Kapitel 31

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Ich rannte immer weiter durch die Straßen, bis mir meine Füße wehtaten. High Heels waren definitiv nicht zum Rennen gemacht.

Ich schniefte. Verdammt, jetzt heulte ich auch noch deswegen. Wütend fuhr ich mir mit dem Handrücken über die Augen. Toll, und wie ein Panda sah ich jetzt vermutlich auch noch aus.

Als ich aufblickte und mich umsah, fiel mir auf, dass ich anscheinend wirklich weit gerannt war. Es war gar nicht mehr so weit bis zu mir nach Hause. Taxi rufen lohnte sich also nicht mehr.

Wobei, ich hatte eh kein Handy. Und irgendwo klingeln traute ich mich nicht, so spät nachts. Die Leute dachten noch ich wär ein Axtmörder, so wie ich aussah.

Also stiefelte ich weiter. Nach fünf Minuten machte ich Halt und zog meine Schuhe aus. Definitiv besser.

Barfuß und todmüde kam ich nach zwanzig Minuten zuhause an, kramte in meiner kleinen Tasche nach meinem Schlüssel, fand ihn schließlich und sperrte auf.

Ich betrat den Flur, warf die Schuhe in eine Ecke und seufzte erst einmal. Der Abend war ja wohl mal der totale Reinfall gewesen. Ich hatte Alec geküsst und mit ihm getanzt und wäre sogar fast bei ihm ins Auto gestiegen.

Ich hörte ein Geräusch aus dem Wohnzimmer.

Einbrecher, schoss es mir durch den Kopf.

Mein Herz blieb stehen, ich sah mich panisch nach einer Waffe um und packte schließlich Dads schwarzen Regenschirm. Ich hielt ihn mir vor die Brust und postierte mich neben die Tür.

In diesem Moment ging die Tür zum Wohnzimmer auf und ich sprang mit einem Schrei los, holte aus und donnerte dem Einbrecher den Regenschirm so fest ich konnte auf den Kopf.

Ich hörte noch jemanden schreien und erschrak so sehr, dass ich meine Waffe fallen ließ.

„Leah?! Was tust du denn?!", schrie Dad mich an und hielt sich den Kopf.

„Ich..ich dachte...dass du ein Einbrecher wärst...", stammelte ich.

„Verdammt, ich hab auf dich gewartet, weil ich wissen wollte, wie ein Ball war!", rief er.

Ich hatte meinen eigenen Vater fast ohnmächtig geschlagen. Konnte der Abend noch schlimmer werden?

„Ich...oh Gott, Dad, es tut mir so leid!", piepste ich nur.

Er sah mich an und fing an zu lachen.

„Sowas kann auch nur dir passieren!", grinste er und nahm mich in den Arm. „Aber an deiner Kampftechnik müssen wir noch arbeiten für den Ernstfall. Waffe fallen lassen ist nicht so effektiv."

„Ich hab mich halt erschrocken.", sagte ich nur und musste auch lachen.

„Oh Mann, echt.", lachte er immer noch und nahm mich mit in die Küche. Dort holte er sich etwas eis aus der Kühltruhe und kühlte die rote Stelle an seinem Kopf, die mei. Regenschirm-Angriff hinterlassen hatte.

„Möchtest du was essen? Auf dem Ball gab es doch sicher nur so klitzekleine Brote, oder?"

Ich nickte. „Und Schoko-Törtchen."

Wobei meines Alec aufgegessen hatte.

Blöder Arsch.

Dad lachte noch mal und öffnete den Kühlschrank. Dann warf er mir eine Flasche Wasser zu und holte noch ein paar andere Sachen heraus.

„Wie viel Uhr ist es eigentlich?", wollte ich wissen und ließ mich auf einen Stuhl sinken.

„Es ist erst halb eins, ich dachte, du kämst viel später.", antwortete Dad und begann, ein Sandwich für mich zu machen.

„Nein, ich bin schon recht früh gegangen. Du weißt ja, dass ich nicht sonderlich gut tanze.", sagte ich und massierte meine schmerzenden Füße.

Er grinste. Meine beschissenen Koordinationsfähigkeiten hatte ich von ihm. Mom hatte immer gesagt, Dad wäre eine Gefahr für die Allgemeinheit, wenn er tanzte.

Ich musste bei dem Gedanken an Mom lächeln.

„Und wie war es sonst so? Erzähl mal.", fragte Dad und holte einen Teller aus dem Schrank.

„Ach, es war wirklich nett.", murmelte ich ausweichend. „Sophie hat einen neuen Freund."

„Wirklich?", fragte mein Vater. „Wie heißt er denn?"

Ich wollte ihm gerade antworten, als es an der Tür klingelte.

Bad boys do it better?Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt