Kapitel 1

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Ungnädig zog ich mir die Bettdecke über den Kopf und drehte mich mit dem Rücken zum Fenster. Ich war gestern Abend viel zu müde gewesen, um an die Rollläden denken zu können und dementsprechend durchflutete die Sonne bereits früh mein Schlafzimmer. Allerdings wollte ich noch nicht aufstehen, wollte noch schlafen. Ich hatte mich schon gestern so schlapp und extrem erschöpft gefühlt und auch nach einer Nacht Schlaf ging es mir nicht besser. Aufzustehen kam mir gerade wie eine riesige Qual vor. Vielleicht sollte ich einfach liegen bleiben und mich fürs Training entschuldigen. In dem Zustand würde ich sowieso keine gute Leistung abrufen können. Am liebsten würde ich mich weiter unter meiner Decke zusammenkauern, aber Ann Kathrin machte mir einen Strich durch die Rechnung, indem sie wie immer mit drei Fingerknöcheln gegen meine Tür klopfte.

"Kommst du zum Frühstück Mario?", rief sie durch die geschlossene Tür und ich brummte unzufrieden. Der Gedanke an Frühstück gefiel meinem Magen nicht. Vorerst würde ich Ann Kathrin ignorieren. Allerdings dachte die Beta wohl gar nicht daran, mich in Ruhe zu lassen.
"Mario? Bist du wach?", rief sie durch die Tür. Erneut wollte ich nicht antworten und vergrub mich lieber tiefer in meinem Kissen und meiner Bettdecke.

"Mario antworte mir oder ich komme rein!", empörte sie sich weiter. Sollte sie doch, ich würde dennoch nicht aufstehen. Ich wollte einfach meine Ruhe und weiter schlafen.

Meiner Freundin musste es jedoch wohl jetzt endgültig reichen, denn ich hörte die Tür und dann Schritte, die erst neben meinem Bett stehen blieben.

"Mario, komm, du musst aufstehen und was essen vorm Training", erklang ihre Stimme nahe meinem Ohr und eine Hand legte sich auf meine Schulter.

"Lass mich schlafen Ann", murrte ich mit rauer Stimme.

"Nein, Mario. Komm schon", lies sie nicht locker. Unwillig dreht ich mich auf den Rücken und linste zu ihr auf.

"Du siehst aber gar nicht gut aus", sprach sie entsetzt aus und legte mir eine Hand auf die Stirn, "und heiß bist du auch."

"Einfach nur müde", murmelte ich schlapp.

"So einfach wird das eher nicht sein. Mario, wann hast du deine Tabletten zuletzt genommen?", fragte sie mich.

"Gestern Abend, wie immer", murmelte ich nach kurzem zögern.

"Können sie an Wirkung verlieren?", fragte Ann besorgt nach und ich schüttelte den Kopf, bereute es aber zugleich wieder, da der mir nun weh tat.

"Bist du dir sicher? Du solltest auf jeden Fall unbedingt mit dem Arzt reden. Er soll deine Werte und Dosierung überprüfen", bestimmte sie.

Einerseits fand ich es ja wirklich toll, dass sie sich so um mich sorgte, andererseits nervte es mich gerade auch, dass sie das so aufwirbelte. Ich hatte gerade keinen Kopf daran zu denken, dass ich vor meiner letzten Pause bereits Probleme mit der Einstellung hatte.

"Nur eine Erkältung", sprach ich meinen Standpunkt aus. Ich hatte mich die letzten Tage schon von meinem Leistungsniveau entfernt gefühlt und die einfachste Erklärung war eine Erkältung.

"Du bleibst heute auf jeden Fall im Bett. Dann wird sich schon zeigen, ob du wirklich krank bist, oder ob die Tabletten nicht mehr arbeiten", bestimmte sie und ich nickte ergeben.

Einen Tag Ruhe und Pause. Das würde mir gut tun. Einfach nur schlafen. Dementsprechend schloss ich auch wieder meine Augen und zog mir die Bettdecke über den Kopf.

Ann würde mich schon krank melden. Manchmal fragte ich mich, was ich ohne die Beta tun würde. Sie war immer für mich da, kümmerte sich um mich, schaute dass es mir gut ging und gab der Öffentlichkeit eine Frau an meiner Seite. Sie stärkte mir immer den Rücken und schaffte es jedes Mal, mich wieder aufzubauen. Außerdem wahrte sie mein Geheimnis. Ich hatte ihr so vieles zu verdanken.

"Hey Mario, nicht einschlafen. Du musst trotzdem noch deine Tablette nehmen", lies sie mich nicht in Ruhe und mürrisch richtete ich mich auf. Sie reichte mir ein Glas Wasser und die einzelne Suppressiva. Mühsam schluckte ich die Kapsel herunter und gab das Glas Ann Kathrin zurück.

"Kann ich jetzt wieder schlafen?", murrte ich und meine Freundin nickte.

"Ich werde dir eine Hühnersuppe kochen. Falls es wirklich nur eine Erkältung ist, sollte die helfen", meinte sie noch und nachdem sie noch einmal eine Hand prüfend auf meine Stirn gelegt hatte, verließ sie endlich das Zimmer und ließ mich noch schlafen.

Sleepless DreamerWo Geschichten leben. Entdecke jetzt