90- Bergziegen

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Annes Sicht:

Ich wollte nicht sexy sein oder so, sondern erwachsen. Wenn ich mir die Zukunft so anschaute, war es wohl auch besser diesen Weg zu gehen. Egal wie die Sache ausgehen würde, ich würde dadurch gehen. Ich sah nochmal in den Spiegel und tuschte mir ein wenig die Wimpern. Etwas Lipgloss noch auf die Lippen und es wäre perfekt. Doch irgendwie war der verschwunden. Ich machte die Tür auf und rief nach Nina und sah einen mir sehr bekannten Rücken. *Mats!* Wie von magischer Hand, bewegten sich meine Füße automatisch in seine Richtung. Als ich fast bei ihm war, schaute er über seine Schulter und ich blieb wie angewurzelt stehen. Er drehte sich ganz zu mir, stand auf und kam auf mich zu. Ich schämte mich so sehr, dass ich ihn nicht anschauen konnte. Es war Zeit meine eingeübten Worte ihm zu sagen und ich hoffte es hörte sich nicht zu sehr einstudiert an „es tut mir leid was passiert ist und ich würde dir gerne erklären was passiert ist" sagte ich und schaute weiter auf den Boden. „Geht doch ins Schlafzimmer dann seit ihr ungestört" schlug Nina vor und ich drehte mich direkt um und lief los. Einen kurzen Blick über meine Schulter zeigte mir dass er mir folgte. Ich machte die Türe auf und wir gingen rein. Ich setzte mich auf das Bett und versuchte meine Tränen runter zu schlucken. Es gab jetzt auch gar keinen Grund zu weinen. Er war da und ich musste jetzt nur weiter machen mit den Worten die mir im Kopf waren. „Mats ich kann es dir vielleicht nicht sinnvoll erklären aber ich hoffe du kannst mich dennoch verstehen. In der Nacht als ich so unruhig war gingen mir so viele Sachen durch den Kopf die mit Nina zu tun hatten. Ich bin die Patentante von Marie und wenn Nina und Michael was passiert, bekomme ich das Sorgerecht zugesprochen für Marie. Und ich hatte solche Sachen im Kopf wie Amoklauf, alle tot, ich müsste Marie erklären was passiert war und dir müsste ich sagen das ich dann nicht mehr allein zu haben bin, sondern Marie zu mir gehört. Da wir nie über das Thema Kinder gesprochen haben, wusste ich nicht wie du dazu stehst. Da wir uns ja auch erst so kurz kennen, wäre es ja auch abnormal gewesen, hätten wir über so was schon geredet. Ich hatte Angst, Angst das Nina was passierte, Angst davor dich zu verlieren, Angst vor der Art von Zukunft" ich sah kurz auf und er stand einfach nur so da und ich merkte das es um meine Kehle immer enger wurde. „Als ich dann wieder zu dir gekommen bin wollte ich Frühstück machen und euch damit überraschen. Vielleicht schon mal etwas üben dieses Familienleben" lächelte ich ihn an. Er reagierte immer noch nicht und ich machte weiter mit meiner Erklärung „als du dann plötzlich da standst und mich so überrascht hast und mich dann auch noch fragst wo her ich komme und mir unterstellt hast, ich würde lügen. Da sah ich einfach rot. Ich wollte mich doch bemühen alles richtig zu machen. Bis jetzt war es aber immer so, dass ich einfach machte was ich wollte und naja die Männer, die ich so hatte, das war mehr so" *Oh Gott wie sollte ich denn nur dafür eine Erklärung sinnvoll machen? Das ist doch voll peinlich!* „um es kurz zu machen, ich bin es nicht gewohnt Rechenschaft über mein Tun abzulegen" sagte ich mit fester Stimme und wunderte mich wie ich das hin bekam. Ich sah weg, denn ich wollte gar nicht wissen was er von mir dachte. „Ich wollte nicht dass du Rechenschaft ablegst. Ich hatte mir nur Sorgen gemacht" er kniete sich vor mich hin und hob mein Gesicht an und zwang mich ihn anzusehen. „Ich wollte mit dir reden aber du warst weg. Ich dachte du wärst wie Cathy, die einfach mal so mitten in der Nacht aufsteht und macht was sie will. Ist ja auch nicht wirklich das Problem, aber es war ein Grund warum das nicht mehr klappte. Ich wollte nur wissen wo du warst und du gabst mir genauso eine pampige Antwort wie sie es immer machte. Deswegen war ich so sauer auf dich und wollte nicht mehr mit dir reden. Vielleicht auch weil ich auf mich selber so sauer war das ich mich in dir so getäuscht habe" erschrocken sah ich ihn an *ich so wie Cathy? Diese magersüchtige Bergziege?* Ich schüttelte leicht den Kopf „es tut mir wirklich leid Mats das hätte alles nicht sein müssen und alles ist nur meine Schuld gewesen!" Er sah mich milde lächelnd an „gibt es sonst noch was, was du mir sagen willst?" *Er weiß es!* rief es laut in meinem Kopf *Woher?* Hatte Nina oder Marco schon mit ihm gesprochen? Ich fühlte wie meine Hände anfingen zu schwitzen und ich wischte sie nervös an meiner Hose ab. Er nahm sie in seine und drückte leicht zu „gibt's noch was oder nicht?" Er lächelte mich immer noch an und sah mir tief in die Augen. „Ja" kam es über meine Lippen „und was?"-„es ist was ganz schlimmes passiert" die Worte waren tonlos und stolperten nur so aus meinem Mund. „So schlimm dass du es mir nicht sagen kannst, oder nicht sagen willst?"-„Ich muss es dir sagen" meine Augen wurden immer größer. Der Moment war da! Ob ich wollte oder nicht ich muss es los werden und ihm sagen das ich schwanger bin. Er stand auf und ich dachte schon er würde gehen aber er setzte sich nur neben mich auf das Bett. Ich fühlte seinen Arm der sich über meine Schultern legte und er zog mich an sich ran und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Anne ich weiß es. Was mich nur ein bisschen beschäftigt ist die Frage der Möglichkeit ob es auch wirklich jetzt erst passiert ist?" Ich konnte es gar nicht vermeiden, es war einfach da, dieses Gefühl das der Knoten in meinem Magen geplatzt wäre. Nicht nur das er mir so eben gestand, das er es wusste, er war auch am Zweifeln ob es von ihm wäre. Das mit voller Berechtigung und ich fühlte mich an Ninas Geschichte erinnert. Ihr ging es genauso mit der Frage ob Marie von Michael oder von Ben war. Ich lehnte meine Stirn an seinen Hals und erklärte ihm was für einen Test ich gemacht habe und das dieser etwas von 2-3 Wochen anzeigte. Er drückte mich leicht an sich.

Mats Sicht:

Ich trank einen Schluck von dem Wasser was mir Nina hingestellt hatte als sie anfing zu lächeln. Aber sie lächelte nicht mich an sondern über meine Schulter. Anne hatte eben noch nach ihr gerufen doch Nina kam nicht zum Antworten da Anne nicht weiter gesprochen hatte. Sie musste wohl aus dem Bad raus gekommen sein. Ich schaute über meine Schulter und sah sie da stehen. Sie hatte sich in den zwei Tagen mehr als nur ein bisschen verändert. Sie sah reifer und erwachsener aus. Sie war immer noch wie eine Puppe aber anders. Nicht weniger reizvoll, ganz im Gegenteil. Sie sah noch schöner aus. Ich drehte mich zu ihr um und sie senkte den Blick. Ich stand auf und ging auf sie zu. Ich wollte sie in meine Arme ziehen, sie küssen und einfach nur festhalten. Doch ich stand einfach nur da, ihr gegenüber und sagte nichts. „Es tut mir leid was passiert ist und ich würde dir gerne erklären was passiert ist" sagte sie und ich hing an ihren Lippen. Auf mehr hatte ich nicht gewartet als das ich endlich eine Erklärung bekam für ihr Verhalten und ich war gespannt ob sie es mir sagen wird was es mit dem Schwangerschaftstest auf sich hatte. Nina bot uns an ins Schlafzimmer zu gehen um dort in Ruhe zu reden und Anne ging direkt los und ich folgte ihr. Sie setzte sich aufs Bett und sah noch zierlicher und zerbrechlicher aus als sie es nicht ohne hin schon war. Ich blieb einfach stehen und erkannte das sie wohl wirklich am überlegen war wie sie anfing. Es war wirklich alles leicht verwirrend was sie mir zu erzählen hatte, aber irgendwie macht es doch wieder Sinn. Dazu kam das ich ihr ansah das es ihr wirklich mehr als nur ein bisschen leid tat. Sie litt mit jedem Wort was aus ihr raus kam ein wenig mehr. Ich kniete mich vor sie auf den Boden und hob ihr Gesicht an denn ich wollte ihr in die Augen schauen wenn ich ihr sagte was ich von der ganzen Aktion hielt und das ich sie mit Cathy verglich nahm sie mir dann doch übel. Sie sagte nichts aber ich konnte es ihr ganz deutlich ansehen. Es kam noch eine Entschuldigung von ihr, doch von der anderen Sache kein Wort. *Wird sie es verschweigen?* ich wollte ihr dazu keine Gelegenheit geben und fragte ob es noch mehr zu erzählen gab. Ich konnte eine Veränderung an ihr wahrnehmen. War sie bis eben noch schuldig, so war nun blanke Angst und Panik zu sehen. Es musste also stimmen, sie war schwanger. Ich nahm ihre Hände in meine. Schweiß nass waren sie und ich konnte fühlen dass sie leicht zitterte. „Gibt's noch was oder nicht?" Ich lächelte sie aufmunternd an, denn ich wollte es gern aus ihrem Mund hören. „Ja"-„und was?"-„es ist was ganz schlimmes passiert" sie hatte wirklich Panik. „So schlimm dass du es mir nicht sagen kannst, oder nicht sagen willst?"-„Ich muss es dir sagen" Sie sah aus als würde sie gleich zusammen brechen und ich konnte sie fast doch nicht so leiden lassen. War ich so ein schlechter Mensch das sie Angst vor mir hatte? Oder war es doch einfach nur die Angst vor der Sache selbst? Ich stand auf und setzte mich neben sie auf das Bett. Ich legte einen Arm über ihre Schultern und zog sie an mich ran und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Anne ich weiß es. Was mich nur ein bisschen beschäftigt ist die Frage der Möglichkeit ob es auch wirklich jetzt erst passiert ist?" Mir tat die Frage schon leid bevor sie über meine Lippen kam. Sie erklärte mir was für einen Test sie gemacht hatte und welche Zeitspanner er anzeigte. Vielleicht war es ja doch von mir, irgendwie wünschte ich es mir. Ich zog sie eng an mich und wollte ihr so zu verstehen geben das ich sie bei mir haben wollte.

Wie das Leben so spieltGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt