Sicht Leo
Nachdem wir aufgelegt haben, sehen wir uns kurz an und fangen an zu lachen. Ich lehne mich gegen Wincent.
„Wir müssen langsam los. Du kommst mit ins Studio."
„Du lässt mich jetzt erstmal nicht aus den Augen?"
„Ich lass dich erstmal nicht wieder alleine. Außerdem hat Anna gesagt, dass wir in der Öffentlichkeit aufpassen sollen. Ich kann besser aufpassen, wenn du bei mir bist."
Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn und geht ins Bad. Ich schnappe mir ein paar frische Klamotten und mache mich ebenfalls im Bad fertig.
„Verstehst du, warum ich will, dass du mitkommst?"
„Ich verstehe es, ja, aber sieht so der Rest unseres Lebens aus? Trennung ist keine Option, das ist klar, aber wie kommen wir da wieder raus? Seit ich wach bin verfolgt uns ein Drama nach dem anderen."
„Mir ist jedes dieser Dramen wert. Wir finden schon irgendwie einen Weg. Ich verspreche dir, dass ich alles tun werde, damit wir endlich unsere Ruhe haben."
„Und ich werde dir immer den Rücken stärken."
Ich strecke mich etwas hoch, um ihn zu küssen. Dann drehe ich mich wieder zum Spiegel, damit ich mich fertig schminken kann. Wincent bleibt noch kurz hinter mir stehen, dann geht er rüber, um sich anzuziehen. Ich muss jetzt nur noch meinen Rucksack packen, damit mir im Studio auch ja nicht langweilig wird. Laptop, Buch, Ladekabel... Mit dem Fahrstuhl fahren wir direkt runter ins Parkhaus.Während die Jungs gut beschäftigt sind und ich sie kaum zu Gesicht bekomme, widme ich mich noch ein paar Arbeitsaufträgen, schreibe etwas mit Freunden und bekoche die Jungs. Jetzt liege ich jedoch nur noch auf der Couch und gucke irgendeine Serie, als Wincent rauskommt.
„Ich brauch mal deine Meinung."
„Meine hoch professionelle Meinung, wo ich doch so viel Ahnung habe?"
„Einfach deine Meinung."
Ich lege also meinen Laptop beiseite, stehe auf und werde im kleinen Aufnahmezimmer dann direkt von Wincent auf seinen Schoß gezogen. Kevin ist, als wir rein sind raus und hat die Tür hinter sich zu gemacht.
„Was ist das für ein Song, dass Kevin rausgeht."
„Der, bei dem wir gestern verkackt haben. Wir sind den heute nochmal komplett neu angegangen. Ich finde ihn gut, aber ich will mal deine Meinung hören. Er ist immerhin über dich, beziehungsweise uns."
Wincent drückt also auf Play, während ich mich etwas mehr an ihn ran kuschle. Er hat die Arme um meinen Bauch geschlungen und sein Kinn auf meiner Schulter abgestützt.
„Und?"
Als Antwort lege ich meine Lippen zärtlich auf seine und küsse ihn.
„Also gefällt er dir?"
„Ja!"
Wincent hat einfach dieses Talent, mich mit seinen Songs so gut wie jedes Mal catchen zu können.
„Gut... Kevin! Der Song ist fertig!"
„Gott sei Dank! Dann kann ich ja jetzt nach Hause zu meiner Frau und meinem Sohn!"
Und wir nachher zu unserem Sohn. Man Ich freu mich!Während ich meinen Laptop schnell einpacke, machen die Jungs in ihrem Milieu alles fertig. Zusammen gehen wir dann runter, verabschieden uns und steigen in die Autos. Im Hotel fallen wir nur noch ins Bett, aber die Nacht ist kurz. Der Wecker klingelt extrem früh. Wincent mault natürlich rum, dass er noch nicht aufstehen will, also lasse ich ihn erstmal noch liegen und springe schnell unter die Dusche. Danach räume ich im Bad schonmal mein Zeug zusammen und packe alles in den Koffer. Wincent schafft es dann auch langsam, sich aufzurappeln und packt seinen ganzen Kram zusammen. Gerade mal eine halbe Stunde, wenn überhaupt, dann verlassen wir das Zimmer, checken aus und machen uns auf den Weg Richtung Norden.
„Weißt du, wir könnten auch Plätze tauschen. Die Bahn ist frei und ich weiß, dass du gerne wieder fahren willst."
Wincent legt eine Hand auf meinen Oberschenkel und schaut kurz zu mir.
„Sicher?"
„Klar! Du bist früher gerne gefahren."
„Ja, schon..."
„Hast du Angst? Vorm Fahren?"
„Nein, bisher war nur immer so viel los und ich bin nur wirklich sehr lange nicht gefahren."
Wincent fährt also bei der nächsten Gelegenheit von der Autobahn runter, parkt und steigt aus, um ums Auto zu flitzen und mir die Tür aufzuhalten.
„Die Dame" schmunzelt er und hält mir die Hand hin.
Wir tauschen also Plätze und dann fahre ich erstmal auf dem lehren Parkplatz ne Runde, bevor ich wieder auf die Autobahn rauffahre. Stimmt, ich liebe es, selber zu fahren und ich hab's vermisst. Ich fahre, bis wir das nächste Mal Pause machen, danach fährt Wincent den Rest bis nach Hause.Nachdem ich erstmal eine Waschmaschine angestellt habe, machen wir uns direkt auf den Weg zum Haus. Ich bekomme auf dem Weg das Lächeln gar nicht aus dem Gesicht und angekommen gehe ich sofort rein, ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, auf Wincent zu warten.
„Mama!" höre ich es dann hinter mir, als ich im Garten stehe und mir den Anbau von Außen ansehe.
Keine zwei Sekunden später hab ich meinen kleinen Jungen auf dem Arm.
„Ich hab dich so vermisst, Kleiner!"
Wincent taucht dann neben uns auf und sofort springt Kilian von meinem Arm in seinen. Ich werfe, während die beiden sich ausgiebig begrüßen und auch etwas durch den Garten toben, einen Blick auf das, was die Arbeiter die letzten anderthalb Wochen so geschafft haben. Es sieht wirklich alles genau so aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Gegenüber von der langen Küche, die noch nichtmal eingebaut ist, erstreckt sich eine Fensterfront und am Ende findet sich der kleine Anbau, in dem nur noch die Fenster fehlen.
„Na, sieht doch ganz okay aus, oder?"
Mein Papa legt den Arm um mich und sofort kuschle ich mich etwas an ihn ran.
„Es sieht genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe."
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Alles was uns reicht
Hayran KurguJa gut, Leo ist wieder da, aber sicher, dass damit jetzt wieder alles einfacher wird? Sind sie bereit, die ganzen Herausforderungen zusammen zu meistern, oder werden sie an ihnen zerbrechen? Was ist mit Kilian?