Die Nacht wurde wirklich lang.
Gigi füllte sich regelrecht ab und schon nach drei Stunden verschwand sie klammheimlich im Schlafzimmer.
Zayn und ich hingegen tranken nicht so viel.
Ich, weil ich mich genau kannte und wusste, wenn ich zu viel trinken würde, würde ich noch emotionaler werden und vermutlich könnte ich dann niemals mehr mit dem weinen aufhören und Zayn, da er sicherlich nichts unüberlegtes sagen wollte. So zumindest meine Vermutung.
Als Gigi im Schlafzimmer verschwand, schaute ich Zayn mahnend an.
„So und jetzt reden wir über dich".
Schnell schüttelte mein Kumpel den Kopf, doch so einfach kam er mir nicht davon. Wir hatten jetzt genug über Louis und mich gesprochen.
„Also, raus mit der Sprache, warum bist du mit zu Liam gegangen?".
Zögerlich schaute Zayn die Treppe nach oben, vergewisserte sich das seine Freundin auch wirklich im Schlafzimmer war und sah dann zu mir.
„Ich weiß es nicht."
„Ach Papperlapapp. Komm schon, Zayn. Mir kannst du nichts vormachen. Ich will jetzt endlich die Wahrheit haben".
Zögerlich biss er sich auf die Lippe, neigte seinen Kopf nach links und verschränkte seine Finger ineinander.
„Du lässt mich nicht in Ruhe, oder?".
„Nicht, ehe du mir alles gesagt hast".
Ein lautes Seufzen ertönte und Zayn gab sich endlich geschlagen.
„Gut dann...dann fange ich am besten von Vorne an."
Nickend nahm ich mein Glas Wein, trank einen Schluck und schaute meinen ehemaligen Bandkollegen fordernd an.
„Also... die Party. Liam ist mir aus dem Weg gegangen, dass hast du ja selbst gemerkt. Irgendwie...irgendwie hat mich das gestört. Als ihr alle irgendwie verschwunden wart, habe ich ihn alleine an der Bar gesehen. Völlig betrunken und naja... dann bin ich halt zu ihm und habe ihn zur Rede gestellt."
Zayn trank einen Schluck und lächelte leicht.
„Als er mich bemerkt hat, konnte ich förmlich seinen beschleunigten Herzschlag spüren. Er wusste nicht was er machen sollte, ob er abhauen sollte, oder aber sich mit mir unterhalten. Jedenfalls habe ich ihn dann gefragt, warum er mir aus dem Weg ging."
Augenverdrehend schlug ich meine Beine übereinander.
Was für eine überflüssige Frage.
„Nach langem Zögern sagte er mir, dass er damit einfach nicht umgehen könnte. Mit allem. Damit, dass er sich endlich eingestanden hatte Schwul zu sein, damit, dass er mir seine Gefühle gestanden hatte und vor allem nicht damit, dass ich diese nicht erwiderte. Ihn machte es krank, dass ich eine Freundin hatte und nicht er derjenige war, der an meiner Seite war."
Zayn schwieg einen Moment, nahm erneut einen Schluck und schaute dann mit leeren Augen durch das Wohnzimmer.
„Wir haben dann gemeinsam einen weiteren Drink getrunken, haben uns in eine Stille Ecke gesetzt und uns angeschwiegen."
Fragend zog ich meine Stirn kraus, als er weiter sprach.
„Ich weiß wirklich nicht was es war, Harry. Aber als wir da so saßen, stillschweigend getrunken haben, haben wir uns einfach nur angestarrt. Und dann... dann kamen auf einmal die ganzen Erinnerungen. Vor meinem geistigen Auge haben sich so viele Bilder abgespielt...ich...", er schüttelte den Kopf und sah mich wieder an.
„Ich wusste nicht mehr was ich tat. Kurzerhand sind wir gleichzeitig aufgestanden, haben den Blick nicht einmal voneinander genommen und ohne ein Wort zu verlieren, sind wir gemeinsam in ein Taxi und zum Hotel gefahren. Es war komisch, ich war gefangen in einer Blase die mich nicht mehr klar denken ließ. Als wir dann im Fahrstuhl waren, da...da sind wir einfach übereinander hergefallen".
„Du hättest es stoppen müssen".
Nachdenklich nickte Zayn.
„Hätte ich. Aber ich konnte nicht. Als seine Lippen auf meinen waren, wurde ich zurück katapultiert. Zurück zu der Zeit, als Liam mir die Welt bedeutete. Seine Lippen und seine Hände sorgten für einen Rausch, sodass ich mit ihm gemeinsam in sein Zimmer ging und mich einfach gehen ließ."
„Er war völlig betrunken, Zayn."
Schuldbewusst schaute der Schwarzhaarige auf seine Hände.
„Ich weiß, aber... Gott, Harry...das...es war einfach unglaublich. So habe ich lange nicht mehr gefühlt."
Nachdenklich musterte ich meinen Freund, musste dann aber endlich die Frage stellen, die mir auf der Zunge brannte.
„Wenn es so unglaublich war, warum bist du dann abgehauen und wieder zurück zu Gigi? Im Ernst, Zayn...warum?".
„Weil...weil...ich hatte einfach Angst. Ich konnte mich nicht wieder auf Liam einlassen und das ich es getan hatte, war ein wirklich dummer Fehler. Ich liebe Gigi und wir...wir haben ein sehr gutes Leben. Wir funktionieren gut zusammen."
Erneut nahm ich einen Schluck von meinem Wein.
„Ich stelle dir diese Frage jetzt ein letztes Mal... liebst du sie mehr als ihn?".
Zayn blieb stumm und das reichte mir als Antwort.
„Sie haben das Beide nicht verdient. Weder Gigi noch Liam."
Zayn nickte, als ich aufstand.
„Du musst dich entscheiden."
****
Früh am nächsten Morgen ging mein Flug nach Los Angeles.
Von Zayn und Gigi hatte ich mich nicht mehr verabschiedet. Es war einfach viel zu früh.
Als ich dann endlich Stunden später in meinem Haus in Los Angeles ankam, war ich mehr als K.O.
Die kurze Nacht, der lange Flug und vor allem die emotionale Erschöpfung machten mich fertig.
Einen kurzen, wirklich kurzen Moment hatte ich gehofft Louis in meinem Haus vorzufinden, doch als ich meine Küche betrat, traf mich die Ernüchterung.
Auf dem Küchentisch lag mein Haustürschlüssel.
Kein Zettel, gar nichts dabei.
Nur der Schlüssel.
Es war also wirklich vorbei.
Ich sollte eigentlich ins Bett gehen, meinem Körper Ruhe gönnen, doch dieser dumme Schlüssel auf meinem Tisch gab mir einen Adrenalinschub, sodass ich mein Handy nahm und Niall anrief.
Ich brauchte jetzt Ablenkung und die konnte mir nur mein bester Freund geben.
Keine zehn Minuten später öffnete sich meine Haustür und der blonde Ire kam herein, sah mich und riss mich sofort in seine Arme.
„Es tut mir so leid, Haz".
Traurig nickte ich, schob Niall von mir und schaute stattdessen auf meine Füße.
„Louis er...er ist sofort nachdem wir gelandet sind hier her gefahren und hat den Schlüssel abgelegt. Natürlich bin ich mitgekommen. Ich wollte mit ihm reden, doch er blockte wie ein kleines Kind ab. Selbst nach Gigis Anruf glaubte er noch immer nicht, dass ihr keine Affäre hattet. Er hat die irrsinnige Idee, dass Gigi das sagen musste, da Zayn ja im gleichen Raum war."
Frustriert ließ ich mich auf mein Sofa nieder.
„Ich weiß nicht wie er auf so eine dumme Idee kommt."
Wusste ich wirklich nicht.
„Ich auch nicht, Haz."
Nachdenklich schaute mein bester Freund auf meinen Tisch, als er aufsprang und ich erschrocken zu ihm blickte.
„Aber ich werde das heraus finden und was noch viel wichtiger ist, ich werde eure Beziehung retten".
Kopfschüttelnd überschlug ich meine Beine.
„Da gibt es nichts mehr zu retten."
„Oh doch mein Lieber! Ich meine ihr seid Louis und Harry, ihr seid füreinander bestimmt und ich lasse nicht zu, dass Larry getrennte Wege geht! Nicht, solange ich noch der Kapitän des Schiffes bin."
DU LIEST GERADE
Ein Herzschlag entfernt
FanficSieben Jahre waren vergangen, seit One Direction sich getrennt hatten. Mit allen hatte Harry Kontakt gehalten. Mit allen außer Louis. Ein neues Projekt bringt die Beiden allerdings wieder näher und die Dinge von damals, die nie besprochen wurden, s...
