruhig mal dafür beten mir nie wieder gegenüber zu stehen. Das wird Konsequenzen für sie haben. Sie kann sich warm anziehen."
Sachte nehme ich ihr Gesicht in meine Hände und hauche einen Kuss auf ihre Stirn, bevor wir auch wieder ins Wohnzimmer gehen.

Alles was uns reichtWo Geschichten leben. Entdecke jetzt