Kapitel 214

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Ich weiß gar nicht genau, was hier passiert. Es fühlt sich vertraut, aber dennoch extrem fremd an. Ihre Hand liegt an meinem Nacken, ihr Daumen streichelt sachte über meine Haut. Eine Geste, die eine extreme Gänsehaut an meinem ganzen Körper auslöst. Sie will mich bei sich haben. Sie will meine Nähe. Langsam lege ich meinen Kopf in den Nacken und sehe direkt in ihre Augen. Sie sieht mich irgendwie besorgt an. Daran muss ich mich erst wieder gewöhnen. Ich hab jetzt wieder eine Frau an meiner Seite, die sich um mich sorgt. Ich habe meine Frau wieder an meiner Seite. Und sie hat Recht, ich muss das nicht jetzt sofort fertig machen.
„Ich" beginne ich, aber meine Stimme bricht.
Leo klappt meinen Laptop zu und nimmt meine Hand. Zwar hat sie nicht genug Kraft, um mich hochzuziehen, aber sie gibt mir dennoch so viel Halt. Sie schließt die Schlafzimmertür hinter uns und lenkt mich zum Bett. Ich bin wie weggetreten. Ich weiß gar nicht, was los ist.
„Wince, du machst mir Angst, was ist los?" kommt es irgendwann von ihr und ich spüre ihre Hand an meiner Wange.

Ihre Hand an meiner Wange löst einen Haufen an Erinnerungen aus. So viele Bilder auf einmal tauchen in meinem Kopf auf. Ausschließlich Bilder von Leo. Diese zärtliche Geste hat mich immer extrem beruhigt. Kurz genieße ich sie, dann fällt mir auf, dass das nicht Leo, meine Frau, ist, die hier neben mir liegt, die mich so berührt. Ich sehe zur Seite und blicke in ein hübsches Gesicht, aber es ist nicht das Gesicht meiner Frau. Sie hat blaue Augen und wasserstoffblonde Haare. Sie lehnt sich zu mir vor. Ihre Lippen auf meinen, ihre Hand streicht langsam über meine Bauch in südliche Richtung... Es fühlt sich so verdammt falsch an. Letzte Nacht, mit gut was an Alkohol im Blut, klang es nach einer guten Idee, mal wieder abzuschalten. Der Versuch, wieder etwas zu fühlen, war so verlockend, dass ich mich auf diese Barbekanntschaft eingelassen habe und mit ihr weggegangen bin. Und jetzt bereue ich es so so sehr. Nie habe ich etwas mehr bereut! Abrupt löse ich mich von ihr. „Stopp" kommt es mit fester Stimme von mir und ich stehe auf, um mich wieder anzuziehen. „Was ist los? Hat dir letzte Nacht nicht gefallen? Ich fand sie einfach fantastisch!" Das ich nicht lache! Okay, ich hab etwas Druck ablassen können, aber befriedigt hat mich der Sex nicht wirklich. Nicht so, wie es mit Leo immer war. Ich schweige also weiter und ziehe mir mein Shirt über. Jedoch gefällt ihr das gar nicht. Sie dreht mich zu sich um und da es mich so sehr überrascht, kann ich mich erstmal gar nicht wehren, als sie mich zu sich runter zieht, um mich zu küssen. Als ich realisiere stoße ich sie sofort von mir weg, sie landet auf dem Bett. „Was soll der Scheiß?" quiekt sie. „Ich muss gehen" brumme ich nur und ziehe mir auf dem Weg nach draußen meine Hose an. Sie folgt mir, noch immer nackt. Mit finsterer Miene sieht sie mich an, während ich die Wohnung verlasse.

Binnen weniger Millisekunden springe ich wieder auf. Meine Atmung geht so schnell, dass ich schon fast keine Luft mehr bekomme. Mir ist extrem warm. Ich zittere am ganzen Körper, alles kribbelt, mein Gesicht, meine Hände, alles... Ich spüre kaum, wie Leo ihre Hand auf meine Schulter legt.
„Wincent, hey, alles ist gut!"
Leos Hände liegen jetzt beide an meinem Gesicht, so bin ich gezwungen, ihr in die Augen zu sehen. Wehren kann ich mich nicht, mein Körper hört einfach gerade nicht auf mich, aber langsam, je länger ich in die Augen meiner Frau sehe, je länger ihre weichen Hände meine Haut berühren, desto mehr beruhigt sich meine Atmung, desto mehr spüre ich meinen Körper wieder und desto weniger wird dieses Kribbeln.
„Sch... hey, es ist alles gut, ich bin hier."
Wie hypnotisiert sehe ich in ihre Augen, irgendwie erschrocken von den letzten Minuten, dann falle ich ihr regelrecht in die Arme. Ich schlinge meine Arme um ihre Taille, vergrabe meine Nase in ihren offenen Haaren, atme ihren Duft ein. Ich stütze mich natürlich nicht komplett auf sie, aber halte mich einfach an ihr fest, halte sie fest... als ob sie gleich gehen würde. Ich weiß, dass sie das nicht wird, aber... ach ich weiß doch auch nicht.
Irgendwie schafft Leo es, mich wieder zum Bett zu lenken, weicht mir dabei aber keine Sekunde von der Seite. Beruhigend streicht sie mir über den Rücken, hält meine Hand. Irgendwann liegen wir dann im Bett, mein Kopf liegt auf ihrer Brust, meine Hand liegt auf ihrem Bauch, darauf ihre. Ihre andere Hand krault meinen Hinterkopf. Immer wieder spüre ich sachte Küsse auf meiner Stirn und irgendwann schlafe ich einfach ein.

Ich schlafe unruhig und ich bin mir sicher, dass das auch Leo nicht gerade guttut. Mitten in der Nacht wache ich dann auf, Leo ist davon nicht aufgewacht. Zum Glück. Ihre Hand liegt auf meiner Brust, sie sieht friedlich aus. Vorsichtig nehme ich ihre Hand, drücke einen Kuss auf ihre Fingerknöchel und lege sie auf die Matratze, bevor ich aufstehe und das Schlafzimmer leise verlasse. Von der Garderobe im Flur schnappe ich mir meine Jacke und gehe direkt weiter nach draußen auf unsere Terrasse.

Alles was uns reichtGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt